NRW will bei Künstlicher Intelligenz und Robotik international aufholen. Mit bis zu 100 Millionen Euro soll ein neues Forschungsnetzwerk entstehen.
NRW gibt Robotik einen kräftigen Schub100 Millionen für den Sprung vom Labor in die Produktion

Der humanoiden Roboter „Agile ONE“ ist bei einem Pressetermin in der Firmenzentrale von Agile Robots zu sehen.
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Nordrhein-Westfalen will bei Künstlicher Intelligenz und Robotik kräftig aufrüsten. Bis zu 100 Millionen Euro sollen in eine neue Forschungsinfrastruktur fließen. Einen entsprechenden Antrag von CDU und Grünen will der Landtag in dieser Woche beschließen. Profitieren könnte davon auch Köln: Die TH Köln gehört zum Forschungsverbund Kiro NRW, dem sechs Universitäten und zwei Fraunhofer-Institute angehören.
Das Geld soll aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur kommen. Geplant ist ein landesweites Netzwerk aus Entwicklungs- und Applikationslaboren. Dort sollen KI-gestützte Robotersysteme erforscht, unter realen Bedingungen getestet und schneller in die Wirtschaft gebracht werden. Zum Konsortium gehören neben der TH Köln die Universitäten Bonn, Bielefeld und Duisburg-Essen, die RWTH Aachen und die TU Dortmund sowie die Fraunhofer-Institute IAIS und IML.
Für Köln eröffnet das die Chance, Forschung und Wirtschaft stärker zu verbinden. Die TH Köln könnte an der Entwicklung und Erprobung neuer Robotersysteme beteiligt sein und Forschungsergebnisse schneller in die regionale Wirtschaft bringen. Gerade für den Kölner Mittelstand und die Industrie könnten daraus neue Anwendungen, effizientere Produktionsabläufe und Geschäftsmodelle entstehen. Auch Kooperationen mit Unternehmen aus der Region wären denkbar. Welche Projekte gefördert werden, steht allerdings noch nicht fest.
Das Vorhaben fällt in eine bemerkenswerte Phase der KI-Entwicklung. Während NRW das Tempo erhöhen will, fordern führende Köpfe der Tech-Branche mehr Zurückhaltung. Anthropic-Chef Dario Amodei warnte am Wochenende vor den Risiken immer leistungsfähigerer KI-Systeme und plädierte für eine Verlangsamung ihrer Entwicklung.
Die Kritik der Tech-Branche richtet sich vor allem gegen das Wettrennen um immer mächtigere KI-Modelle. NRW will dagegen KI in die physische Welt bringen: in Fabriken, Lagerhallen, auf Felder, Baustellen und in Kliniken. Die Systeme sollen nicht nur leistungsfähig sein, sondern auch unter realen Bedingungen zuverlässig funktionieren.
„Mit 100 Millionen Euro geben wir der Forschung zu Künstlicher Intelligenz und Robotik made in NRW einen deutlichen Schub“, sagt die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Julia Eisentraut. Damit könne NRW zum stärksten Robotikstandort in Europa werden. Zugleich gehe es darum, unabhängiger von Technologien aus den USA und China zu werden.
Der CDU-Wissenschaftspolitiker Raphael Tigges betont die wirtschaftliche Bedeutung: „Mit 77 Hochschulen, mehr als 50 außeruniversitären Forschungseinrichtungen und einer starken Industrie verfügt Nordrhein-Westfalen über beste Voraussetzungen.“ Durch die Vernetzung von Forschung und Anwendung könne Spitzenforschung schneller in die Wirtschaft gelangen. Gerade der Mittelstand sowie der Maschinen- und Anlagenbau sollen von höherer Produktivität, neuen Produktionslinien und Geschäftsmodellen profitieren. „Durch vernetzte Forschungs- und Applikationslabore soll ein bundesweit sichtbares KI-Robotik-Ökosystem entstehen, das Spitzenforschung schneller in die Anwendung bringt“, so Tigges.
