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Kremlchef spricht übers BaltikumPutin weckt düstere Erinnerungen – Ukraine greift Raffinerie an

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Kremlchef Wladimir Putin im Gespräch mit Reportern am Freitag (25. September) in St. Petersburg.

Kremlchef Wladimir Putin im Gespräch mit Reportern am Freitag (25. September) in St. Petersburg.

Wladimir Putin droht der Ukraine und äußert sich zum Baltikum. In Russland geht indes die nächste Raffinerie in Flammen auf.

Kremlchef Wladimir Putin zweifelt an der Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen, das erklärte der russische Machthaber am Freitag (26. September) in St. Petersburg gegenüber Reportern. Ansätze, die auf eine „sogenannte Befriedung“ und einen Vorschlag zur Wiederaufnahme von Verhandlungen zielen, lägen auf dem Tisch, das sei alles möglich, sagte der Kremlchef. „Aber nach allem, was sie getan haben, werden wir noch gründlich nachdenken, was wir als Reaktion unternehmen müssen“, fügte Putin jedoch mit Blick auf ukrainische Gegenangriffe hinzu und drohte Kyjiw mit Konsequenzen.

„Sie haben damit angefangen. Überall, an allen Fronten. Sind das etwa Spielereien, Kinderspiele?“, fragte Putin die Reporter. „Sie sollten Russlands Vergeltungsschläge zu spüren bekommen und verstehen, dass Provokationen, jegliches Anheizen der Situation, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, nichts bringen“, fügte der Kremlchef hinzu. „Sie verschlimmern die Lage nur.“

Wladimir Putin: „Was soll das? Was bringt das?“

Insbesondere über die ukrainische Angriffsserie gegen die größten russischen Online-Versandhändler Wildberries und Ozon zeigte sich Putin erzürnt. „Was soll das? Was bringt das? Danach haben wir angefangen, auf jeden einzelnen Fall zu reagieren“, sagte der russische Machthaber den Reportern.

Für Aufsehen sorgte der Kremlchef vor allem aber mit Äußerungen über das Baltikum. Moskau hatte den Ton zuletzt hauptsächlich gegenüber Litauen drastisch verschärft. Zuletzt hatte die russische staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti für Aufsehen gesorgt, als sie dem baltischen Land zunächst in einem Artikel mit einem „kurzen Krieg“ drohte, den Text dann aber weniger später wieder löschte.

Bedrohliche Worte aus Moskau in Richtung des Baltikums

Kremlsprecher Dmitri Peskow hat unterdessen zuletzt gedroht, dass Litauen ins Visier russischer Atomwaffen geraten könnte. Auch der frühere Kremlchef Dmitri Medwedew drohte zuletzt: „Wenn wir auf ihre Handlungen reagieren müssen, wird niemand zu Litauens Verteidigung kommen. Litauen wird von der Weltkarte verschwinden.“ Gleichzeitig betont Moskau immer wieder, es plane keine Angriffe auf europäische Länder oder NATO‑Staaten.

Auch Putins jüngste Äußerungen entsprechen diesem Muster. Der Kremlchef beteuerte, dass sich sein Land „nicht auf irgendeine Art von Kampf mit Europa“ vorbereite, ließ dann aber prompt mit seiner Wortwahl gegenüber den baltischen Staaten aufhorchen. Dass etwa Estland seine Verteidigungsbereitschaft gegenüber Russland betont habe, verspottete Putin als „politische Clownerie“ und verwies auf die massive Überlegenheit Russlands.

Moskaus Worte klingen wie am Vorabend des Krieges

Die Bevölkerungszahl Estlands betrage etwa 1,3 Millionen Menschen, erklärte der Kremlchef und fügte hinzu: „Allein die russische Armee, ganz zu schweigen von der Bevölkerung der Russischen Föderation, zählt 1.535.000 Mann.“ Putin warf den baltischen Staaten außerdem vor, die Rechte russischsprachiger Menschen zu verletzen – und kündigte an, dass Russland weiterhin für die Betroffenen gemäß des Völkerrechts „kämpfen“ werde. 

Putin weckte mit seinen Worten Erinnerungen, da er eine ähnliche Wortwahl wie im Vorfeld des russischen Krieges gegen die Ukraine nutzte. Bis kurz vor der Invasion hatte Moskau damals beteuert, dass es keinen Angriff auf das Nachbarland plane. Auch den Vorwurf der Diskriminierung russischsprachiger Menschen erhob der Kreml damals. 

Der russische Machthaber habe „noch Ende Januar 2022 erklärt, dass die russischen Truppen nach den Manövern wieder abgezogen werden“, erklärte der Russland-Experte Matthäus Wehowski am Samstag angesichts der Wortwahl des Kremlchefs. Auch Berichte über einen Einmarsch in die Ukraine seien von Putin ähnlich wie jetzt damals als „Desinformation“ zurückgewiesen worden, schrieb der Historiker auf der Plattform X. 

Ukraine setzt Angriffsserie fort – Raffinerie im Visier

Die Ukraine hat unterdessen ihre Angriffsserie gegen die russische Ölindustrie fortgesetzt. Nach Angaben von Wolodymyr Selenskyj nahmen die ukrainischen Streitkräfte erneut eine Raffinerie ins Visier, das teilte der Staatschef am Samstag (26. September) mit. „In der vergangenen Nacht wurde die Ilsky-Ölraffinerie in der Region Krasnodar getroffen“, schrieb der Ukrainer in den sozialen Netzwerken. Auch eine Rüstungsfabrik und ein Flugabwehrsystem in der Region Rostow seien angegriffen worden, teilte Selenskyj mit.

Bereits seit Wochen attackiert die Ukraine immer wieder Ölraffinerien in Russland – und hat so für Treibstoffmangel, lange Schlangen vor Tankstellen und Frust bei der russischen Bevölkerung gesorgt. Trotz der jüngsten Mahnungen von US-Präsident Donald Trump, der sich um den Dieselpreis sorgt, laufen die Angriffe nahezu täglich weiter.

Bereits am Freitag hatte Kyjiw Angriffe auf zwei Raffinerien gemeldet, darunter eine der größten Russlands in Perm. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters musste die Raffinerie nach einem Großbrand in Folge des Drohnenangriffs am Freitag mittlerweile ihren Betrieb einstellen.