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Atommüll-TransportePannen bremsen Castor-Räumung aus

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Ein Castor-Transport rollt von Jülich nach Ahaus.

Ein Castor-Transport rollt von Jülich nach Ahaus.

Nach knapp sechs Monaten sind erst 21 der 152 Castor-Behälter am Ziel. Im Landtag räumt die Landesregierung nun ein, dass die Genehmigung für die Transporte bis August 2027 nicht ausreichen wird. Das Ziel ist jetzt August 2028.

Die Uhr tickt. Bis August 2027 läuft die Genehmigung für die Castor-Fahrten von Jülich nach Ahaus aus. Doch die Räumung des Zwischenlagers kommt nur schleppend voran. Jetzt räumte Staatssekretärin Silke Krebs erstmals öffentlich ein, dass die Zeit nicht reichen wird. „Die zunächst bis August 2027 erteilte Genehmigung soll um ein weiteres Jahr bis August 2028 verlängert werden“, sagte die Grünen-Politikerin am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Düsseldorfer Landtags. Nach ihrer Einschätzung können die 152 Castor-Fahrten bei der bisherigen Taktung erst bis August 2028 abgeschlossen werden.

Der Hauptgrund für die Verzögerung ist die geringe Taktung. Seit dem Start Ende März sind erst 21 der 152 Behälter nach Ahaus gebracht worden. Zwischen einzelnen Fahrten gab es längere Pausen. Nach dem vierten Transport kam es zu einer längeren Unterbrechung. Nach Angaben der Jülicher Entsorgungsgesellschaft (JEN) lag das unter anderem daran, dass der beauftragte Transportdienstleister zwischenzeitlich mit einem anderen Großprojekt beschäftigt war.

Auch technische Probleme bremsten die Räumung. In einem Fall führte eine Panne an einem Spezialtransporter zu einem Ausfall. Ein anderer Transport verzögerte sich offenbar wegen nicht ausreichend geladener Akkus um mehr als eine Stunde. Dietmar Brockes, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Technische Mängel müssen im Vorfeld ausgeschlossen werden. Der Personalaufwand ist immens, da ist jede kurzfristige Absage sehr ärgerlich.“

Der Transporteur Orano NCS hat nach Angaben der Landesregierung bereits am 24. Juni beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) eine Verlängerung der Beförderungsgenehmigung um ein Jahr beantragt. Das BASE muss über den Antrag entscheiden. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll die Taktung im Oktober auf zwei Fahrten pro Woche erhöht werden.

Notwendig ist die Räumung, weil die Genehmigung für die Aufbewahrung der Brennelemente im Zwischenlager Jülich bereits 2013 ausgelaufen ist. Das NRW-Wirtschaftsministerium ordnete deshalb 2014 ihre Entfernung an. Die 152 Behälter enthalten Brennelemente aus dem ehemaligen Hochtemperaturreaktor AVR in Jülich, der von 1967 bis 1988 in Betrieb war. In Ahaus sollen sie weiter zwischengelagert werden.

Die Atomkraftgegner ziehen unterdessen eine kritische Zwischenbilanz. Heiner Möllers von der Bürgerinitiative Ahaus und Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor Jülich“ erklärten: „Mit einigen Pannen, abnehmendem Polizeischutz und mit nahezu immer gleichen Routen und Fahrzeiten wurden in sechs Monaten 20 von 152 Castor-Behältern von Jülich nach Ahaus gebracht.“

Boslar kritisierte zudem, dass die Polizei bei mindestens zwei Fahrten nicht von einem Hubschrauber begleitet worden sei. Auch die Brücken entlang der Strecke seien nicht durchgängig von der Polizei gesichert worden. Die Atomkraftgegner werfen der Polizei vor, vor allem den erwarteten Protest im Blick zu haben und die grundsätzlichen Risiken der Beförderung nicht ausreichend zu berücksichtigen.

Die Landesregierung weist die Sicherheitskritik zurück. Krebs erklärte im Ausschuss, die Fahrten seien bislang zuverlässig und ohne nennenswerte sicherheits- oder sicherungsrelevante Vorkommnisse verlaufen. Die abgestimmten Sicherheits- und Sicherungsmaßnahmen griffen „weiterhin sehr gut“.

Kritik gibt es auch daran, dass die ursprünglich angekündigte Bündelung mehrerer Behälter bislang nicht umgesetzt worden sei. Nach Darstellung der Atomkraftgegner spielt dabei unter anderem die Belastbarkeit von Brücken entlang der Strecke eine Rolle.

Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen sieht in dem bisherigen Ablauf ein grundsätzliches Problem: „Das offenbart die Perspektivlosigkeit im Umgang mit hochradioaktivem Atommüll.“

Der Protest soll weitergehen. In Jülich sind nach Angaben der Atomkraftgegner bei jeder Abfahrt ab 20.30 Uhr Mahnwachen geplant. Für den 17. Oktober kündigen sie in Ahaus eine größere Demonstration an.