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Photoshop und Pre-Paid-KartenDas miese Geschäft mit vermissten Haustieren

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Hunde-Fake 1

Ein niedlicher Mischling im Wald? Dieses Foto ist montiert.

Wenn Anna Meltzer, 44, die Bilder sieht, wird ihr ganz anders. Treuselig schaut Waldi in die Kamera. Ein Hund zum Knuddeln, lieb, verspielt. Für ihren fünfjährigen Sohn Paul war der Terrier-Mischling ein echter Kumpel. Seit dem 13. Dezember aber fehlt der Dortmunder Familie ihr vierbeiniger Sonnenschein. Seit jenem Sonntag wird Waldi vermisst. Das Tier verschwand vom Hinterhof im Stadtteil Hörde, in dem das Haus der Meltzers liegt.

Sofort schalteten die Besitzer die Polizei ein, eine Hundestaffel der Schwerter Tiersucher verfolgte Waldis Spur. Die aber endete abrupt gut 200 Meter weiter entfernt auf dem Parkplatz eines Supermarkts. „Wir gehen davon aus, dass dort jemand unseren Hund mitgenommen hat“, sagt Anna Meltzer. „Wahrscheinlich hat er Waldi ins Auto gesteckt und ist abgehauen.“

Erpresserbild mit Photoshop retouchiert

In der Folgezeit entspann sich eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen, die letztlich in einem Albtraum endete. Auf Ebay und via Facebook hatte die Familie eine Suchanzeige samt ihrer Telefonnummer aufgegeben. Bald darauf meldete sich ein Unbekannter via WhatsApp. Der Kontakt schickte der Familie ein Foto: Waldi in einem Käfig. Angeblich habe er das Tier gefunden. Überglücklich fragte Robert Meltzer: „Hallo. Unglaublich. Wo ist er?“ Die Antwort aber ließ das Schlimmste befürchten: „Sind Sie bereit zu zahlen?“ Meltzer ging darauf ein: „Wieviel“. Das sei ihm egal, schrieb der Unbekannte. Meltzer hakte nach: Was genau er denn wolle? „Geld“, lautete die lapidare Antwort.

Die Familie erstattete Strafanzeige wegen Erpressung. Ein näherer Blick auf das Foto, das der Anonymus von Waldi mitgeschickt hatte, deutete auf einen Fake hin. „Der hat eines von unseren Aufnahmen von der Facebook-Seite genommen“, erläutert Anna Meltzer, „die Leine wegretuschiert und per »Photoshop« Waldi in einen Käfig hineinkonstruiert.“ Die 44-jährige Dortmunderin ist sich sicher, dass ein Trittbrettfahrer, der die sozialen Netzwerke durchkämmt, in dem Vermisstenfall versuchte, so schnell an Geld zu kommen. Als Anna Meltzer den Chat mitverfolgte, stieg die Wut in ihr auf. „Ich glaube nicht, dass dieser Unbekannte unseren Hund hat, er versuchte nur von unserem Leid zu profitieren.“

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Mit diesem gefaketen Foto versuchten Epresser, an Geld zu gelangen.

Allein beim Haustierregister Tasso e.V. sind im vergangenen Jahr 116000 Vermisstenfälle gemeldet worden, darunter knapp 40000 Hunde. Gut 80 Prozent von ihnen wurden wiedergefunden oder kehrten zu ihrem Besitzer wieder zurück. Doch Vereinssprecherin Sonja Slezacek hört auch immer wieder von Fällen, in denen die Tiere weglaufen und plötzlich ein Lösegeld gefordert wird. „Die Betrüger durchsuchen im Internet systematisch Suchmeldungen zu vermissten Tieren, in denen private Kontaktdaten, insbesondere Telefonnummern der Halter angegeben sind.“

Bei Suchmeldungen besser keine privaten Telefonnummern

Unter falschen Handy-Accounts kontaktieren sie die Besitzer. Mitunter melden sie sich angeblich im Namen von Tierkliniken, Tierheimen oder Rechtsanwälten, zu denen das Tier gebracht worden sein soll. Der Halter könne es dort gegen eine Gebühr abholen. Slezacek: „Deshalb empfehlen wir, bei den Suchmeldungen keine privaten Telefonnummern einzustellen noch einen Finderlohn auszuloben.“

