Vier Polizistinnen erheben schwere Vorwürfe gegen Vorgesetzte. Der neue Polizeipräsident schaltet Kripo und Staatsanwaltschaft ein.
MobbingSchwere Vorwürfe gegen Polizisten – Drei Führungskräfte suspendiert

Wegen schwerwiegender Vorwürfe wurden drei Polizei-Führungskräfte des Polizeipräsidiums Mönchengladbach vorläufig vom Dienst suspendiert.
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Stephan Zenker ist erst wenige Wochen im Amt, da muss sich der neue Polizeipräsident in Mönchengladbach mit einer heiklen Affäre auseinandersetzen. Am 14. April 2026 überreichte eine Beamtin der Inspektion Mönchengladbach vier Beschwerdeschreiben von Polizistinnen aus einer Dienstgruppe. Die Vorwürfe haben es nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ in sich: Es geht um Körperverletzung im Amt, Bedrohung, Beleidigung von Polizistinnen und Kollegen mit sexistischen Sprüchen. Auch stehen neben versuchter Strafvereitelung im Amt etwaige weitere Straftaten im Raum, die sich auf Partys der betroffenen Wache in Mönchengladbach ereignet haben sollen. Neben ehemaligen und immer noch aktiven Beamten richten sich die Anschuldigungen insbesondere gegen den Leiter der Dienstgruppe sowie zwei Polizeihauptkommissare. Die „Rheinische Post“ hatte zuerst über den Fall berichtet.
Polizistinnen schildern Erlebnisse
In den Schreiben der vier Polizistinnen ist von erniedrigenden Äußerungen bis hin zum Mobbing die Rede. Ausgrenzung, unsittliche Berührungen, gewalttätige Konfrontationen und Einschüchterungen sollen durch die Vorgesetzten in der Dienstgruppe häufig vorgekommen sein. Wenn sie nicht selbst agierten, so billigten sie wenigstens ähnliche Diskriminierungen durch andere männliche Kollegen, lautet der Vorwurf. Polizeichef Zenker handelte umgehend. Zum einen übertrug er die Angelegenheit der Kriminalpolizei, zum anderen schaltete er die Staatsanwaltschaft ein, um die Einleitung strafrechtlicher Verfahren gegen die drei Hauptverdächtigen zu prüfen. Gleichzeitig ließ Zenker die Frage disziplinarrechtlicher Verfehlungen untersuchen. Inzwischen wurden die drei leitenden Beamten der Dienstgruppe vom Dienst suspendiert.
Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ weiter erfuhr, sollen sich im Whatsapp-Chat der 18-köpfigen Dienstgruppe unter anderem Hinweise zum Mobbing und den anzüglichen Sprüchen finden. Eine der vier Beschwerdeführerinnen hat freiwillig die kompromittierenden Chatnachrichten der Dienstgruppe den Ermittlern übermittelt. „Die Vorwürfe wiegen schwer und werden geprüft“, erklärte Landesinnenminister Herbert Reul. „Die Behördenleitung hat das Problem erkannt und direkt Maßnahmen ergriffen. Jetzt muss der Vorgang sorgfältig aufbereitet werden. Wer sich daneben benimmt, muss Konsequenzen spüren. Gleichzeitig darf es keine Vorverurteilung geben“, betonte der CDU-Politiker. „Ich erwarte von allen Polizeibeamtinnen und -beamten jederzeit ein tadelloses Verhalten – auf der Straße wie auch auf der Wache. Polizei muss ein Ort sein, an dem Respekt, Integrität und Vertrauen gelebt werden. Dafür tragen alle Verantwortung – insbesondere Führungskräfte.“