Einsame SeniorenGesundheitsminister Laumann gegen Gemeindeschwester-Konzept für NRW

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Eine ältere Frau geht mit einem Rollator auf einem Weg entlang.  Viele Senioren leiden unter dem Verlust des Partners und sind einsam.

Viele Senioren leiden unter dem Verlust des Partners und sind einsam.

Wie gut ist NRW im Kampf gegen die Einsamkeit von Senioren aufgestellt? Die SPD wirft der schwarz-grünen Landesregierung Ideenlosigkeit vor.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hält nichts davon, das rheinland-pfälzische Modell der Gemeindeschwestern, die einsame Senioren beraten sollen, auf NRW zu übertragen. Die allgemeine Zielsetzung, präventive Angebote für ältere Menschen auszubauen, sei „grundsätzlich zu begrüßen“, sagte eine Sprecherin des CDU-Politikers dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.  Aufgrund der „kommunalen Heterogenität“ sei ein einheitliches Gemeindeschwester-Modell aber „nicht bedarfsgerecht“.

Die SPD im Düsseldorfer Landtag verweist hingegen auf die Vorzüge des Gemeindeschwester-Modells. Ziel ist es, die stationäre Pflegebedürftigkeit von Senioren so lange wie möglich zu verhindern, indem die Hochbetagten gezielt auf Unterstützungsangebote hingewiesen werden. Gleichzeitig sollen die Hausbesuche auch ein Weg sein, alte Menschen aus der Einsamkeit zu führen.

„Fachkräfte sind einen rares Gut“

Laumann glaubt nicht daran, dass dieses Konzept funktioniert. Es sei zu hinterfragen, welche „einsamkeitsmildernden Effekte“ sich erzielen ließen, wenn auf eine Fachkraft in Vollzeit rein rechnerisch mehr als 6000 hochaltrige Menschen betreut werden müssten. Kritik wird auch an zu hohen Anforderungen an die Qualifikation der Gemeindeschwester im Modell von Rheinland-Pfalz geübt. Dort werde eine dreijährige Ausbildung als Pflegefachkraft vorausgesetzt, obwohl die Beraterinnen keine Pflegeleistungen erbringen würden. „Fachkräfte sind ein rares Gut und es ist daher behutsam abzuwägen, für welche Aufgaben welche Qualifikationen erforderlich sind“, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. NRW verfüge zudem „über ein breites Netz an Pflegeselbsthilfeangeboten“.

Einsamkeit ist Studien zufolge nicht nur bei Senioren, sondern in allen Altersschichten verbreitet. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat jetzt zu einer Konferenz eingeladen, die sich mit der Einsamkeit von Jugendlichen beschäftigt. Ende dieses Jahres will Schwarz-Grün einen Aktionsplan präsentieren. „Wir müssen wieder mehr Verbundenheit untereinander und mehr Verständnis füreinander schaffen“, sagte Wüst. Einsamkeit sei „die neue soziale Frage unserer Zeit“. Sie wirke sich nicht nur auf das Leben der Betroffenen negativ aus, sondern schade auch dem gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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