Mit Celonis bekommt die Debatte über Palantir eine neue Grundlage. Wer behauptet, europäische Anbieter könnten polizeiliche Datenanalyse nicht leisten, muss sich nun mit einem Unternehmen beschäftigen, das große Datenmengen seit Jahren beherrscht. NRW hat die Chance, eine problematische Abhängigkeit zu verringern. Diese Möglichkeit muss das Land nutzen.
Aber nicht um jeden Preis. Eine funktionierende Lieferkette ist kein erfolgreiches Ermittlungsverfahren. Eine überzeugende Vorführung beweist noch nicht, dass eine Software unter Zeitdruck zuverlässig arbeitet. Wer Palantir ablösen will, muss dessen Fähigkeiten mindestens erhalten. Denn die polizeiinterne Suchmaschine kann Leben retten. In Terrorlagen, bei Amokdrohungen, in komplexen Missbrauchsverfahren zählt jede Minute.
Im Ernstfall zählt jede Minute
Umgekehrt darf die Bewährung des bisherigen Systems kein dauerhaftes Ausschlussargument gegen Wettbewerber sein. Sonst wird Erfahrung zum Schutz vor Konkurrenz. Das Land muss die Bewerber nach überprüfbaren Kriterien testen: Geschwindigkeit, Trefferqualität, Fehleranfälligkeit, Bedienbarkeit. Entscheidend ist nicht das Herkunftssiegel, sondern die nachgewiesene Leistung einschließlich Datenschutz und Kontrollierbarkeit.
Zudem bieten KI und Datamining im sensiblen Polizeibereich nicht nur Chancen, es gibt auch Risiken. Wenn Programme aus Daten neue Verdachtsmomente ableiten, wächst die Verantwortung des Staates. Zeugen, Opfer und Kontaktpersonen dürfen nicht wegen einer rechnerischen Verbindung zu dauerhaften Verdachtsfällen im digitalen Behördenkosmos werden. Dafür braucht es Löschfristen, unabhängige Kontrollen und Verfahren zur Korrektur falscher Zuordnungen. Digitale Souveränität bedeutet nicht bloß, amerikanische durch deutsche Anbieter zu ersetzen. Sie bedeutet, dass der Rechtsstaat seine Technik beherrscht. Nicht umgekehrt.


