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„Wir empfehlen es nicht“Selenskyj wählt bedrohliche Worte – Putins Parade im Visier?

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Kremlchef Wladimir Putin hält eine Rede während der Militärparade zum Tag des Sieges anlässlich des Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges auf dem Roten Platz in Moskau. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin hält eine Rede während der Militärparade zum Tag des Sieges anlässlich des Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges auf dem Roten Platz in Moskau. (Archivbild)

Eine vom Kreml ausgerufene Waffenruhe erweist sich als hinfällig. Aus Kyjiw kommen klare Worte – in Moskau zeigt sich mancher kleinlaut.

Die von Russland ausgerufene einseitige Waffenruhe ist kurz nach Inkrafttreten bereits gebrochen worden. Das berichtet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Russland habe „nicht einmal einen symbolischen Versuch unternommen, eine Waffenruhe an der Front einzuhalten“, erklärte Selenskyj am Freitagmorgen (8. Mai) im Onlinedienst X. „Wie bereits in den vergangenen 24 Stunden wird die Ukraine auch heute entsprechend reagieren“, kündigte der Staatschef an.

Russland meldete derweil zahlreiche Drohnenangriffe aus der Ukraine. Seit Inkrafttreten der einseitigen Waffenruhe seien 264 Drohnen abgefangen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Ukraine bestätigte unterdessen einen Angriff auf eine Öl-Anlage in Jaroslawl.

Waffenruhe gebrochen – Ukraine greift Öl-Anlage in Russland an

Dort sei „eine Ölförderanlage, die für die Finanzierung des russischen Krieges von großer Bedeutung war“, angegriffen worden, berichtete Selenskyj, der die ukrainischen Angriffe auf Energieinfrastruktur in Russland als „langfristige Sanktionen“ bezeichnete. „Russland muss sich für einen echten Frieden entscheiden“, forderte Selenskyj. 

Die von Russland ausgerufene Waffenruhe war um Mitternacht in Kraft getreten und soll bis Sonntagmorgen gelten. Anlass für die zweitägige Feuerpause sind die russischen Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Siegesparade in Moskau findet ohne militärisches Gerät statt

Am Samstag findet in Moskau die traditionelle Parade zum Sieg über Nazi-Deutschland statt. Aus Angst vor ukrainischen Angriffen sollen, anders als in den vergangenen Jahren, keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät bei der Parade auffahren.

In Moskau herrscht unterdessen weiterhin große Anspannung im Vorfeld der Siegesparade. Im Falle eines ukrainischen Angriffes drohte Moskau in dieser Woche mit „Vergeltung“ und warnte das Personal ausländischer Botschaften vor möglichen Luftangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw.

Selenskyj warnt vor Teilnahme an Parade: „Wir empfehlen es nicht“

Auch aus der Ukraine kommen derweil deutliche Worte. „Die Russen wollen die Erlaubnis der Ukraine, um ihre Parade abzuhalten – damit sie einmal im Jahr für eine Stunde sicher auf den Platz ziehen können und dann wieder damit weitermachen, unsere Menschen zu töten und Krieg zu führen“, schrieb Staatschef Selenskyj bereits am Donnerstag bei X und sprach von einer „verdrehten Logik“ bei der russischen Regierung.

Auch eine indirekte Drohung gab es von Selenskyj, der ausländische Staatschefs vor einer Teilnahme an der Siegesparade warnte. „Es gibt auch Nachrichten von einigen Staaten, die Russland nahestehen, dass ihre Vertreter in Moskau dabei sein wollen“, erklärte Selenskyj und fügte hinzu: „Ein sonderbarer Wunsch zu einem Zeitpunkt wie diesem. Wir empfehlen es nicht.“

Kleinlaute Töne aus Moskau: „Welche andere Wahl haben wir schon?“

In Russland sorgt derweil das Fehlen von Militärtechnik bei der Parade weiterhin für Aufsehen und öffentliche Diskussionen. In einer Straßenumfrage des unabhängigen Mediums „Sota“ äußerten sich einige Moskauer in dieser Woche ungewohnt spöttisch mit Blick auf die Siegesparade, die als wichtiges Anliegen von Kremlchef Wladimir Putin gilt. 

„Unsere Panzer sind gerade im Einsatz. Wir brauchen sie eher auf dem Schlachtfeld als auf dem Roten Platz“, räumte nun auch der russische Abgeordnete Jewgeni Popow im Gespräch mit der BBC ein. Auf die Frage von BBC-Korrespondent Steve Rosenberg, ob das im fünften Kriegsjahr nicht „peinlich“ sei, reagierte dann auch der Politiker aus den Reihen der Putin-Partei Einiges Russland etwas säuerlich: „Welche andere Wahl haben wir schon?“, lautete Popows Antwort. (mit afp)