Kurz vor den US-Zwischenwahlen in der kommenden Woche liefern sich Ex-Präsident Barack Obama und Amtsinhaber Donald Trump weiterhin einen scharfen Schlagabtausch. Am kommenden Dienstag (3. November) entscheidet sich bei den sogenannten Midterms, ob die Republikaner ihre Mehrheiten behalten oder die Demokraten die Kontrolle im Kongress übernehmen. Entsprechend aufgeladen ist die Stimmung im Wahlkampf, in den sich nun auch Obama verstärkt einbringt.
Trump ist derweil ohnehin bereits seit Wochen im Wahlkampfmodus unterwegs. Die Republikaner fürchten aufgrund schlechter Umfragewerte für Partei und Präsidenten, die Kontrolle über den Kongress in den letzten beiden Jahren von Trumps Amtszeit zu verlieren – und versuchen daher derzeit, den drohenden Wahlsieg der Demokraten noch abzuwenden.
Barack Obama über Trump: „Chaos, Grausamkeit, Korruption und Inkompetenz“
Obama hat sich, wie für amerikanische Ex-Präsidenten üblich, unterdessen lange mit öffentlichen Einmischungen zurückgehalten. Erst im Wahlkampfendspurt meldete sich der demokratische Politiker zu Wort – und attackierte Trump und die US-Regierung scharf.
„Der amtierende Präsident hat eine Reihe schlechter Entscheidungen getroffen“, sagte Obama etwa bereits am vergangenen Wochenende in Cleveland in Ohio, wo der frühere demokratische Senator Sherrod Brown den Sitz von seinem republikanischen Gegner Jon Husted zurückerobern will. Nach zwei Jahren voller „Chaos, Grausamkeit, Korruption und Inkompetenz“ der Trump-Regierung hätten die Wähler nun Gelegenheit, für einen „Wandel“ zu stimmen, fügte Obama hinzu.
Barack Obama spottet über Trumps Renovierungen im Weißen Haus
Am Mittwoch legte Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung nahe Atlanta noch einmal gegen Trump nach. Der US-Präsident und seine Regierung seien „keine seriösen Menschen“, sagte Obama mit Blick auf den Republikaner und fügte hinzu: „Und wir alle zahlen den Preis für ihren Mangel an Seriösität.“

Ex-Präsident Barack Obama bei seinem Wahlkampfauftritt am Mittwoch im US-Bundesstaat Georgia.
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Obama erwähnte dabei auch die aufwendigen Renovierungsarbeiten Trumps im Weißen Haus. „Der Typ baut einen Ballsaal, der größer ist als das Weiße Haus“, stichelte der ehemalige demokratische Präsident. Zugleich kritisierte er den Bau eines neuen Hubschrauber-Landeplatzes und die Inneneinrichtung des Weißen Hauses unter Trump.
„Da ist überall Gold. Was hat es mit dem ganzen Gold auf sich?“
„Da ist überall Gold. Was hat es mit dem ganzen Gold auf sich?“, spottete Obama und zog daraufhin einen Vergleich mit dem ehemaligen irakischen Diktator Saddam Hussein. Unter Trump würde das Weiße Haus aussehen, „als hätte Saddam Hussein eine ‚Cheesecake Factory‘ eröffnet“, hieß es von Obama.
Die Cheesecake Factory ist eine US-amerikanische Restaurantkette, die für ihre überbordende Innenausstattung bekannt ist. Altägyptische Säulen und griechisch-römische Akzente, dunkle Holzvertäfelungen, Mosaike, hohe Decken sowie gedämpftes Licht in Gold- und warmen Farbtönen bestimmen dort das Ambiente.
US-Finanzminister besucht Cheesecake Factory
Mit dem Scherz versetzte Obama das Weiße Haus in Rage – die US-Regierung versuchte als Konter, den Demokraten als elitär und realitätsfremd darzustellen. Am Mittwoch verspottete Obama die Trump-Regierung dann schließlich erneut – dieses Mal für ihre Reaktion auf seinen Scherz.
So hatte Trump Obama etwa als „miesen Präsidenten“ bezeichnet, weil er das Weiße Haus mit einem Restaurant verglichen habe. Finanzminister Scott Bessent besuchte derweil demonstrativ eine Cheesecake Factory und versuchte sich so als weniger elitär als Obama zu inszenieren.
„Dem Präsidenten hat der Vergleich mit Saddam Hussein gar nichts ausgemacht“
„Fast zehn Jahre lang“ sei die Cheesecake Factory sein „Lieblingsrestaurant“ gewesen, erklärte Obama angesichts der Reaktionen der Republikaner auf seinen Scherz nun am Mittwoch in Atlanta zunächst und betonte, dass er sehr wohl zu den Kunden der Restaurantkette zu zählen sei. Dann folgte die nächste Attacke auf Trump.
„Dem Präsidenten hat der Vergleich mit Saddam Hussein gar nichts ausgemacht“, sagte Obama spöttisch. „Das hat ihn nicht gestört, aber meine Kommentare zur Cheesecake Factory haben ihn sehr verärgert. Das hat ihn sehr beleidigt.“
Auch Trumps Finanzminister geriet ins Visier des Ex-Präsidenten: Bessent habe auf seinen Witz reagiert, nicht aber auf die Inflation, erklärte Obama und fügte hinzu: „Sie haben dem Finanzminister gesagt, er solle eine Pressekonferenz vor der Cheesecake Factory abhalten. Das ist wirklich passiert.“
Midterms in den USA: Schlechte Umfragewerte für Donald Trump
Jetzt liegt der Ball im laufenden Schlagabtausch zwischen dem amtierenden und dem früheren Präsidenten wieder bei der Trump-Regierung. Auf die jüngsten Aussagen Obamas reagierte das Weiße Haus zunächst nicht.
Bei der Wahl am Dienstag werden 35 der 100 Sitze im Senat sowie alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus neu vergeben. Unabhängige Analysten sehen die Demokraten im Repräsentantenhaus derzeit im Vorteil. Das Rennen um den Senat gilt dagegen als sehr knapp.
Mit der Amtsführung von Trump sind viele Amerikaner zudem den Umfragen zufolge unzufrieden. Laut einer am 26. Oktober veröffentlichten Umfrage von Reuters und dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos unterstützen nur noch 32 Prozent der Amerikaner die Arbeit des Präsidenten. Damit rangiert Trump derzeit nur einen Prozentpunkt über dem niedrigsten Wert (31), den Reuters/Ipsos während seiner beiden Amtszeiten gemessen hat.

