Die ukrainischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben eine mehrmonatige Offensive im Osten des Landes abgeschlossen. Nach Angaben des Kommandeurs des 3. Armeekorps, Andrij Biletskyj, wurden dabei 277 Quadratkilometer ukrainisches Gebiet zurückerobert und mindestens 8000 russische Soldaten außer Gefecht gesetzt. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben jedoch nicht.
Der Kommandeur erklärte am Mittwoch (14. Oktober), die vierte und letzte Phase der als „Operation Vivaldi“ bezeichneten Offensive sei beendet worden. In dieser Phase seien 101 Quadratkilometer befreit und mehr als 3000 weitere russische Verluste verzeichnet worden, hieß es weiter. Die Dörfer Selena Dolyna, Lypowe und Kolodjasi seien von ukrainischen Truppen eingenommen worden. Über die Gefangennahme russischer Soldaten sprach Biletskyj nicht.
„Wir haben dem Feind keine Zeit gegeben“
Den Angaben zufolge setzte die ukrainische Armee bei der Operation auf eine Kombination aus Infanterie-Einheiten und Drohnenschwärmen. Zunächst seien Stellungen infiltriert und russische Einheiten vom Nachschub abgeschnitten worden, erklärte der Kommandeur. „Der Schlüssel zu der Operation war die Geschwindigkeit“, so Biletskyj. „Wir haben dem Feind keine Zeit gegeben, seine Verluste zu ersetzen oder eine tragfähige Verteidigung aufzubauen.“

Ein ukrainischer Soldat steuert an der Front einen BM‑21‑Raketenwerfer. (Archivbild)
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Das amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) bestätigte in einer Analyse vom 1. Oktober, dass die ukrainischen Truppen rund 300 Quadratkilometer zurückgewonnen haben. Die Verlustzahlen lassen sich dagegen nicht unabhängig überprüfen, da weder Russland noch die Ukraine verlässliche Zahlen veröffentlichen. Auch laut einer Analyse der ukrainischen Zeitung „Kyiv Post“ stimmen die Angaben des Kommandeurs zu den rückeroberten Gebieten mit einer eigenen Auswertung von Kampfberichten weitgehend überein.
„Es gibt noch Wagner und Bach“: Folgt eine weitere Offensive?
Ukrainische Militäranalysten werten die Offensive als strategischen Erfolg: Die russischen Truppen seien von der wichtigen Versorgungsstraße zwischen Slowjansk und Kramatorsk weggedrängt worden. Beide Städte, die Moskau ausdrücklich als Ziele nennt, könnten so besser versorgt werden. Biletskyj deutete zudem eine Fortsetzung an – und spielte dabei auf den Namen der Operation an. „Zumindest gibt es noch Wagner und Bach“, erklärte der Kommandeur mit Blick auf mögliche weitere Operationen.
Das russische Verteidigungsministerium besteht unterdessen weiterhin darauf, die eigenen Stellungen in der Ostukraine gehalten zu haben und an einzelnen Stellen sogar vorgerückt zu sein. Doch auch innerhalb der russischen Propagandamaschinerie scheint es an dieser Darstellung erhebliche Zweifel zu geben. Russische Militärblogger berichten seit Wochen von einer schwierigen Lage der russischen Truppen in der Ostukraine. Der Grund dafür seien ukrainische Drohnen- und Infanterieangriffe.

