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Bei „Hart aber fair“
Wagenknecht äußert sich zu Parteigründung – „Glaube, dass wir in Deutschland Bedarf haben“

Lesezeit 3 Minuten
ARCHIV - 07.11.2019, Berlin: Sahra Wagenknecht, damals Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke, steht im Bundestag.

Sahra Wagenknecht könnte eine eigene Partei gründen.

Mit den Linken hat Sahra Wagenknecht offenbar abgeschlossen. Ein Bekenntnis zur Gründung einer neuen Partei vermeidet sie, ihre Aussagen lassen aber Schlüsse zu.

Gründet Sahra Wagenknecht eine neue Partei? Seit geraumer Zeit fremdelt die Linken-Politikerin offenbar mit ihrer langjährigen politischen Heimat. Die Spekulationen häuften sich zuletzt, dass Wagenknecht deswegen einen neuen politischen Weg einschlagen könnte.

Bei „Hart aber fair“ feuerte Wagenknecht am Montagabend die Gerüchte um eine Parteigründung zusätzlich an. Moderator Louis Klamroth wollte es deswegen genauer wissen. „Frau Wagenknecht, wollen sie eine neue Partei gründen“, fragte der Moderator ganz direkt nach, als die 53-Jährige über ihre Kundgebung am Wochenende sprach, auf der auch Neonazis und Reichsbürger dabei waren.

Sahra Wagenknecht äußert sich bei „Hart aber fair“ zu möglicher Parteigründung

Zunächst wich die Politikerin aus und äußerte sich abwertend zur AfD. „Ich habe null Sympathie mit dieser Partei, ich finde es sehr problematisch, dass sie inzwischen bei 15 Prozent liegt und im Osten bei über 20.“

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Der Zuspruch zur AfD sei vielleicht auch deswegen so stark, weil „Menschen, die die Position unseres ‚Manifest für Frieden‘ teilen, in dem Parteienspektrum so gut wie keinen seriösen Adressaten haben, den sie wählen können“, so Wagenknecht. „Verstehe ich sie dann richtig, dass sie dann eine neue Partei gründen wollen?“, hakte Klamroth nach.

Hat Sahra Wagenknecht mit Linken schon abgeschlossen?

„Wenn ein großer Teil der Bevölkerung von Parteien nicht mehr repräsentiert wird, ist das für eine Demokratie ein großes Problem“, vermied Wagenknecht einmal mehr ein klares Bekenntnis. Klamroth ließ jedoch nicht locker. „Wir kommen ja in der Sendung nicht weiter, wenn ich Fragen stelle und sie die nicht beantworten. Deswegen nochmal: Wollen Sie eine eigene Partei gründen?“, stellte er zum insgesamt vierten Mal die Frage, die viele Menschen bewegt.

Ein „Ja“ bekam er zwar auch dieses Mal nicht, dennoch ließ die Antwort der Bundestagsabgeordneten tief blicken. Mit ihrer eigenen Partei scheint sie bereits abgeschlossen zu haben. „Ich glaube, dass wir in Deutschland Bedarf an einer Partei haben, die all diese Menschen vertritt. Ich wünschte, das wäre die Partei, der ich noch angehöre, das ist zurzeit etwas schwierig, wenn sich die Vorsitzende und der Vorstand so verhalten.“

Ich glaube, dass wir in Deutschland Bedarf an einer Partei haben, die all diese Menschen vertritt.
Sahra Wagenknecht

„Die Partei, der ich noch angehöre“ – nicht nur Klamroth war angesichts dieser Aussage sichtlich überrascht. Die Anzeichen verdichten sich nach dem Auftritt von Sahra Wagenknecht bei „Hart aber fair“, dass die ehemalige stellvertretende Parteivorsitzende den Linken den Rücken kehren könnte – mit dem Ziel, den von ihr ausgemachten „Bedarf an einer Partei“ zu decken.

Linke kritisieren Vorgehen von Sahra Wagenknecht – die wehrt sich

Bereits im Rahmen der von ihr mitinitierten Demonstration hatte sie deutliche Kritik an den Linken geäußert. Diese hatten ihr vorgeworfen, die Kundgebung grenze sich nicht deutlich genug nach rechts ab.

Wagenknecht warf ihrer Partei darauf Einschüchterung vor. „Die Debatte, die teilweise von der Linken-Führung hier angestoßen wurde – also ich muss sagen, ich fand das einfach nur blamabel. Man hat da herbeigeredet, dass irgendwelche Rechtsextremen massiv mobilisieren würden.“ Die Vize-Vorsitzende der Linken hatte kritisiert, die Demonstration habe nichts mit linker Friedenspolitik zu tun gehabt.

Neuesten Umfragen zufolge könnten sich 19 Prozent der Deutschen zumindest vorstellen, bei einer der kommenden Wahlen einer neuen von Wagenknecht gegründeten Partei ihre Stimme zu geben. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ mit 1001 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. (pst)