Sie wollen im Mai Bundesvorsitzender der FDP werden. Warum glauben Sie der Richtige zu sein, um die FDP zu retten?
Ich bin überzeugt, dass es eine liberale Stimme in diesem Land braucht. Die FDP steckt in einer existenzbedrohenden Krise, aber sie hat alle Chancen, wieder erfolgreich zu werden – wenn wir einen glaubwürdigen Neustart hinbekommen. Dafür müssen wir mit neuen Köpfen und einer neuen Strategie wieder Vertrauen aufbauen. Ich stehe für diesen Neustart und will die FDP wieder stark machen.
Die FDP ist nur noch in sechs von 16 Landtagen vertreten, die nächsten Wahlen stehen im September an. Schafft die FDP unter Ihrer Führung die Trendwende – oder haben die das Wahljahr schon abgeschrieben?
Wir haben nichts abgeschrieben. Im Gegenteil: Wenn wir jetzt einen glaubwürdigen Neustart organisieren, haben wir neue Chancen. In Berlin zum Beispiel haben die Menschen momentan nur die Wahl zwischen Rot-Rot-Grün und einem gescheiterten CDU-Bürgermeister, der lieber Tennis spielt, während die halbe Stadt keinen Strom hat. Da braucht es eine seriöse, bürgerlich-marktwirtschaftliche Kraft. Entscheidend ist, dass wir rauskommen aus der Defensive und wieder offensiv für die Freiheit eintreten. Die Menschen müssen wieder erkennen, warum sie die FDP vermissen.
Am Wochenende hat Wolfgang Kubicki seine Kandidatur für den FDP-Bundesvorsitz bekannt gegeben. Hatten Sie mit seiner Bewerbung gerechnet – oder wurden Sie kalt erwischt?
Wolfgang und ich sind im Austausch und er hat mich vorab informiert. Für mich ist das ein sportlicher Wettbewerb um das bessere Angebot für die Partei.
Kubicki weiß, wie man öffentliche Aufmerksamkeit erzielt. Was bedeutet das für Ihre Strategie im Kampf um den Parteivorsitz?
Aufmerksamkeit allein reicht nicht. Entscheidend ist, dass wir wieder alle Liberalen hinter der FDP versammeln und unsere Inhalte anhand lebenspraktischer Beispiele erzählen. Die FDP muss zuspitzen und klare Kante zeigen – aber nicht nur um Schlagzeilen willen, sondern für Orientierung.
Bekanntheit ist in der Politik eine harte Währung. Wie wollen Sie den Nachteil ausgleichen, dass bundesweit bislang nur wenige Menschen ihren Namen kennen?
Es geht beim Parteivorsitz nicht um einen Bekanntheitswettbewerb, sondern um den besseren Plan für die Partei. Natürlich gehört es dazu, an der eigenen Bekanntheit zu arbeiten. Ich werde jeden Tag alles dafür geben.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann unterstützt Ihre Kandidatur mit der Begründung, die Partei dürfe nicht von „alten Schlachtrössern“ geführt werden. Was spricht denn dagegen, den Überlebenskampf der FDP einem kampferprobten Haudegen anzuvertrauen?
Wir brauchen einen personellen Neuanfang an der Spitze, um einen echten Aufbruch zu schaffen.
In der NRW-FDP setzen viele darauf, dass sie zum „Christian Lindner 2.0“ werden könnten. Wie gefällt Ihnen der Bezug zur ehemaligen Lichtgestalt der Liberalen?
Das sind gut gemeinte Vergleiche, aber die Situation heute ist eine andere als damals. Und wir sind auch unterschiedliche Typen, nicht nur weil Christian Lindner Rheinländer ist und ich Westfale. Es geht nicht darum, jemanden zu kopieren, sondern ich will ein überzeugendes Angebot für die Zukunft der Freien Demokraten machen.
Sie haben zusammen mit Lindner im Landtag am Comeback der FDP gearbeitet. Jetzt soll Lindner Kubicki zur Kandidatur ermuntert haben. Sind Sie darüber enttäuscht?
Ich will von der Zukunft und nicht von der Vergangenheit getragen werden.
