Bei der Gegenoffensive konnten nach ukrainischen Angaben weitere Gebiete befreit werden. Ein Insider berichtet indes über Putins Armee.
„Beschämend für Russland“Ukraine erobert Gebiete bei „Operation Vivaldi“ – Unruhe in Putins Armee

Eine ukrainische Haubitze feuert in Richtung russischer Stellungen im Gebiet Donezk. (Archivbild)
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Die ukrainischen Streitkräfte haben weitere Erfolge bei einer als „Operation Vivaldi“ bezeichneten Gegenoffensive im Donbass bekannt gegeben. In der dritten Phase der Operation seien die Ortschaften Nove, Ridkodub und Katerynivka befreit worden, zudem habe die Ukraine die Kontrolle über Karpivka und Nowomykhailivka in der Region Donezk zurückerlangt. Das teilte die ukrainische Armee am Montag (28. September) mit.
Russland sei gezwungen gewesen, „seine Reserven sinnlos in Gegenangriffen zu verheizen“, teilte der Kommandeur des dritten Armeekorps, Andrij Bilezkyj, mit. Insbesondere die Rückeroberung der Ortschaft Nove sei hervorzuheben, berichtete der Kommandeur, dort sei ein „wichtiger Knotenpunkt des Feindes“ gewesen.
„Operation Vivaldi“: Ukraine meldet Rückeroberung von Gebieten
Insgesamt seien in der dritten Phase der „Operation Vivaldi“ weitere 51 Quadratkilometer zurückerobert worden. Seit Beginn der zunächst im Verborgenen geführten Offensive seien insgesamt 176 Quadratkilometer wieder unter ukrainische Kontrolle gebracht worden, teilte Bilezkyj mit. Unabhängig überprüft werden können die Angaben nicht.
Wegen der strikten Geheimhaltung auf ukrainischer Seite hatte es aus der Region seit dem Frühsommer kaum Nachrichten gegeben. Erst Anfang September machten dann von Militärexperten verifizierte Fotos und Videoaufnahmen deutlich, dass es der Ukraine gelungen war, die Stadt Lyman zu sichern und einen großen Vorstoß der russischen Streitkräfte zurückzudrängen.
„Die Russen ergaben sich in ganzen Einheiten“
Auch russische Militärblogger räumten die Probleme bei Lyman ein. Das ukrainische Militär macht die erfolgreichen Gegenangriffe im Norden des Gebiets Donezk schließlich am 15. September öffentlich – und kündigte weitere „Phasen“ der Gegenoffensive an.
Mehr als 250 russische Kämpfer seien bisher im Rahmen der Offensive gefangen genommen worden, teilte Bilezkyj nun mit. „Die Russen ergaben sich in ganzen Einheiten, zusammen mit Offizieren, Piloten und Kanonieren“, berichtete der Kommandeur in den sozialen Netzwerken.
Wolodymyr Selenskyj berichtet von hohen Verlusten Russlands
Auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj äußerte sich zu Wochenbeginn zur „Operation Vivaldi“ – und berichtete von enormen Verlusten auf russischer Seite.
Allein in der vergangenen Woche seien im Gebiet Donezk mehr als 10.600 russische Soldaten getötet oder verwundet worden, erklärte Selenskyj am Sonntag (27. September) auf der Plattform X. „Die Besatzer werden weiterhin eliminiert, und die festgelegten Ziele werden erreicht“, hieß es weiter.
Ukraine: 300.000 russische Soldaten 2026 getötet oder verwundet
Laut Selenskyj verfügen die ukrainischen Streitkräfte über Videobeweise, die alle aufgeführten russischen Verluste bestätigen. Der ukrainische Generalstab gab unterdessen bereits am 15. September bekannt, dass die russischen Streitkräfte seit Anfang 2026 mehr als 300.000 Tote und Verwundete zu beklagen hätten. Seit Kriegsbeginn soll Russland demnach mehr als 1,5 Millionen Soldaten verloren haben.
Moskau äußert sich derweil nicht zu seinen Verlusten. Die Zahlen können nicht unabhängig überprüft werden. Auch westliche Analysten beziffern die russischen Verluste jedoch in einem ähnlich hohen Bereich. Seit Kriegsbeginn gab es zudem immer wieder Berichte über grausame Zustände innerhalb der russischen Armee.
Russischer Soldat: „Es ist fast schon beschämend“
Gegenüber dem Exilmedium „Meduza“ äußerten sich nun erneut zwei russische Soldaten mit deutlichen Worten. „Keiner von uns wusste wirklich, wie man kämpft“, berichtete etwa ein Soldat von der mangelnden Ausbildung der russischen Truppen.
Obwohl ihm bei der Rekrutierung gesagt worden sei, dass er nicht an der Front zum Einsatz kommen werde, sei er genau dort hingefahren worden, sagte der Soldat, der von „Meduza“ als Maxim bezeichnet wird. Zudem müssten sich die Truppen an den Kosten ihrer Einheiten beteiligen, berichtete Maxim weiter. Dabei gehe es um Benzin, Drohnenteile und Verpflegung.
Für Russland findet der Soldat daher kritische Worte. „Es ist fast schon beschämend für den Staat, zuzugeben, dass die Armee Personal benötigt. Und das tut sie wirklich. Aber alle belügen einander, und deshalb, denke ich, haben wir jetzt schon seit vier Jahren keine Rotation mehr“, zitierte „Meduza“ den Soldaten.
