Wird Boris Palmer eine Rolle im Kabinett des Grünen Cem Özdemir spielen? Ambitionen hat der Tübinger Oberbürgermeister offenbar.
Umstrittener Ex-GrünerSpekulationen um Boris Palmer trotz Eklats bei Wahlparty

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos, l.) und Cem Özdemir, (Bündnis 90/Die Grünen) im Januar
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Boris Palmer war über viele Jahre persona non grata bei den Grünen. Der Tübinger Oberbürgermeister verstörte seine Partei immer wieder mit Positionen, die als populistisch kritisiert wurden. Vor allem beim Thema Migration machte er häufig mit umstrittenen Äußerungen, die sonst eher dem rechtkonservativen Lager zuzurechnen wären, Schlagzeilen.
Er sprach sich gegen eine Ausgrenzung der AfD aus und kritisierte die angeblich zu lasche Asylpolitik der Bundesregierung. Als Palmer 2023 bei einem öffentlichen Auftritt das rassistische N-Wort benutzte, eröffneten die Grünen schließlich ein Verfahren zum Parteiausschluss gegen ihn. Diesem kam der Tübinger Oberbürgermeister zuvor und trat aus der Partei aus.
Allerdings blieben persönliche Verbindungen zu seinen ehemaligen Parteifreunden bestehen, vor allem im Heimatland Baden-Württemberg. Mit Cem Özdemir, dem Grünen Wahlsieger vom Sonntag, verbindet ihn eine langjährige Freundschaft. Im Privaten äußerte diese sich, indem Palmer Özdemir und seine Frau Flavia Zaka im Februar im Tübinger Rathaus traute. Aber auch öffentlich trat Palmer über die Grenzen seiner Heimatstadt wieder mehr in Erscheinung und machte Wahlkampf für Özdemir.

Ostrach: Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen, l.) und Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) sprechen anfang März auf einer Bühne bei einer Wahlkampfveranstaltung der Grünen in der Ostracher Buchbühlhalle.
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Özdemir, für den es lange nicht nach einem Wahlsieg gegen den CDU-Kontrahenten Manuel Hagel aussah, setzte auf die Unterstützung des umstrittenen Politikers. Bei Podiumsgesprächen an verschiedenen Orten in Baden-Württemberg traten die beiden gemeinsam auf. Palmer war damit einer der prominentesten Köpfe von Özdemirs Kampagne. Palmer sprach eher konservativere Wählerschichten an und könnte letztlich auch zu Özdemirs Wahlsieg beigetragen haben. Dazu passte, dass Özdemir sich im Wahlkampf inhaltlich in vielen Punkten von seiner Partei fernhielt.
Wird Palmer Minister unter Özdemir?
Die offensichtliche Nähe geht inzwischen sogar so weit, dass über Ministerambitionen Palmers spekuliert wird. Dieser tut wenig, um solchen Gerüchten entgegenzutreten. Im „Berlin Playbook Podcast“ von „Politico“ sagte der 53-Jährige laut Bericht der „Welt“: „Wenn mich der Ministerpräsident des Landes anruft, habe ich die letzten 15 Jahre immer gesagt: Komm‘ vorbei, lass‘ uns drüber reden“, so Palmer. „Ich bin gerne mit Rat und Tat da, wenn das gewünscht wird“, ergänzte der ehemalige Grüne. Es habe ihn bislang aber noch niemand gefragt, so Palmer.
Auch gegenüber der „Südwest Presse“ äußerte sich Palmer am Montag ähnlich. Er sieht sich mit seinen eher konservativen Ansichten als Mittler zur CDU, die den Grünen am Sonntag nur knapp unterlegen war. „Von den prominenten politischen Personen im Land bin ich sicherlich jemand, der an der Schnittstelle von Grünen und Schwarzen mit die größten Kompetenzwerte hat“, so Palmer selbstbewusst.
Palmer wurde gefragt, ob er sich andere Herausforderungen als seine jetzige vorstellen könne. „Wenn Sie mich so offen fragen: Ja, ich bin 53 und kann mir durchaus vorstellen, beruflich auch noch andere Aufgaben zu übernehmen“, war die Antwort.
Grüne Jugend will Palmer bei Wahlparty rauswerfen
Ob es allerdings zu einem Ministerposten für den bei vielen Grünen ungeliebten Palmer kommt, darf bezweifelt werden. Bei der Wahlparty der Grünen am Sonntagabend setzte die Grüne Jugend ein Zeichen. Palmer war dort überraschend gegen 21 Uhr aufgetaucht, obwohl er kein Parteimitglied mehr ist. Mitglieder der Jugendorganisation der Grünen bedrängten Palmer daraufhin, die Veranstaltung zu verlassen. Palmer erklärte dem „Spiegel“, er sei „angeraunzt“ worden.
Der Co-Vorsitzende der Grünen Jugend, Luis Bobga, sagte, Palmer dürfe keine Rolle spielen in der Stuttgarter Regierungsbildung. Dagegen hatte Noch-Ministerpräsident Winfried Kretschmann Palmer auf der Wahlparty noch mit Handdruck begrüßt.

