Abo

KüchentippsJenseits von Miracoli – Ministerium finanziert Kochkurse an Unis

Lesezeit 3 Minuten
Eine Person wirft Zutaten für einen gekochten Salat mit Auberginen, Zwiebeln, Möhren, Tomaten, Dill und Koriander in eine Schüssel.

An einigen Hochschulen in NRW werden nun Kochkurse angeboten.

Ist gesund, ist nachhaltig und sollte auch schmecken – bei Tutorien von NEiS können Studierende in NRW lernen, wie einfache Küche gelingt.

Hungerast beim Lernen, Mensa-Ennui, Pasta-Overload, Döner-Krise - spätestens wenn viele Studierende für die Uni zum ersten Mal in eine eigene Wohnung ziehen und für ihre Mahlzeiten selbst zuständig sind, zeigen sich erbarmunslos Lücken im Selbstversorgungs-Kow-how. Diesen Gap will die Verbraucherzentrale NRW mit dem Projekt „NEiS - Nachhaltige Ernährung im Studienalltag“ überbrücken - über NEiS werden Kochworkshops für Studierende organisiert. Nun hat das Ministerium für Verbraucherschutz die Initiative verlängert und die Förderung erhöht.

Projekte zu nachhaltiger Ernährung und gegen Lebensmittelverschwendung gibt es eigentlich schon viele, sagt Dagny Schwarz, Leiterin von „NEiS“. „Aber gerade in NRW wurden zu wenige junge Erwachsene adressiert.“ Deshalb rief sie vor zwei Jahren NEiS ins Leben und ging an die Hochschulen: mit Aktionsständen, Veranstaltungen, Vorträgen und Kochtutorien. „Wir haben das Konzept für die Kochkurse entwickelt, aber die Tutorien selbst sollen von Studierenden für Studierende durchgeführt werden“, sagt Schwarz.

„Teilweise fangen wir wirklich mit einem Pfannkuchenteig an“

Das funktioniert so: Auf der Webseite von NEiS können Studierendengruppen 21 Rezepte für die Workshops herunterladen - inklusive Erklärvideos. Zu jedem Workshop gibt es einen Ablaufplan, Hygienehinweise, Einkaufslisten und Listen der Küchengeräte, die benötigt werden. „Wir bieten eine wirklich ausführliche Anleitung, damit jede Tutorin den Workshop durchführen kann“, sagt Schwarz. Zu einem Kochkurs gehören meist vier Rezepte, die die Teilnehmenden zusammen kochen und dann auch zusammen essen. Jedes Rezept wird von einer Vierergruppe umgesetzt, die von einem Tutor oder einer Tutorin begleitet wird.

Zu einem Workshop können bis zu 20 Personen kommen, alle Rezepte sind für Anfänger geeignet. „Teilweise fangen wir wirklich mit einem Pfannkuchenteig oder einer weißen Soße an“, sagt Schwarz. „Wir zeigen aber auch, wie man einen Chili-Eintopf mit Bohnen kocht oder einen bunten Gemüseauflauf, den man jahreszeitlich anpassen kann.“

Im Rahmen einer Pilotreihe wurden bereits fünf Workshops in Bonn angeboten: Schwarz und ihre Kolleginnen hatten studentische Gruppen angesprochen, darunter eine Nachhaltigkeitsgruppe und Students for Future, mit denen sie die Tutorien bewarben und durchführten. Die Räume stellten das Studierendenwerk und die katholische Familienbildungsstätte. Das Angebot kam gut an: Alle Workshops waren innerhalb kurzer Zeit ausgebucht.

Weitere Hochschulen zeigen Interesse

In den Hochzeiten der Pandemie organisierte NEiS Online-Workshops, erzählt Schwarz. Damals wurde in der WG gekocht, anstatt in gemieteten Großküchen. Eine Notlösung: „Eigentlich finden die Kochtutorien vor Ort statt“, betont Schwarz. „So ist auch ein sozialer Aspekt enthalten: Man lernt neue Leute kennen.“

Das Ministerium für Verbraucherschutz begründet die weitere und höhere Finanzierung des Projekts ebenfalls den sozialen Aspekt: „Studierende kochen in Workshops selbst für ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen – so macht gesunde Ernährung Freude, sie führt Menschen zusammen und stärkt den Nachhaltigkeitsgedanken“, sagt Verbraucherschutzministerin Silke Gorißen. Die Kochtutorien würden den Studierenden zudem zeigen, welchen besonderen Wert Lebensmittel haben. „Wer sich gesund und nachhaltig ernährt, lebt besser und hilft auch beim Klimaschutz.“

Bis Ende 2023 soll das Projekt mindestens weiterlaufen. Mittlerweile nutzt nicht mehr nur die Uni Bonn die Kochtutorien; Auch die Uni in Münster habe eine Anfrage geschickt, sagt Schwarz, zudem sei sie mit einer Studierendengruppe in Köln im Gespräch. Bisher ist NEiS an sieben Hochschulen aktiv. „Da ist noch viel Potenzial“, so Schwarz und verweist auf die mehr als 40 staatlichen Hochschulen. „Wir wünschen uns, dass die Kochtutorien viel genutzt werden und wir das Projekt ausweiten können“, sagt Schwarz. „Das Interesse ist auf jeden Fall da.“

KStA abonnieren