„Kölner Stadt-Anzeiger“Deutscher Lokaljournalistenpreis für Lena Heising

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Ein Assistenzarzt hat im Klinikum Bethel dutzende Frauen betäubt und vergewaltigt.

Ein Assistenzarzt hat im Klinikum Bethel dutzende Frauen betäubt und vergewaltigt.

Heising berichtete über den Bielefelder Klinikenskandal von Bethel. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist zweimal in der Endauswahl vertreten.

Lena Heising, Redakteurin des „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Ressort Story/NRW, hat den Deutschen Lokaljournalistenpreis 2022 der Konrad-Adenauer-Stiftung gewonnen. Die Jury zeichnete Heisings Report „Betäubt, missbraucht, im Stich gelassen“ über die Vergewaltigung von Patientinnen durch einen Krankenhausarzt mit dem 3. Preis aus. Auf der Basis einer mehrmonatigen, investigativen Recherche zeichnete die 24 Jahre alte Journalistin das alptraumhafte Geschehen im Bielefelder Klinikum Bethel aus der Perspektive mehrerer Opfer nach – mitsamt Organisationsversagen und anschließender Vertuschung.

Es sei Heisings Verdienst, dass die Öffentlichkeit heute – trotz des hartnäckigen Schweigens der Verantwortlichen – Kenntnis von diesem ungeheuerlichen Vorgang habe, so die Jury in ihrer Begründung. „Dank dieser hartnäckigen Recherche haben sich die Chancen erhöht, dass sich solche Vorgänge nicht wiederholen.“ Besonders lobte die Jury auch Heisings Art der journalistischen Umsetzung „ohne Sensationslust und mit viel Feingefühl für die Opfer“.

Carsten Fiedler: Heisings Bethel-Reportage ist „akribisch und souverän in der Darstellung“

Chefredakteur Carsten Fiedler beglückwünschte Heising zur Auszeichnung mit einem der bedeutendsten Journalistenpreise im deutschsprachigen Raum. „Es freut mich sehr, dass gerade auch die jüngeren Kolleginnen und Kollegen beim ‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ immer wieder beweisen, dass sie ihr journalistisches Handwerk exzellent beherrschen und einen Beitrag zum Wächterauftrag der Presse leisten.“

Fiedler nannte Heisings Report „akribisch und souverän in der Darstellung“. Gerade in der Nüchternheit der Darstellung bringe die Autorin ihren Leserinnen und Lesern das Grauen eines in dieser Form wohl einmaligen Verbrechens auf packende Weise nahe. „Mit dem Fokus auf einem Behördenversagen, das durch das spätere, höchst ungewöhnliche Eingreifen des NRW-Justizministeriums offenkundig wird, macht Lena Heising auch die rechts- und gesellschaftspolitische Dimension ihres Themas deutlich“, so Fiedler weiter.

Rechtsausschuss im NRW-Landtag befasst sich mit Fall Bethel

Heisings Bericht im „Kölner Stadt-Anzeiger“ führte zu einer eigenen Befassung des Rechtsausschusses im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Dort berichtete Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) erst Mitte Mai, dass die Staatsanwaltschaft inzwischen alle 32 Missbrauchsopfer ausfindig gemacht und benachrichtigt habe.

Der seit 1980 jährlich vergebene Preis wird im Herbst verliehen. Die Jury hatte im laufenden Wettbewerb über 313 eingereichte Beiträge zu befinden. Den ersten Preis vergab sie an die „Kieler Nachrichten“ für eine Aktion zum Holocaust-Gedenken, die Ausstellungsstücke aus der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem mit ihrem Herkunftsort verband.

Der zweite Preis ging an das „Main-Echo“ (Aschaffenburg), das sich in einer großen Serie mit der dramatischen Lage im Rettungswesen beschäftigte. Mit dem Volontärspreis wurden Nachwuchs-Journalistinnen und -Journalisten von „Märkischer Oderzeitung“ und „Lausitzer Rundschau“ für ein crossmediales Projekt über Rechtsextremismus in Brandenburg bedacht.

„Kölner Stadt-Anzeiger“ ist zweimal in der Endauswahl

Als einziges Medium kam der „Kölner Stadt-Anzeiger“ zweimal in die Endauswahl. Neben Heising landete auch Chefkorrespondent Joachim Frank mit seinen Recherchen zum Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln auf der Shortlist. Es sei ihm „in hervorragender Weise gelungen, das Versagen und diverse neue Skandale in der Kirchenleitung zu enthüllen und zu belegen“. (ksta)

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