Oliver Muth ist mit seiner Rettungshundestaffel häufig in der Region rund um Köln unterwegs. Die „Mantrailing-Company“ mit Sitz in Siegburg wird gerufen, wenn Menschen oder Tiere vermisst werden. Muth weiß von mindestens zwei weiteren Fällen, die sich ähnlich abgespielt haben wie jener in Dortmund. „Manche Hunde werden aber auch bewusst gestohlen, um sie gegen Geld wieder herauszugeben.“ Sobald solche Erpressungsfälle bekannt werden, posten die Suchhundzentren Warnmeldungen ins Netz.

Hundehalter sollen Geld ins Ausland überweisen

Regine Arnold ist immer noch fassungslos, wenn sie an die Aufregung um ihren Jack-Russell-Terrier Maya denkt. Arnold, die im beschaulichen Fürfeld nahe Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz wohnt, erzählt: Eigentlich suche Maya nicht unbedingt das Abenteuer. „Sie ist da eher zurückhaltend, ein Nachläufer.“ Als einer von Arnolds anderen beiden Hunden vor wenigen Tagen ins Gebüsch sprang, setzte Maya plötzlich nach. Fortan ward die Hündin nicht mehr gesehen. Regine Arnold leitete mit ihrer Familie eine Großsuche ein. Überall wurden Plakate aufgehängt, das Gebiet weitläufig durchkämmt. Ein Bekannter überflog sogar mit einer Drohne samt Wärmebildkamera ein nahe gelegenes Waldstück. Dazu schaltete sie Suchmeldungen auf Facebook, Ebay-Kleinanzeigen. Inklusive privater Erreichbarkeit.

Schließlich meldete sich ein vermeintlicher Finder. Über WhatsApp sendete er ein Bild von Maya mit der Bemerkung, er wolle zuerst bezahlt werden, ehe das Tier zurückbringt. Das Geld sollte über den Online-Bezahldienst „PayPal“ auf ein ausländisches Konto überwiesen werden. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen“, berichtet Arnold.

Kontakt über nicht zu verfolgende Prepaid-Karte

Besorgt habe sie sich immer wieder selbst gefragt: „Was macht der mit dem Hund, lebt Maya überhaupt noch oder hat er die Kleine längst verkauft?“ Die Verhandlungen zogen sich, bis sich Arnolds Eltern aus der Nachbarschaft meldeten. Dort war Maya gerade wieder aufgetaucht. Der Betrüger aber versuchte weiterhin sich Geld zu ergaunern. Offenbar wusste er nicht, dass die Hündin wieder zurückgekehrt war.

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Irgendwann hatte Regine Arnold von dem perfiden Spiel genug. Als sie ihren Gegenüber darüber informierte, dass er keinen Cent erhalten würde, weil Maya wieder da sei, löschte dieser sofort den Chat. „Allerdings hatte meine Tochter längst einen Screenshot gemacht“, sagt Arnold. Viel half es nicht. Später sollte sich herausstellen, dass die angegebene Handynummer des Erpressers von einer alten, nicht registrierten Pre-Paid-Simkarte stammte. Für die Polizei war sie nicht zurückzuverfolgen. Der Täter wird wohl davonkommen.

Regine Arnold glaubt indes, dass ein anderer hinter dem zeitweiligen Verschwinden des ihres Jack-Russell-Terriers steckte. „Meine Eltern haben kurz vor dem Auftauchen von Maya ein Motorengeräusch eines wegfahrenden Autos gehört.“ Ein weiteres Indiz bestätigt ihre Theorie: Beim Auslauf lässt die Hündin normalerweise keine Pfütze oder Schlammgrube aus. „Normalerweise sieht sie dann dementsprechend aus, aber bei ihrer Rückkehr war sie total sauber gewesen. Die hat irgendwo bei einem Fremden übernachtet.“