Der hundertfache schwere sexuelle Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde liegt schon Jahre zurück. Jetzt werden die ersten Opfer entschädigt
Kommentar zum Lügde-MissbrauchEs war längst an der Zeit, die traumatisierten Opfer zu entschädigen


In dieser Hütte auf dem Campingplatz Lügde-Eichwald wurden zahlreiche Kinder missbraucht.
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Endlich, aber das wurde auch Zeit: Zumindest ein Teil der sexuell missbrauchten und gequälten Kinder aus Nordrhein-Westfalen hat mittlerweile den behördlichen Bescheid für Zuwendungen aus dem Opferentschädigungsgesetz erhalten. Die Jahre zuvor, überfordert von einer Bürokratie, die sich verpflichtet sah, jeden Einzelfall bis ins Kleinste zu prüfen, müssen sich unerträglich für die betroffenen Familien angefühlt haben. Während in Niedersachsen bereits entschieden wurde, war man in NRW noch in der „administrativen und medizinischen Sachverhaltsaufklärung“, wie es im Behördendeutsch hieß.
Es stimmt, was der nordrhein-westfälische Sozialminister Hans-Josef Laumann gesagt hat. Solch ein Ablauf ist „schlicht inakzeptabel“ und „erschütternd“, zumal es um Kinder geht, „denen Unfassbares angetan wurde“. Jahrelang indes war das quälend langwierige Prozedere in seinem Ministerium zuvor geduldet oder nicht bemerkt worden. Das eine wäre genauso zynisch gewesen wie das andere verantwortungslos.
Die Empörung des Ministers kam spät
Die Empörung des Ministers also kam spät, aber immerhin: Sie kam und er hat seinen Worten Taten folgen lassen. Er hat die Angelegenheit zur Chefsache erklärt, hat Dampf gemacht. Andernfalls wären die Sachbearbeiter in den zuständigen Behörden vermutlich immer noch meilenweit von einer Entschädigungsentscheidung entfernt.
Dass jetzt nicht alle Antragsteller Geld bekommen, vor allem, wenn sie den Kontakt mit dem Landschaftsverband verweigern, ist der Lauf der Dinge. Schließlich verlangen die Vorschriften den Nachweis eines dauerhaften Gesundheitsschadens bei den Misshandelten. Ein Missbrauch in Kinderjahren ist zwar meist eine Last, die die Betroffenen ein Leben lang mit sich tragen und manchmal sogar daran zerbrechen. Aber ohne einen Austausch können die Behörden diese Not halt auch nicht belegen.
Vergleichbares darf sich nie mehr wiederholen
Was in Lügde schief gegangen ist, muss aufgearbeitet und analysiert werden, damit sich so etwas niemals mehr wiederholt. Es darf nicht sein, dass eine gedachte Unterstützung zum schmerzlichen Paragrafenmarathon für traumatisierte und misshandelte Menschen wird. Durch eine Bürokratie, die sich zu verselbstständigen droht. Wenn das im Sinne des Gesetzes ist, stimmt auch mit dem Gesetz was nicht.

