Ein Reporter der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ löst mit seiner Frage an Wolodymyr Selenskyj scharfe Attacken aus Moskau aus.
Empörung und BeleidigungenMoskau geht wegen Frage von „FAZ“-Reporter auf Deutschland los

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Pressestatement. (Archivbild)
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Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat ihr Bedauern bereits ausgedrückt, dennoch gehen die Verbalattacken aus Moskau weiter: Eine Frage eines „FAZ“-Reporters zum Töten russischer Soldaten an den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat am vergangenen Wochenende für viel Aufsehen gesorgt.
Nun hat sich die „FAZ“ zu dem Vorgang geäußert: Die Frage einer ihrer Reporter sei missverständlich formuliert gewesen, teilte die Pressestelle der Zeitung mit. Dies bedauere man. Es sei nicht die redaktionelle Linie der „FAZ“, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten.
Frage von „FAZ“-Reporter sorgt für Empörung
Der „FAZ“-Korrespondent hatte Selenskyj am Samstag (8. August) bei der Pressekonferenz in Belgrad gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten. Nach Angaben der „FAZ“ bezog sich die Frage auf aktuelle Debatten unter Verteidigungsexperten darüber, wie die russische Armee in personelle Schwierigkeiten gebracht werden könnte, um Russland zu Friedensverhandlungen zu bewegen.

Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa gestikuliert bei einer Pressekonferenz. (Archivbild)
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In Russland hatte die Frage unterdessen schnell für Empörung gesorgt. Das russische Außenministerium reagierte am Sonntagabend mit scharfer Kritik an dem Journalisten. Es bezeichnete ihn unter anderem als „braunen Propagandisten“ und warf ihm vor, Russen zu entmenschlichen und Hass gegen Russland zu legitimieren. Zudem kritisierte das Ministerium, dass die Frage im Westen nicht verurteilt worden sei.
„Das ist inakzeptabel“
Die „FAZ“ verwies ihrerseits auf „Diffamierungen und Drohungen“ gegen ihren Korrespondenten im Kontext der Pressekonferenz. „Das ist inakzeptabel“, hieß es. Zur Pressefreiheit gehöre das Recht, Fragen zu stellen, gerade auf einer Pressekonferenz. „Auf Bedrohungen unserer Mitarbeiter werden wir mit juristischen Mitteln reagieren.“
Die Zeitung betonte zudem, sie trete für das völkerrechtlich garantierte Selbstverteidigungsrecht der Ukraine und für ein möglichst baldiges Ende des russischen Angriffskrieges ein.
Moskau überzieht Deutschland mit Vorwürfen
Das Bedauern der Zeitung über die Frage nach der Tötung russischer Soldaten sorgt in Moskau unterdessen nicht für Beruhigung – am Dienstag folgten weitere Attacken auf den „FAZ“-Korrespondenten und nun auch auf Deutschland im Allgemeinen. Die Frage des Journalisten sei ein „Freudscher Versprecher, der die Träume der derzeitigen deutschen Führung vom ‚Vierten Reich‘ widerspiegelt“, verkündete etwa die russische Botschaft in den USA am Dienstag auf der Plattform X.

Kremlchef Wladimir Putin bleibt laut US-Geheimdiensten auf Eskalationskurs. (Archivbild)
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„Dieses Abenteuer wird genauso enden wie das Hitler-Regime“, hieß es weiter in dem schrillen Beitrag in dem sozialen Netzwerk. Auch von „wahnwitzigen Plänen der Anhänger von Hitler und Goebbels“ war dort die Rede. In Deutschland seien „Kriegstreiber“ an der Macht, hieß es weiter von der Botschaft des Landes, das vor mehr als vier Jahren seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet hat.
Dmitri Medwedew beleidigt Ursula von der Leyen
Auch der Vorsitzende des Ausschusses für Internationale Angelegenheiten der russischen Staatsduma, Leonid Sluzki, fand drastische Worte. „Neonazis erheben den Kopf und propagieren offen Mord und Völkermord, ohne in den europäischen Hauptstädten auf Widerstand zu stoßen“, zitierte RIA den Vorsitzenden der rechtsextremen Partei LDPR und sprach von „Rückfällen zur braunen Pest“, die in Deutschland zur Realität zu werden drohten.
Ohne Bezug auf die Frage an Selenskyj hatte sich unterdessen zu Wochenbeginn auch Ex-Kremlchef Dmitri Medwedew, der seit Kriegsbeginn für wüste Drohungen und vulgäre Äußerungen bekannt ist, zu Wort gemeldet und die deutsche EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als „alte Hexe Ursula“ beleidigt. „Egal, was die verrückte Gynäkologin sagt, Russland wird garantiert gewinnen“, fügte Medwedew hinzu.
Russland: Einzige Anti-Kriegs-Partei von Wahl ausgeschlossen
Bereits vor den jüngsten Verbalattacken auf Deutschland hatten Kremlchef Wladimir Putin und Moskaus Außenminister Sergej Lawrow den russischen Kriegskurs und die Maximalziele des Kremls bekräftigt.
In dieser Woche folgte schließlich der Ausschluss der einzigen Anti-Kriegs-Partei in Russland von den Parlamentswahlen im September. Einem entsprechenden Antrag zum Ausschluss der Jabloko-Partei werde stattgegeben, erklärte der Oberste Gerichtshof in Moskau am Montag.
Auch die US-Geheimdienste sehen Moskau offenbar weiterhin auf Eskalationskurs. Russland könnte „innerhalb weniger Wochen“ ein Nato-Land angreifen, um die Entschlossenheit der Allianz zu testen, warnen die US-Dienste laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ in der vergangenen Woche. Zuletzt war bereits eine russische Rakete in Polen eingeschlagen. Auch nach dem Drohnenvorfall in Leipzig gilt Russland als möglicher Drahtzieher. Moskau hat das zurückgewiesen. (mit dpa/afp)
