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Leverkusener RheinbrückeNeue Vorwürfe gegen das Land im Streit über chinesischen Stahl

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18.04.2025, Köln: Der Bau des zweiten Teils der Autobahnbrücke Leverkusen hat begonnen. Die im Februar 2024 begonnenen Abrissarbeiten an der alten Leverkusener Brücke sind nahezu abgeschlossen. Der Rückbau hat damit rund ein Jahr gedauert, auf der Fläche entsteht nun der zweite Teil der neuen Rheinbrücke. Luftaufnahme mit Drohne.  Foto: Uwe Weiser

Leverkusener Rheinbrücke im April 2025

Fünfeinhalb Jahre nach der Kündigung des Bauvertrags mit Porr nimmt der NRW-Landtag den Streit um die Leverkusener Rheinbrücke erneut unter die Lupe. Zeugen erheben neue Vorwürfe gegen das Land und den Umgang mit chinesischem Stahl.

Da war doch noch was? Die Erleichterung über die Eröffnung des ersten Teils der Rahmede-Talbrücke bei Lüdenscheid zwei Tage vor Weihnachten ist offenbar so groß, dass es sich der Untersuchungsausschuss „Brückendesaster und Infrastrukturstau“ des NRW-Landtags leistet, sich in der 45. Sitzung, der ersten im neuen Jahr, einem fast vergessenen Thema zuzuwenden – der Leverkusener Rheinbrücke.

Fünfeinhalb Jahre nach dem großen Knall – im April 2020 kündigte der Landesbetrieb Straßen NRW dem österreichischen Generalunternehmen Porr wegen angeblich mangelhafter Stahlbauteile aus chinesischer Produktion, die nicht einbaufähig zu sein schienen, und verlängerte damit das Verkehrschaos auf dem Kölner Autobahnring um mehrere Jahre.

Warum sich der Ausschuss ausgerechnet jetzt auf Leverkusen stürzt? Der erste Neubauteil ist seit Ende 2023 in Betrieb, der zweite soll im Frühjahr 2027 folgen. Doch die Opposition, allen voran der SPD-Abgeordnete Gordan Dudas, lässt nicht locker. Sie will herausfinden, welche Versäumnisse es damals gab, und ob die Entscheidung, mitgetragen vom damaligen NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU), nicht doch ein Fehler war, der das Land teuer zu stehen kommen könnte.

Es geht um dreistellige Millionenbeträge

Beide Seiten – der Baukonzern Porr und die Autobahn GmbH als Rechtsnachfolger von Straßen NRW – klagen gegenseitig auf Schadenersatz. Es geht um dreistellige Millionenbeträge. Geht es nach den Zeugen, die am Montag befragt wurden, hätte der umstrittene China-Stahl durchaus Verwendung finden können.

Wolfgang Wittig (56), seit März 2018 als technischer Projektleiter bei Porr für das Bauwerk verantwortlich, das ursprünglich einschließlich des Neubaus beider Teilbrücken und des Abbruchs der alten Brücken 362 Millionen Euro kosten sollte, listet eine ganze Reihe von Problemen auf, die von Anfang an bestanden hätten. Man habe nicht das vereinbarte freie Baufeld vorgefunden. „Es waren nicht alle Baufelder im Eigentum von Straßen.NRW, die Termine zur Kampfmittelfreiheit sind nicht eingehalten worden.“ Man habe diese Voruntersuchungen nachholen müssen. „Wir haben den gesamten Bauablauf, der im Jahr 2017 vereinbart worden war, umändern müssen. Bei jedem Brückenteil musste die Statik neu geplant werden.“

„So etwas habe ich noch nie erlebt“

So habe zum Beispiel an der Stelle, wo das Widerlager für die neue Vorlandbrücke geplant war, noch ein Wasserpumpwerk im Weg gestanden. Porr habe sich gezwungen gesehen, das gesamte Projekt neu zu planen. Um den Zeitplan zu retten, habe man dem Landesbetrieb Straßen.NRW vorgeschlagen, den Bauablauf zu ändern und zunächst mit der Konstruktion der Vorlandbrücke zu beginnen. Üblicherweise werde zuerst der Pylon errichtet. „Das ging aber nicht, weil das Areal noch auf Kampfmittel untersucht werden musste. So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Erhebliche Probleme seien auch bei der Baustraße aufgetaucht, schließlich lagen große Teile des Areals im hochwassergefährdeten Gebiet. „Mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt waren wir uns einig.“ Der Landesbetrieb habe den Vorschlag aber nicht akzeptiert. Im Streit um die umstrittenen Mängel beim Stahl aus chinesischer Produktion, die zur Kündigung führten, hat Projektleiter Wittig eine klare Meinung. „In China ist die Produktion geprüft worden. Vom Tüv in unserem Auftrag, von einer Ingenieurgruppe im Auftrag von Straßen.NRW, die auch noch selbst vor Ort waren. Da gab es keine einzige Mängelanzeige.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass der Stahl bei der Überfahrt auf dem Meer „irgendwo schlecht geworden ist“.

Der zweite Zeuge des Tages, Prof. Peter Langenberg, Werkstoffingenieur und renommierter Gutachter, und ein weiterer Fachmann, haben die Stahlteile nach ihrer Ankunft in Deutschland erneut begutachtet. Das Ergebnis des Langenberg-Gutachtens im Auftrag von Porr: „Alle Mängel hätte man reparieren können, auch die drei gravierendsten.“ Das sei auch eine Frage der Kosten und des Zeitaufwands gewesen. „Die haben wir nicht geprüft.“ Warum sich Straßen.NRW und das Land nicht darauf eingelassen haben, versteht Projektleiter Wittig bis heute nicht. „Wir haben nicht mal die Chance zur Nachbesserung bekommen, durften die Stahlteile nicht zur Baustelle bringen. Die hatten kein Interesse an einer Einigung.“