Abo

FinanzkriminalitätDiese Einheit müssen Steuerhinterzieher in NRW fürchten

3 min
11.09.2026, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Nordrhein-Westfalens Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) sitzt im Lagezentrum des Landesamtes zur Bekämpfung der Finanzkriminalität, der größten Steuerfahndung Deutschlands. Im Hintergrund ist ein Bildschirm mit Einsatzorten von Steuerfahndern zu sehen. Die Behörde setzt bei ihrer Arbeit verstärkt KI-Hilfsmittel ein. Foto: Wolf von Dewitz/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Finanzminister Marcus Optendrenk sitzt im Lagezentrum des Landesamtes zur Bekämpfung der Finanzkriminalität.

In Düsseldorf bündelt das Land seine Kräfte gegen Steuerhinterzieher, Geldwäscher und andere Finanzkriminelle. Die neue Zentrale soll vor allem bei internationalen Großverfahren für mehr Schlagkraft sorgen.

Steuerhinterzieher und Geldwäscher müssen diese Adresse jetzt fürchten: In der Johannstraße 35 in Düsseldorf-Derendorf bündelt Nordrhein-Westfalen seine Kräfte im Kampf gegen schwere Finanzkriminalität in einem eigens gesicherten Gebäude. Server, Vernehmungsräume und ein Lagezentrum sind eingerichtet, in einem sogenannten Work Café können künftig bis zu 100 Fahnder gleichzeitig an einem Fall arbeiten. Jetzt hat NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) die neue Zentrale des Landesamts zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Seit Anfang 2025 sind Steuerfahndung sowie Straf- und Bußgeldsachenstellen in einer gemeinsamen Landesbehörde organisatorisch gebündelt. Mit dem Umzug in das neue Gebäude gebe es jetzt auch „ein echtes Dach“, sagte Optendrenk. Die Zentrale schaffe die Voraussetzungen dafür, dass die Behörde ihre Stärke „gerade in großen, komplexen und grenzüberschreitenden Verfahren noch besser ausspielen“ könne.

Die Behörde bearbeitet mehrere tausend offene Strafverfahren, der prognostizierte Steuerschaden liegt deutlich im Milliardenbereich. Allein bei der Bekämpfung grenzüberschreitenden Umsatzsteuerbetrugs arbeitet das LBF derzeit in 39 Verfahren mit der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) zusammen.

Welche Dimensionen solche Ermittlungen erreichen können, zeigt die Aktion „Huracán“. Was mit einer kleinen Rückfrage einer Umsatzsteuersonderprüfung begann, entwickelte sich zu einem internationalen Verfahren, bei dem ein Steuerschaden im mittleren dreistelligen Millionenbereich ans Licht kam. Beim ersten internationalen Zugriffstag 2023 waren mehr als 3000 Beamte von Steuerfahndung, Zoll und Polizei im Einsatz. Über 60 Stunden wurden mehr als 500 Objekte in sieben europäischen Staaten durchsucht. Dabei sicherten die Ermittler rund 42 Terabyte Daten. Die Papierakte umfasst 72 000 Seiten in 300 Stehordnern.

Für Verfahren dieser Größenordnung ist das neue Lagezentrum gedacht. Wenn an vielen Orten gleichzeitig durchsucht wird, sollen dort Informationen zusammenlaufen und Einsätze koordiniert werden. Auch Zoll, Polizei und andere Partnerbehörden können sich direkt zu den Steuerfahndern setzen.

„Ein modernes Großverfahren ist heute vor allem eines: eine Frage von Daten und eine Frage extrem guter Koordination“, sagt Michael Schneiderwind, Abteilungsleiter Analyse & Strategie beim LBF. Dafür brauche es neben guten Ermittlern die technische Infrastruktur, um Erkenntnisse zu sichern und auszuwerten.

Auch die digitale Finanzkriminalität gehört zum Aufgabenfeld. Im IT-Kompetenzzentrum arbeiten Experten zu Kryptowährungen, Cybercrime und großen Datenmengen. Künstliche Intelligenz soll die Fahnder künftig bei der Sichtung und Analyse von Beweismitteln unterstützen. Eigene Serverkapazitäten wurden dafür aufgebaut.

Das LBF bündelt Spezialwissen unter anderem zu Geldwäsche, Umsatzsteuerbetrug, Cum-Ex, Cum-Cum und Terrorismusfinanzierung. Mitte 2025 wurde zudem das Team ZULU eingerichtet. Erfahrene Leiter von Ermittlungskommissionen unterstützen bei länderübergreifendem Umsatzsteuerbetrug und sollen helfen, internationale Netzwerke zu erkennen und Strukturen zu zerschlagen.

„Nordrhein-Westfalen hat die mit Abstand größte Steuerfahndung in ganz Deutschland und trägt damit auch eine besondere Verantwortung“, sagt LBF-Chefin Stephanie Thien. Die neue Zentrale sei deshalb nicht nur ein Gebäude, sondern eine „Investition in die Zukunftsfähigkeit der Steuerfahndung in unserem Land“.

Optendrenk sieht die neue Struktur als Antwort auf eine Finanzkriminalität, die internationaler und digitaler geworden sei. Täter arbeiteten über Ländergrenzen hinweg, Geldströme liefen durch verschiedene Staaten, Firmenkonstruktionen würden immer komplizierter. „Darauf müssen wir als Staat eine klare Antwort geben“, sagte der Minister.

Steuerhinterziehung wird grundsätzlich mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet. In besonders schweren Fällen – etwa bei einer Steuerhinterziehung großen Ausmaßes oder bandenmäßigem Vorgehen – drohen sechs Monate bis zu zehn Jahre Haft.