Wahre LiebeWie lange sollte man auf das „erste Mal“ warten – etwa bis zur Hochzeit?

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Vielen Eltern bereitet die erste Liebesbeziehung ihrer Kinder Sorgen.

  1. Was gibt es Schöneres und Wichtigeres im Leben als die Liebe? Wie wir sie finden, pflegen und sie uns erhalten; was geschieht, wenn sie vergeht oder wir sie verlieren – darum geht es in unserer PLUS-Kolumne „In Sachen Liebe“.
  2. Im wöchentlichen Wechsel beantworten die erfahrenen Psychologen Damaris Sander und Peter Wehr sowie Urologe Volker Wittkamp und Schauspielerin Annette Frier Ihre Fragen rund ums Liebesleben, Sex, Kindererziehung und alles, was Paaren begegnet.
  3. In dieser Folge beantwortet Damaris Sander die Frage, wie Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, den richtigen Zeitpunkt für erste sexuelle Erfahrungen zu finden.

Köln – Meine Tochter (16) hat ihren ersten festen Freund. Ich mache mir Gedanken, wie das mit dem Sex ist. „Kein Sex vor der Ehe“ kommt mir heutzutage völlig lebensfremd vor. Aber manchmal sehe ich – auch im Fernsehen – junge Leute, die das Motto „wahre Liebe wartet“ propagieren. Ist da was dran? Oder gehören das Lernen und Ausprobieren nicht auch in der Sexualität zum Erwachsenwerden und Erwachsensein? (Stephan, 42)

„Wahre Liebe wartet – was für ein Quatsch!“, ist mein erster, ärgerlicher Gedanke. Wie viele Enttäuschungen nach „dem ersten Mal“ oder nach der Hochzeitsnacht, wie viel Lustfeindlichkeit, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle blieben uns erspart, wenn es nicht diese gleichzeitige Verteufelung und Idealisierung von Sexualität gäbe! Aber dann habe ich einen früheren Chef von mir im Ohr, der philosophisch sagte: „Nichts ist kompletter Unsinn!“, und so mäßige ich mich. Also, tief durchatmen!

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Damaris Sander ist Psychologin.

Wahre Liebe überschreitet keine Grenzen

In der Sexualität kommt in besonderer Weise zum Ausdruck, dass wir Wesen mit Körper, Emotionen und Verstand sind. Die Vorstellung einer „wahren Liebe“ verweist darauf, dass es der Liebe nicht um die rein körperliche Triebbefriedigung geht, die im äußersten Fall den anderen als reines Objekt benutzt beziehungsweise missbraucht, sondern dass sie den anderen in seiner Subjekthaftigkeit anerkennt und eigene Bedürfnisse zurückstellen kann, wenn diese dem anderen schaden würden. Und das ist ja auch das, was Eltern heranwachsender Kinder, häufiger bei Töchtern als bei Söhnen, befürchten, nämlich dass diese noch nicht reif genug sein könnten, um eigene Wünsche und Grenzen wahrzunehmen und gut zu vertreten. Dass sie verletzt werden oder in ungute Abhängigkeiten geraten könnten.

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Möglicherweise betrachten auch Sie die erste Liebesbeziehung Ihrer Tochter mit gemischten Gefühlen. In die Freude, dass sie nun groß wird, mischt sich vielleicht die Sorge, sie könnte schlechte Erfahrungen machen, und auch etwas Traurigkeit oder ein kleines bisschen Eifersucht darüber, nicht mehr der Mann „Nummer 1“ in ihrem Leben zu sein. Das ist normal.

„Wahre Liebe wartet“ – ja, aber nicht unbedingt auf die Hochzeit, sondern zum Beispiel darauf, dass eine körperliche Berührung sich gut und stimmig anfühlt. Wahre Liebe überschreitet weder die Grenzen des anderen noch die eigenen. Und das gelingt erwiesenermaßen besser, wenn es ausprobiert wird. Auch sexuelles Verhalten wird gelernt und entwickelt sich durch Erfahrungen. Die wenigsten Menschen sind nach ihren ersten sexuellen Erfahrungen hellauf begeistert.

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Väter sollten sich nicht scheuen, mit ihren Töchtern über Sex sprechen

Vielleicht können Sie sich vorstellen, mit Ihrer Tochter über Sexualität ins Gespräch zu kommen. Insbesondere Väter scheuen davor zurück, weil sie Sorge haben, als übergriffig wahrgenommen zu werden. Dadurch entsteht leider manchmal der gegenteilige Effekt, nämlich dass Töchter von ihren Vätern in ihrer Weiblichkeit nicht hinreichend gespiegelt werden und sich in der Folge als nicht besonders beachtens- oder begehrenswert fühlen. Also: Nur Mut! Möglicherweise fühlt es sich für Sie stimmig an, Ihrer Tochter zu signalisieren, dass Sie sich über ihre Liebesbeziehung freuen, vielleicht auch, dass sie in Ihren Augen eine großartige junge Frau ist und sich nie gedrängt fühlen sollte, für einen Mann etwas zu tun, was sie nicht möchte.

Wenn Ihre Tochter dann die Augen verdreht und Sie sich sehr alt fühlen, dann wissen Sie: Sie haben alles richtig gemacht!

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