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Zwei Monate Dürre, Hitze und NiedrigwasserDas überforderte Land

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Das Niedrigwasser am Rhein legt weite Teile der Sandbank frei, die die Zollburg Pfalzgrafenstein bei Kaub umgibt.

Das Niedrigwasser am Rhein legt weite Teile der Sandbank frei, die die Zollburg Pfalzgrafenstein bei Kaub umgibt. 

Die Bundesregierung sieht trotz der Rekordhitze keinen Anlass zu mehr Klimaschutzmaßnahmen. Die Stadt Köln hält an ihrem Ziel fest. Die Stadt soll 2035 klimaneutral sein.

Ein Land ist überfordert. Überfordert von den Temperaturen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) trifft die Binnenschifffahrt und Logistikbranche zum Krisentreffen. Der Bauernverband fordert schnellere Hilfen von der Bundesregierung, einen „Instrumentenkasten“ gegen den Klimawandel. Über den ganzen Sommer betrachtet gab es im Sommer in Deutschland bis zum 26. Juli 10.700 bei 13.100 Hitzetote. Sagt das Robert Koch-Institut.

Dennoch sieht die Bundesregierung keinen Anlass, die vorgesehenen Klimaschutzmaßnahmen nachzuschärfen. Selbst auf die Gefahr hin, dass die Klimaziele 2030 verfehlt werden, so wie es der Expertenrat für Klimafragen noch im Mai ins Stammbuch geschrieben hat.

Die andauernde Trockenheit der letzten Wochen und die Hitze der letzten Tage zeigt sich in den Kölner Grünflächen. Im Johannes-Giesberts-Park ist das Gras zu einer trockenen, gelben Fläche geworden.

Die andauernde Trockenheit der letzten Wochen und die Hitze der letzten Tage zeigt sich in den Kölner Grünflächen. Im Johannes-Giesberts-Park ist das Gras zu einer trockenen, gelben Fläche geworden.

Damals lag der Rheinpegel in Köln bei 1,50 Meter. Ein Wert, den man im Vergleich zu heute durchaus als Hochwasser bezeichnen könnte. Und der nirgendwo Besorgnis ausgelöst hat.

In Köln schon mal gar nicht. Dort hat man sich schon vor Jahren auf den Weg zur Schwammstadt gemacht. Die Parkstadt Süd soll zum Vorzeigeprojekt, die Stadt bis 2035 klimaneutral werden. Das steht in einem Ratsbeschluss vom 24. Juni 2021 und wird von einem Gutachten untermauert, das 465 Seiten umfasst.

Es sind kleine Schritte, mit denen die Stadt beweist, dass sie alles unternimmt, um den Klimawandel aufzuhalten. Ihr Arm reicht über die Bezirksvertretung längst bis in die Vorgärten im Nippeser Osten, die von ihren Eigentümern nicht mehr in Stellplätze umfunktioniert werden dürfen. Das ist seit März gelebter Klimaschutz im Kleinen, in einem 5,5 Hektar geschützten Gebiet. Und sorgt für große Aufregung.

Überdies hat Köln mit dem Programm „Cooling Cologne“ klare Regeln gegen die Sommerhitze erlassen. An heißen Tagen und tropischen Nächten, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt, werden spezielle Wasserschläuche auf öffentlichen Plätzen ausgelegt, die einen feinen Wassernebel versprühen, der die Umgebungstemperatur senken soll.

Extremes Niedrigwasser auch im Mülheimer Hafen

Extremes Niedrigwasser auch im Mülheimer Hafen

In diesem Rekordsommer war das schon zweimal der Fall: am 26. Juni und 29. Juli. Auf dem Rudolfplatz. Und es ist, wie man hört, in dieser Woche noch zweimal geplant. Wenn der Deutsche Wetterdienst eine offizielle Hitzewarnung herausgibt. Was sehr wahrscheinlich ist. 

Bund und Länder auf der Suche nach schnellen Lösungen

Dennoch ist der Kölner Rheinpegel wieder auf ein Allzeittief gefallen: 57 Zentimeter. Und er wird am Mittwoch nach der Prognose der Stadtentwässerungsbetriebe wohl bei 56 Zentimetern liegen. Das heißt aber nicht, dass kleine Schritte keinen Sinn ergeben.

Der Bund und die Länder suchen nach schnellen Lösungen im Kampf gegen Hitze, Niedrigwasser und Trockenheit. Wohl wissend, dass es keine schnellen Lösungen gibt. Die Bahn kann die Bauarbeiten auf der rechten Rheinseite zwischen Troisdorf und Wiesbaden nicht von heute auf morgen einstellen. Auf herausgerissenen Schienen können keine Güterzüge fahren. Selbst wenn der Bundesverkehrsminister das Generalsanierungsprogramm morgen auf den Prüfstand stellt.

Im Kölner Rheinauhafen liegen Boote auf Grund.

Im Kölner Rheinauhafen liegen Boote auf Grund.

Städte wie Köln könnten schnell reagieren. Wenn sie das Geld zur Nachrüstung von Schulen, Krankenhäusern und Seniorenheimen hätten. Sie haben es aber nicht.

Im Kampf gegen den Hitzeschock wird es in Kürze die nächsten großen Krisentreffen geben. Sobald der Pegel Kaub auf einen Wert sinkt, an dem ihn kein Schiff mehr passieren kann: keine Gütertransporte, keine Tagesausflüge, keine Kreuzfahrtschiffe.

