Der russische Machthaber Wladimir Putin sieht Russland für einen Krieg mit Europa gerüstet. „Wir sind bereit, aber wir wollen keinen Krieg mit Europa“, zitierte die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass den Kremlchef. Sollte es zu einem solchen Krieg kommen, werde es „keine Gewinner“ geben. „Das sollte niemand vergessen“, betonte Putin demnach am Rande des Russland-Afrika-Gipfels in Moskau mit Blick auf europäische Warnungen vor einem möglichen Krieg mit Russland bis zum Jahr 2030. Der Westen habe sein Ziel einer „strategischen Niederlage“ Russlands nicht erreicht, behauptete Putin zudem.
Positiv äußerte der Kremlchef sich derweil über das jüngste Telefonat mit Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Store. Die beiden hätten das Gespräch initiiert und dafür Kritik geerntet, stellte Putin fest. Er halte den Vorstoß dennoch für richtig, fügte der Kremlchef hinzu. Nach seiner Darstellung hatten die Europäer zu Beginn des Telefonats betont, nicht im Namen der EU zu sprechen. Norwegen ist kein EU‑Mitglied.
Wladimir Putin warnt vor ähnlicher Lage wie in Straße von Hormus
Inhaltlich sei es um die Sicherheit der Schifffahrt in der Ostsee gegangen, berichtete der Kremlchef und warnte vor einer Lage wie im Persischen Golf in der Straße von Hormus. „Will jemand, dass sich in der Ostsee dieselbe Situation entwickelt?“, fragte Putin. Moskau wolle das nicht, versicherte der Kremlchef, warnte dann jedoch auch, dass Russland „auf jede Herausforderung“ in der Ostsee reagieren werde.
Während der Kremlchef Warnungen an Europa versendet, haben die G20-Außenminister ihr Treffen in Atlanta indes für ein Signal an Moskau genutzt. Das sonst oft übliche „Familienfoto“ der Teilnehmer fiel bei den Beratungen im US-Bundesstaat Georgia aus. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte schon vor Beginn gesagt: „Es wird in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind.“
Russische Außenamtssprecherin verhöhnt Johann Wadephul
Russlands Außenminister Sergej Lawrow sitzt bei den Beratungen mit am Tisch. Der Umgang mit ihm und der seit mehr als viereinhalb Jahren andauernde Angriffskrieg Moskaus auf die Ukraine gehören zu den wesentlichen Themen des Treffens und der politischen Gespräche am Rande.

Sergei Lawrow (M.), Außenminister von Russland, nimmt am G20-Außenministertreffen unter dem Vorsitz von US-Außenminister Marco Rubio in Atlanta teil.
Copyright: Michael Kappeler/dpa
Auch in Moskau ist das Aufeinandertreffen der G20-Außenminister und Lawrow, der sich immer wieder mit scharfen Worten über Europa und europäische Spitzenpolitiker ausgelassen hat, ein großes Thema. Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa nahm am Freitag etwa prompt Wadephuls Worte zum Familenfoto ins Visier.
Generalprobe für G20‑Gipfel mit Trump, Merz, Xi – und Putin?
Obwohl der deutsche Außenminister sich kürzlich noch „selbst eingeladen“ habe zu einem Gespräch mit Lawrow in New York, habe er nun „Angst, fotografiert zu werden“, schrieb Sacharowa bei Telegram und behauptete schließlich, westliche Medien hätten „bereits begonnen, sich über Wadephul lustig zu machen“. Die westliche Diplomatie sei „tief gesunken“, lautete ihr Fazit.
Das Treffen der Außenminister in Atlanta ist so etwas wie eine Generalprobe für den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 14. und 15. Dezember in Miami. Dort werden neben US-Präsident Donald Trump dann auch Kanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie Chinas Staatschef Xi Jinping erwartet. Trump hat Kremlchef Putin ebenfalls zu dem Gipfel eingeladen – bisher ist aber unklar, ob dieser die Einladung annimmt.

