Kann die FDP bei der NRW-Wahl im Mai 2027 die Trendwende schaffen? Der Chef der Jungen Liberalen in NRW, Torben Hundsdörfer, fordert einen personellen Neustart.
Junge Liberale ätzen gegen DürrWiederwahl-Plan ist ein „Aprilsscherz“

Torben Hundsdörfer, Chef der Jungen Liberalen in NRW
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Schon wieder eine herbe Niederlage für die FDP bei einer Landtagswahl. Befürchten Sie, dass der Liberalismus in der Bedeutungslosigkeit verschwindet?
Die Gefahr ist angesichts der derzeitigen Lage der einzigen liberalen Partei real. Gleichzeitig gilt: Noch nie waren liberale Kernanliegen wichtiger. Angesichts einer seit Jahren nicht wachsenden Wirtschaft, einer wachsenden Gefahr für die Meinungsfreiheit, Rekordschulden, die zweckentfremdet werden, und einem Bürokratismus, der Menschen bei der Verwirklichung ihrer Lebensträume im Weg steht, hat der Liberalismus großes Potenzial. Es mangelt dem Liberalismus nicht an der Nachfrage, sondern am Angebot.
Wer trägt dafür die Verantwortung?
Viele Entscheidungen in der Ampel sowie der zu späte und handwerklich schlechte Ausstieg aus der Ampel waren Fehler. Allerdings hatten wir nun mehr als ein Jahr lang Zeit, aus diesen Fehlern zu lernen, enttäuschte Wähler um Verzeihung zu bitten und die FDP inhaltlich neu aufzustellen. Dem ist die Parteiführung um Christian Dürr und Nicole Büttner nur mangelhaft nachgekommen.
Wie ist Ihr Blick auf den Rücktritt des Bundesvorstands?
Christian Dürr ist nicht der richtige FDP-Bundesvorsitzende. Die Entscheidung, dass der Bundesvorstand geschlossen zurücktritt und wir im Mai eine neue Spitze wählen, ist richtig. Denn sie ermöglicht in den kommenden Wochen eine offene Debatte darüber, mit wem die FDP das Comeback schaffen wird. Dass sich Dürr und Büttner zur Wiederwahl stellen möchten, halte ich für respektlos. Eine solche Ankündigung hätte besser zum ersten April gepasst. Wir brauchen jetzt den langersehnten Neuanfang, um endlich Antworten auf die Frage zu finden, mit welchen konkreten Themen und wie wir das Comeback schaffen werden.
Könnten man mit Wolfgang Kubicki oder Marie-Agnes Strack-Zimmermann ein Zeichen des Aufbruchs setzen?
Kubicki und Strack-Zimmermann können weite Teile der Partei mobilisieren und sichern der FDP mediale Präsenz. Für die Neuaufstellung brauchen wir jede und jeden, die das garantieren können. Ob sie allerdings für einen Neuanfang in der FDP stehen, müsste noch unter Beweis gestellt werden.
Wie sehen Sie die künftige Rolle von Henning Höne?
Henning Höne hat in NRW die letzten Jahre gezeigt, dass er die Partei zusammenführen kann und einen Plan für die FDP hat. Diese Kompetenzen braucht es dringender denn je in der Bundes-FDP.
Braucht die FDP einen neuen Christian Lindner?
Jede Zeit hat ihre eigenen Köpfe. Es ergibt keinen Sinn zu versuchen, Persönlichkeiten, die in der Vergangenheit erfolgreich waren, zu kopieren. Insbesondere braucht es in den nächsten Jahren ein starkes Team, denn der politisch organisierte Liberalismus darf nicht von einer einzelnen Person abhängen.
Wird die NRW-Wahl im Mai 2027 zum Endspiel für die FDP?
Eine erfolgreiche NRW-Wahl ist der zentrale Baustein für das Comeback der FDP. Im bevölkerungsreichsten Bundesland gilt es zu zeigen, dass wir mit einer echten Neuaufstellung Vertrauen zurückgewinnen. Auch 2017 führte das Comeback über NRW. Dieser Erfolg ist zum einen wichtig für die FDP, zum anderen aber auch für die gesamte politische Freiheit in Deutschland.
Mit welchen Themen könnte ein Comeback in NRW gelingen?
Wir wollen Aufstiegschancen für alle durch Bildung, echte Reformen gegen den ausgeuferten Bürokratismus, eine Wirtschaftspolitik für unternehmerische Erfolgsmodelle aus NRW vom Start-Up, übers Handwerk bis zum Großkonzern und einen WDR, der nicht erzieht, sondern sich auf den Kernauftrag konzentriert. Wir wollen weltbeste Bildung, einen schlanken Staat der Bürgern Chancen eröffnet, anstatt sie zu versperren, und eine Landesregierung, die alles dafür tut, dass die wirtschaftlichen Erfolgsmodelle der Zukunft bald aus NRW kommen.
Viele FDP-Landtagsabgeordnte sitzen seit 2005 im Landesparlament. Braucht es einen Schnitt?
Wir brauchen in der neuen Landtagsfraktion eine gute Mischung aus erfahrenen Köpfen und frischem Wind. Vor allem erwarte ich von allen 12 Abgeordneten, dass sie im Hier und Jetzt bestmöglich zur öffentlichen Präsenz der FDP beitragen.
