Steve Witkoff, Sondergesandter der US‑Regierung für Verhandlungen über Russlands Krieg gegen die Ukraine, hat Kremlchef Wladimir Putin am Mittwoch (21. Oktober) bei einem Treffen mit dem russischen Machthaber in St. Petersburg überschwänglich für die Freilassung des US-Bürgers Stephen Hubbard gelobt.
„Sie sprechen so oft davon, dass mein Präsident, Präsident Trump, ein Menschenfreund ist. Auch Sie sind ein Menschenfreund, Sir, und dafür zolle ich Ihnen meinen Respekt, spreche Ihnen meine Anerkennung aus und danke Ihnen noch einmal“, sagte Witkoff zu Putin, wie aus einem Video der russischen Staatsmedien hervorgeht, das in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurde.
Witkoff nach Gespräch mit Selenskyj in Russland
Witkoff war nach einem Gespräch mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj nach Russland gereist. Es ist der jüngste Versuch der US-Regierung, Moskau und Kyjiw an den Verhandlungstisch zu bringen, nachdem Russland im Jahr 2022 einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen das Nachbarland begonnen hat.
Die russischen Angriffe auf die Ukraine laufen unterdessen ungebrochen weiter. Laut den Vereinten Nationen wurden allein im September bei russischen Attacken 328 ukrainische Zivilisten getötet. Gleichzeitig bombardiert die russische Armee im Vorfeld des Winters gezielt die Energieinfrastruktur im ganzen Land. Gegen Putin wurde zudem bereits 2023 ein Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof wegen der erzwungenen Überführung von ukrainischen Kindern nach Russland erlassen.
Putin bereit für Gespräche mit Ukraine und USA
Nun ist der Kremlchef dem US-Gesandten jedoch offenbar in gewisser Hinsicht entgegengekommen. Putin habe in dem Gespräch mit Witkoff seine grundsätzliche Bereitschaft zur Wiederaufnahme von Gesprächen mit den USA und der Ukraine erklärt, sagte Präsidentenberater Juri Uschakow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.
Als möglichen Zeitpunkt nannte Uschakow „um den 10. November“. Im Mittelpunkt der geplanten Gespräche solle der Aufbau eines „Sicherheitssystems“ für Russland und die Ukraine nach dem Ende des Krieges stehen, hieß es weiter. Witkoff habe erklärt, eine solche Entscheidung werde von Trump „zweifellos mit großer Zufriedenheit aufgenommen“, berichtete Uschakow. Zugleich kündigte Moskau erste Diesellieferungen an die USA an und bestätigte die Freilassung Hubbards.

Kremlchef Wladimir Putin im Gespräch mit Steve Witkoff.
Copyright: Kristina Solovyova/Pool Sputnik
Das Treffen am Mittwoch war die neunte persönliche Begegnung zwischen Witkoff und Putin. Bereits zuvor hatte der Amerikaner bei seinen Aufeinandertreffen mit dem Kremlchef auf blumige Worte gesetzt. Er halte Putin nicht für einen „schlechten Kerl“ und habe eine Freundschaft zum Kremlchef entwickelt, hieß es von Witkoff nach früheren Treffen etwa.
Senator attackiert Witkoff: „Was zur Hölle, Steve?“
Wie bereits in der Vergangenheit, muss Witkoff sich nun auch für die jüngste Lobpreisung Putins scharfe Kritik gefallen lassen. „Was zur Hölle, Steve? Schau mal nach, was ‚humanitär‘ bedeutet. Was für eine peinliche und empörende Äußerung“, schrieb etwa der demokratische Senator Thom Tillis auf der Plattform X.
„Du solltest zurück in die Ukraine fahren und die Familien der Kinder, die Putin entführt und ermordet hat, fragen, ob sie der Meinung sind, dass dein Freund Putin ein ‚Humanist‘ ist“, fügte Tillis hinzu.
Selenskyj zum Einfrieren der Frontlinie bereit
Nahezu zeitgleich zu den Gesprächen in St. Petersburg zeigte sich der ukrainische Staatschef Selenskyj indes in einem Interview mit dem US-Sender Fox News erneut zu Zugeständnissen bereit. Das Einfrieren der Frontlinie bezeichnete Selenskyj etwa als möglichen ersten Schritt für eine Waffenruhe. „Wir müssen sie jetzt einfrieren“, sagte Selenskyj. Dies sei der Weg, „um diesen Krieg zu beenden“ und „das Minimum, was wir heute von Russland erwarten“.
Selenskyj antwortete damit auf die Frage, ob er einen Friedensschluss akzeptieren würde, der die Front an ihren derzeitigen Linien nach der Invasion Russlands einfrieren würde. „Natürlich würden wir uns anschließend an den Präsidenten und an die Europäer wenden und sie um Sicherheitsgarantien bitten“, fügte Selenskyj mit Blick auf Trump und die EU hinzu.
Russland-Experte: „Antwort wird die gleiche sein“
Bei Russland-Experten herrscht angesichts der Entwicklungen jedoch weiterhin Skepsis. „Selenskyj ist erneut zu schmerzhaften Zugeständnissen bereit, um den Krieg zumindest entlang der aktuellen Frontlinie ‚einzufrieren‘“, schrieb etwa der Historiker Matthäus Wehowski auf der Plattform X.
„Die Antwort aus Russland wird jedoch vermutlich die gleiche sein wie immer: kein Waffenstillstand, bis ‚alle Ziele der Spezialoperation erreicht‘ sind“, fügte der Russland-Kenner hinzu.
Zuletzt hatte der Kreml jegliche Friedensbemühung mit dieser Forderung zurückgewiesen und damit Moskaus Anspruch auf große Teile der Ukraine, die vom Kreml ohnehin bereits zu russischem Staatsgebiet erklärt wurden, bekräftigt.
Auch bei den russischen Staatsmedien und den Wortmeldungen bekannter Kreml-Propagandisten finden sich derzeit keine Hinweise auf eine Entspannung – zuletzt forderten TV-Moderatoren wie Wladimir Solowjow im Gegenteil offen eine Eskalation und Angriffe auf Rüstungsfabriken in Europa.

