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Telefon-Atteste auf dem PrüfstandMerz beklagt zu hohen Krankenstand – Gesundheitsministerin Warken reagiert

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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisiert, dass die Zahl der Krankentage in Deutschland zu hoch sei.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisiert, dass die Zahl der Krankentage in Deutschland zu hoch sei. 

Der hohe Krankenstand alarmiert den Kanzler. Jetzt nimmt die Gesundheitsministerin die telefonische Krankschreibung ins Visier.

Der hohe Krankenstand in Deutschland rückt weiter in den Fokus der Bundesregierung. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Regelungen zur telefonischen Krankschreibung überprüfen. Ziel sei es, möglichen Missbrauch zu verhindern. „Genau das werden wir angehen und die aktuellen Regelungen auf den Prüfstand stellen. Wir brauchen praktikable Lösungen“, sagte Warken dem „Tagesspiegel“.

Auslöser ist die erneute Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Er hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass Beschäftigte in Deutschland im Schnitt auf 14,5 Krankentage kommen – kurzfristige Krankmeldungen von ein oder zwei Tagen noch nicht eingerechnet. „Wenn die einbezogen würden, dann läge die Zahl noch deutlich höher“, sagte Merz nach einer Sitzung des CDU-Bundesvorstands am Montag. Der Krankenstand sei „im Durchschnitt in den Unternehmen in Deutschland zu hoch“.

Viele Atemwegsinfektionen treiben in Herbst und Winter die Krankenstände nach oben.

Viele Atemwegsinfektionen treiben in Herbst und Winter die Krankenstände nach oben.

Zuvor hatte der Kanzler bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Rappenau bei Heilbronn gefragt: „Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“

Öffentlicher Dienst auch betroffen – Missbrauch telefonischer Atteste?

Das gelte auch für den öffentlichen Dienst, betonte der Kanzler jetzt. Man suche nach Ursachen und Lösungen. „Eine der Ursachen ist sicherlich auch die leichte Krankschreibung durch telefonische Krankschreibungen“, sagte Merz. Ärzte könnten oft gar nicht beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig sei, wenn sie den Patienten nicht gesehen hätten. Für seine Aussagen habe er viel Zustimmung erhalten.

Warken stellte klar, dass sich die Kritik nicht gegen tatsächlich erkrankte Menschen richte. Im internationalen Vergleich sei der Krankenstand in Deutschland jedoch auffällig hoch. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die niedrigschwellige Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung missbräuchlich ausgenutzt werden kann“, sagte die Ministerin. Wie genau die Regeln geändert werden könnten, ließ sie offen.

Dabei hatte im Vorjahr der im Bundeskanzleramt angesiedelte Expertenrat für Gesundheitsfragen noch empfohlen, die telefonische Krankschreibung beizubehalten, da diese nicht ursächlich für den hohen Krankenstand sei. Als Gründe nannte er mehr Atemwegsinfekte und eine älter werdende Erwerbsbevölkerung. Der Rat forderte dazu auf, die betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention zu stärken. (sbo/dpa)