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Programm „Ich will leben“Mit Hotline und Drohnen – so will die Ukraine russische Soldaten zur Kapitulation bewegen

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Ein ukrainischer Soldat lässt im November 2022 in der Nähe von Mykolajiw eine Drohne aufsteigen.

Ein ukrainischer Soldat lässt eine Drohne aufsteigen. (Archivbild)

Die Ukraine beweist erneut Kreativität – eine Hotline gibt es bereits, nun sollen auch Drohnen zum Einsatz kommen.

Bereits seit Monaten versucht die Ukraine, russische Soldaten zur Kapitulation zu bewegen – nun kommen dafür auch Drohnen zum Einsatz. Die Flugkörper sind Teil des Programms „Ich will leben“. Die „New York Times“ hatte zunächst darüber berichtet.

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Ukraine: Hotline und Website soll Russen Kapitulation ermöglichen – und jetzt auch Drohnen

So lautet der Begrüßungstext auf russischer Sprache auf einer Website, die die Ukraine innerhalb des Programms „Ich will leben“ betreibt, um russische Soldaten davor zu überzeugen, ihre Waffen niederzulegen. Die ukrainischen Behörden bieten allen russischen Soldaten, die sich ergeben sollten, auf ihrer Webseite im Gegenzug Sicherheitsgarantien gemäß der Genfer Konvention, drei Mahlzeiten am Tag, medizinische Betreuung, sowie „rechtliche Unterstützung“, die Kommunikation mit Angehörigen und die Chance auf einen Gefangenenaustausch.

Die Website ist nicht der einzige Versuch Kiews, die russischen Truppen, die das Land seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs am 24. Februar terrorisieren, zum Aufgeben zu bewegen. Auch eine Hotline haben die ukrainischen Behörden eingerichtet – rund um die Uhr erreichbar.

Mit den Kommunikationsapps Whatsapp und Telegram sei es ebenfalls möglich, sich zu ergeben, heißt es auf der vom ukrainischen Verteidigungsministerium betriebenen Seite. „Es ist deine Entscheidung“, richten sich die Ukrainer in großen Lettern an die russischen Soldaten.

Ukraine: Drohnen sollen russische Soldaten zum Festnahmeort führen

Die Hotline und die Webseite sind jedoch nicht die einzigen Versuche Kiews – seit Dezember 2022 kommen einem Bericht der „New York Times“ zufolge nun auch Drohnen zu diesem Zweck zum Einsatz. Die Drohnen sollen russischen Soldaten zunächst ermöglichen, ihre Kapitulation zu signalisieren und die Kriegsgefangenen dann zu ukrainischen Soldaten führen, die sie schließlich festnehmen.

Bereits Mitte Dezember hatte der ukrainische Generalstab ein Video veröffentlicht, dass beispielhaft darstellt, wie man sich den Prozess in Kiew vorstellt.

Der erste Schritt bestehe darin, das Projekt „Ich will leben“ anzurufen, um Anweisungen und Koordinaten zu erhalten, heißt es in dem Video. „Es ist wichtig, rechtzeitig zum angegebenen Punkt zu kommen und auf das Erscheinen der Drohne zu warten, danach hebt man die Hände“, lautet die Anweisung weiter. „Nachdem die Drohne den Bewegungsvektor gezeigt hat, müssen die Gefangenen ihr folgen“, erklären die Ukrainer. Die Drohne werde dann mit „Schrittgeschwindigkeit“ fliegen und „euch zu ukrainischen Positionen führen“.

Laut Ukraine mehr als hundert Anfragen pro Tag durch Programm „Ich will leben“

Ob das Programm der Ukraine erfolgreich ist, bleibt zunächst allerdings unklar. Petro Yatsenko, ein Sprecher der ukrainischen Koordinierungsstelle für die Behandlung von Kriegsgefangenen, gab Ende Dezember laut der „New York Times“ eine Zahl von 4.300 direkten Anfragen für Informationen über die Kapitulation im Rahmen des Programms „Ich will leben“ an.

Mehr als hundert konkrete Anfragen würden mittlerweile pro Tag bei der Hotline oder der Website eintrudeln, berichtete unterdessen die Zeitung „Ukrainska Pravda“ Mitte Dezember. Zudem hätte es bis dahin insgesamt 1,2 Millionen Zugriffe auf die Website gegeben – die meisten davon aus Russland, erklärte Andrij Yusov, Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Russland hat auf die kreativen ukrainischen Bemühungen unterdessen reagiert. Bereits kurz nach ihrem Start wurde die Website zum Programm „Ich will leben“ in Russland blockiert. Zudem gab Moskau an, mittlerweile ebenfalls SMS mit Kapitulationsaufforderungen an ukrainische Streitkräfte zu versenden.