Der Rhein erstmals in der Geschichte der Binnenschifffahrt zweigeteilt? Dazu muss doch etwas gesagt werden. „Im Prinzip ist der Rhein damit nicht mehr durchgängig befahrbar und damit zweigeteilt“, sagt Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt, mit bemerkenswerter Unaufgeregtheit.

Der Rhein ist nicht die Straße von Hormus

Weil das zwar ein historischer Einschnitt, aber ohne große wirtschaftliche Bedeutung ist. Schon jetzt passieren die Binnenschiffe Kaub mit einer Ladung, die homöopathischen Dosen gleichkommt. Viel schlimmer kann es also nicht kommen. Kaub ist nicht die Straße von Hormus. Die Industrie hat sich längst auf andere Transportketten eingestellt.

Der mit Abstand größte Teil der Transporte auf Europas wichtigster Wasserstraße wird zwischen den ARA-Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen bis Köln und das westdeutsche Kanalgebiet abgewickelt. Nicht umsonst wird Duisburg als zweitgrößter deutscher Seehafen nach Hamburg bezeichnet. Die Binnenschifffahrt muss eine Durststrecke überstehen. Sie wird es überleben – und mit ihr die Industrie.

Der Hitzeschock in Deutschland ist ein eigentümliches Phänomen. Im Gegensatz zu allen anderen Schock-Formen löst er in der Politik keine Starre aus, sondern mündet sofort in hektischer Betriebsamkeit und blindem Aktionismus.

Sobald die Pegel wieder steigen, dürfte allen Beteuerungen zum Trotz die Bereitschaft sinken, sich mit den Folgen des Klimawandels zu befassen. Weil die Schäden, die der Klimawandel mit Trockenheit und Dürre verursacht, nicht so offensichtlich sind wie die Flutkatastrophen, die in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vor fünf Jahren die Menschen in der Eifel und an der Ahr ereilt haben.

In Düsseldorf liegen Boote in einem wegen des niedrigen Wasserstands im Rhein trocken gefallenen Hafenbecken. Foto: dpa

In Düsseldorf liegen Boote in einem wegen des niedrigen Wasserstands im Rhein trocken gefallenen Hafenbecken. Foto: dpa

Ob der Ausbau der Wasserstraßen, wie Steffen Bilger zusichert, wirklich schneller vorankommt und das Förderprogramm zur Modernisierung von Binnenschiffen tatsächlich fortgesetzt wird, wenn der Rheinpegel die 1,50 Meter-Marke wieder überschritten hat? Warum sollte der Bund die jüngst auf rund 18 Millionen Euro halbierten Haushaltsmittel allein für das Binnenschiffsprogramm im Herbst wieder verdoppeln, wenn im Winter 2025/26 bei der Bahn durch Unwetter und Stürme wieder Strecken unterspült werden und Fahrdrähte abreißen? Oder irgendwo in Deutschland eine Autobahnbrücke ihren Dienst versagt? Spätestens dann wird der Dürre-Sommer vergessen sein.

Köln geht konsequente Schritte auf dem Weg zur Klimaneutralität

In Köln nicht. Dort ist für den Klimawandel trotz der knappen Kassen immer noch Geld vorhanden. Die Stadt wird ihr seit acht Jahren laufendes Förderprogramm „Grün hoch 3“ ausbauen. Für die Begrünung von Dächern und Fassaden, das Entsiegeln von Flächen und das Speichern von Regenwasser können die Bürger Zuschüsse beantragen. 1041 Menschen haben das schon getan, fast 48.000 Quadratmeter Dachflächen und mehr als 100 Fassaden begrünt. Und das Beste ist: Im Fördertopf ist noch Geld. Er war bislang am Jahresende niemals ausgeschöpft. Das könnte in diesem Jahr anders ausschauen. Wenn die Kölner sich vom Hitzeschock erholt haben.

Ein ganzes Land ist überfordert. Überfordert von den Temperaturen. Regierungssprecher Stefan Kornelius hat kürzlich erklärt, wenn man Hitzeschutz und Klimaanpassung zur Chefsache mache, werde man das Wetter nicht ändern. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sagt, er könne es nicht regnen lassen. „Sonst tät ich’s machen.“ Der neue Bundesverkehrsminister bestätigt, auch er könne „das Wetter nicht beeinflussen. Aber wir könnten dafür sorgen, dass die Wirtschaft besser durch diese schwierigen Wochen kommt“.

Das hat auch niemand erwartet. Eine Bundesregierung muss weder Dächer begrünen noch Schwammstädte planen. Eine Bundesregierung muss das umsetzen, was sie den Bürgern versprochen hat: den Kohleausstieg 2030, den Ausbau der Erneuerbaren, das Vorantreiben der E-Mobilität. Sie muss alles tun, um die Klimaziele des Pariser Abkommens einzuhalten. Sie könnte ein Tempolimit auf Autobahnen einführen und die Deutsche Bahn – wie vor ein paar Jahren geschehen – zum Klimaretter ausrufen.

Das alles ist möglich. Wenn der Klimaschutz endlich zur Chefsache wird, verbessert sich das Wetter nicht. Die Aussichten hingegen schon.