Beim Bundesparteitag kommen 25 Prozent der Delegierten aus NRW. Sie müssen also im Idealfall nur noch 25 Prozent der Stimmen von den Delegierten aus den anderen 15 Landesverbänden erhalten, um Kubicki zu schlagen. Ist das eine komfortable Ausgangssituation?
Ich bin optimistisch. Bundesvorsitzender wird man aber nicht mit dem Taschenrechner. Es geht darum, die Delegierten inhaltlich zu überzeugen. Ich kandidiere nicht gegen jemanden, sondern für den Vorsitz der FDP – für ein echtes Comeback unserer Partei.
Am nächsten Wochenende findet der Landesparteitag der NRW-FDP in Duisburg statt. Ist ihre Rede dort schon ein Test für den Auftritt beim Bundesparteitag?
Natürlich werde ich meine Vorstellungen für die Zukunft der FDP erläutern. Unser Fokus als Landesverband und von mir als Landesvorsitzender liegt aber weiterhin darauf, bei der Landtagswahl 2027 erfolgreich zu sein. Das ist unser wichtigster Beitrag zum Comeback der FDP. Deshalb stellen wir programmatische Weichen: Wir beschließen unsere Priorität für eine Bildungspolitik für kluge Kinder, um das Aufstiegsversprechen in Nordrhein-Westfalen wieder mit Leben zu füllen.
Geht es beim Duell Höne gegen Kubicki auch um eine Richtungsentscheidung?
Die FDP war traditionell immer dann stark, wenn es gelungen ist, ihre verschiedenen Strömungen zu einen. Es geht um zwei unterschiedliche Angebote. Ich werbe für einen Neustart, der die FDP zusammenführt und wieder breiter aufstellt: Als einzig verbliebene Stimme der Marktwirtschaft im deutschen Parteiensystem, aber genauso konsequent bei der Verteidigung unserer Bürgerrechte. Diese Stimme ist entscheidend bei großen Zukunftsfragen: Zum Beispiel bietet die Künstliche Intelligenz riesige wirtschaftliche Chancen, aber auch Risiken für die Bürgerrechte. Die FDP muss die Stimme sein, die für solche Fragen Lösungen parat hat.
Sie sind der designierte Spitzenkandidat der FDP bei der Landtagswahl 2027. Was ist aus ihrer Sicht das wichtigste Thema, mit dem die FDP wieder punkten kann?
Ich habe eine klare Vorstellung, wie wir ein Comeback für Nordrhein-Westfalen und die FDP organisieren wollen: Wir setzen auf kluge Kinder, plus smarte Integration, plus eine große Umarmung der Zukunft, minus den fetten Staat. Das ergibt eine starke Wirtschaft für alle. Und die hat Nordrhein-Westfalen nach den schwarz-grünen Rezessionsjahren dringend nötig.
Was halten Sie von dem Vorschlag eines NRW-Kreisverbands, vor der turnusmäßigen Neuwahl des Vorstands im nächsten Jahr Regionalkonferenzen durchzuführen, bei denen sich das Führungspersonal vorstellen soll?
Wettbewerb und Transparenz stärken die Partei und helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. In den nächsten Wochen will ich intensiv in den Austausch mit unserer Parteibasis gehen, auch ohne Parteitagsbeschluss. Ich finde es gut, dass Alexander Steffen wie viele andere Parteifreundinnen und Parteifreunde in dieser besonderen Situation seine Ideen für ein Comeback des Liberalismus einbringt.
Wäre – nach den schlechten Erfahrungen im Bund – eine Ampel-Koalition in NRW für die Liberalen eine realistische Option?
Wir denken nicht in Koalitionen, sondern arbeiten für starke Freie Demokraten. Klar ist für mich: Weder braucht Nordrhein-Westfalen so eine schlechte Regierung wie die letzte Ampel im Bund, noch braucht unser Land fünf weitere Jahre grüne Wirtschaftspolitik.
Kubicki sieht offenbar schwarz für die Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Er will sich die Haare abschneiden, wenn die FDP im Osten in den Landtag einzieht. Bei welcher Wette würden Sie einschlagen?
Ich schlage lieber bei guten Ideen ein als bei Wetten. Mein Versprechen ist, jeden Tag alles dafür zu tun, dass die FDP wieder erfolgreich wird. Darauf kommt es an.