Ermittler durchsuchen Dutzende Objekte in NRW. Es geht um Bestechung beim Glasfaserausbau und hohe Summen.
Bonner KonzernRazzia bei Telekom-Tochter wegen Korruptionsverdacht

Ein Frau tippt auf ihr Smartphone, auf dem ein Telekom-Logo zu sehen ist. Bei einer Tochterfirma des Konzerns gab es jetzt Durchsuchungen. (Symbolbild)
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Das Landeskriminalamt (LKA) NRW hat im Auftrag der Kölner Staatsanwaltschaft unter anderem Firmenräume der Telekom Technik GmbH in Bonn durchsucht. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage den Vorgang, ohne detailliert Namen zu nennen. Die Razzia startete schon in den frühen Morgenstunden am Dienstag.
Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus Justizkreisen erfuhr, geht es um einen Korruptionskomplex bei der Tochterfirma der Deutschen Telekom AG. Die Strafverfolger ermitteln gegen zehn Beschuldigte wegen des Verdachts der Bestechung im geschäftlichen Verkehr, der Untreue und der Geldwäsche.
37-jähriger hochrangiger Telekom-Beschäftigter verdächtig
Bei dem mutmaßlichen Hauptakteur handelt es sich nach Informationen dieser Zeitung um einen 37-jährigen hochrangigen Telekom-Beschäftigten, der für Auftragsvergaben im Bereich Glasfaserausbau zuständig ist. Er soll einem Duisburger Bauunternehmer lukrative Projekte des Bonner Telekommunikationskonzerns zugeschanzt haben.
Im Gegenzug soll der korrupte Telekom-Mitarbeiter jeweils drei Prozent der Auftragssumme erhalten haben. Nach vorläufigen Erkenntnissen geht es um einen Betrag von mindestens einer halben Million.
Anonymer Tipp führte zu Ermittlungen gegen den Verdächtigen
Das LKA sowie Spezialeinheiten und Steuerfahnder durchsuchten insgesamt 40 Privat- und Firmenräume in NRW und ein Objekt in Hessen. Zudem wurden Bankschließfächer durchstöbert sowie zahlreiche Datenträger und Mobiltelefone sichergestellt. Ein anonymer Tippgeber hatte die Nachforschungen durch einen Hinweis an die Telekom Technik GmbH über Schmiergeldflüsse ausgelöst. Die Gesellschaft schaltete die Strafverfolger ein.
Seit Herbst 2025 gingen die Korruptionsermittler des LKA zunächst verdeckt vor, bis sich der Tatverdacht erhärtete und die Staatsanwaltschaft Köln entsprechende Durchsuchungsbeschlüsse erwirkte.
Ein Sprecher der Telekom bestätigte auf Anfrage, dass ein Arbeitsplatz des Hauptbeschuldigten in der Tochterfirma durchsucht worden sei. Er betonte, dass die Ermittlungen aufgrund der Anzeige aus dem eigenen Hause erfolgt seien.
Bestechung, Betrug und Datenskandale: negative Schlagzeilen
In der Vergangenheit sorgte die größte Telekommunikations-Gruppe Europas immer wieder für negative Schlagzeilen, wenn es um Delikte wie Bestechung, Betrug und Datenskandale ging.
Da war zum Beispiel die Korruptionsaffäre um Sponsorengelder für den Vfl Wolfsburg im Jahr 2011. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte Anklage erhoben. Dabei drehte sich alles um einen hoch dotierten Vertrag zwischen VW und der Telekom-Tochter T-Systems im Gegenzug für einen Sponsoren-Vertrag zugunsten des Fußball-Erstligisten Vfl Wolfsburg. Seinerzeit warfen die Ankläger drei früheren Mitarbeitern des globalen IT-Dienstleisters vor, im ersten Halbjahr 2010 zwei VW-Mitarbeitern einen Sponsoring-Vertrag über 16 Millionen Euro und vier Jahre Laufzeit für den Bundesligaverein offeriert zu haben.
Im Gegenzug wollten die beiden Angestellten des Autobauers darauf hinwirken, dass Aufträge im Umfang von 345 Millionen Euro an die Telekom erteilt würden. Das Landgericht stellte dann 2014 den Prozess unter Geldauflagen ein. Die ehemaligen Manager und Mitarbeiter von T-Systems mussten Geldauflagen zwischen 20.000 und 50.000 Euro zahlen.
Korruptionsklage in den USA, Schmiergelder in Südafrika
Drei Jahre zuvor zahlte der Bonner Großkonzern sowie seine ungarische Filiale „Magyar Telekom“ 95 Millionen Dollar Geldbuße, um eine Korruptionsklage in den USA zu beerdigen. Die Unternehmen seien der Bestechung in Mazedonien und Montenegro angeklagt worden, teilte das US-Justizministerium mit. Seinerzeit hatte die US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) den deutschen Konzern und seine Budapester Tochter verklagt. Die Deutsche Telekom war Hauptanteilseigner des ungarischen Unternehmens.
Zwischen 2010 und 2019 soll T-Systems IT-Aufträge in Höhe von etwa 300 Millionen Euro von der südafrikanischen Eisenbahn Transnet und dem Energieversorger Eskom erhalten haben. Zugleich sollen Schmiergelder in zweistelliger Millionenhöhe an Firmen geflossen sein, die zu einem Netzwerk zählten mit Kontakten bis hin zum damaligen Staatspräsidenten Jacob Zuma. Das Netzwerk verfügte damit über Einfluss auf die Auftragsvergabe der staatlichen südafrikanischen Konzerne.
Spektakuläre Abhöraffäre 2008 ist Teil der unrühmlichen Telekom-Chronik
Zu guter Letzt sei an die Abhöraffäre der Deutschen Telekom AG im Jahre 2008 erinnert. Der Fall handelte vom illegalen Ausspähen zahlreicher Verbindungsdaten von Aufsichtsratsmitgliedern, Journalisten und führender Gewerkschafter wie dem damaligen Verdi-Chef Frank Bsirske, um undichte Stellen im Konzern aufzustöbern. Mindestens 55 Personen wurden überwacht. In der Affäre ermittelte die Bonner Staatsanwaltschaft. Letztlich zahlte der Konzern ein Bußgeld von 1,7 Millionen Euro.
Neben dem Imageverlust führte die öffentlich gewordene Spähaktion zu einem Wechsel an der Konzernspitze. Die Affäre gilt als einer der größten Datenschutzskandale in der deutschen Wirtschaft. Anschließend verschärfte der Magenta-Konzern die Compliance-Regeln massiv und verstärkte insbesondere den Kampf gegen Korruption. Die aktuelle Razzia stellt die Mechanismen wieder infrage.
