Soziale MedienPosten und Liken fördern doch keine Depression bei Jugendlichen

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Junge Frau spielt mit ihrem Handy. 

Getty Images / Tim Robberts

Posten, liken, kommentieren. Junge Frau spielt mit ihrem Handy.

Soziale Medien sind schlecht für die mentale Gesundheit Jugendlicher, so die gängige Meinung. Doch das muss nicht sein, hat jetzt eine Studie entdeckt.

Es ist eines der häufigsten Streitthemen zwischen Eltern und Jugendlichen – der Handykonsum. Und im Besonderen: Das ständige Abhängen auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, Tiktok und Youtube. Dahinter steckt die Sorge der Eltern, dass das Posten und Liken negative Auswirkungen auf die Kinder haben könnte. Und bisherige psychologische Untersuchungen bestätigten diese Ängste auch eher. Doch nun gibt eine aktuelle Studie aus Norwegen Entwarnung: Häufiges Posten, Liken und Kommentieren habe keinen Einfluss auf die Entwicklung einer Depression oder Angststörung, schreiben die Studienleiter in der Oktober-Ausgabe von „Computers in Human Behavior“. Richtig gelesen: keinen Einfluss. Doch wie kann das sein? Und wie können bisherige Studien sich so geirrt haben?

Was ist das für eine Studie?

Die Studie wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Psychologie-Instituts der Universität Trondheim in Norwegen gemacht. 800 Kinder wurden jeweils im Alter von zehn, zwölf, 14 und 16 Jahren befragt, um so einen Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und mentaler Gesundheit zu untersuchen. Durch die regelmäßigen Befragungen konnten die Forschenden die neuralgische Zeitspanne der Pubertät abdecken.

Wie sind die Ergebnisse?

Ausgangspunkt der Studie war folgender: „Immer mehr junge Menschen leiden an Angststörungen und Depressionen. Gleichzeitig ist die Nutzung sozialer Medien gestiegen. Viele Menschen folgern, dass es da einen Zusammenhang geben muss“, sagte Silje Steinsbekk, Psychologie-Professorin an der Universität Trondheim, der universitätseigenen Plattform „Norwegian SciTech News“. Doch dieser Zusammenhang existiere nicht. Die gesteigerte Nutzung von Instagram, Tiktok oder Snapchat führe nicht zu mehr Symptomen von Angst oder Depression.

Und im Rückschluss gelte auch: Wer eine Angststörung oder Depression entwickelte, hatte nicht seine Social-Media-Gewohnheiten geändert. Die Ergebnisse gelten sowohl, wenn Jugendliche selbst auf ihren Accounts posten, als auch, wenn sie die Posts von anderen liken und kommentieren. Auch zwischen Jungen und Mädchen konnten die Psychologinnen und Psychologen keine Unterschiede feststellen.

Warum unterscheiden sich die Ergebnisse von älteren Studien?

Doch wie kann es sein, dass ältere Studien Hinweise darauf fanden, dass die Nutzung sozialer Medien die mentale Gesundheit negativ beeinflusse, während die aktuelle nichts entdeckte? Die Zusammenhänge in den vorherigen Studien seien meist sehr schwach gewesen, sagte Steinsbekk. Das Problem sei nämlich, erklärt sie, dass der Begriff mentale Gesundheit in Studien oft sehr breit gefasst werde und alles von Selbstwert bis Depression abdecke. „Oft werden die Daten auch nur in Fragebögen erhoben und der Fokus liegt zu sehr auf der Häufigkeit, also der Zeit, die Jugendliche in den sozialen Medien verbringen.“ Ihre Studie hingegen sammelte Daten über einen Zeitraum von acht Jahren und durch Tiefeninterviews. „So konnten wir einen viel detaillierten Blicke auf das ganze Thema werfen.“

Was bedeutet das für den Konsum Jugendlicher?

Bedeutet das also, Jugendliche können so viel Zeit bei Instagram, Tiktok und Youtube verbringen, wie sie wollen – ohne Konsequenzen? Nein, so leicht ist es leider auch nicht. In einer früheren Studie hatten Steinsbekk und ihre Kollegen nämlich bereits festgestellt, dass Mädchen, die die Posts von anderen in den sozialen Medien viel liken und kommentieren, mit der Zeit ein schlechteres Körperbild entwickelten. Diesen Zusammenhang konnten sie bei Jungen hingegen nicht feststellen. In Zukunft wollen die Psychologinnen und Psychologen noch untersuchen, wie unterschiedliche Erfahrungen in den sozialen Medien, etwa Cybermobbing oder Nacktbilder, die Entwicklung Jugendlicher beeinflussen.

Generell weist Steinsbekk in „Norwegian SciTech News“ aber auch auf die positiven Aspekte der sozialen Medien hin. „Sie bieten einen Raum für Gemeinschaft, und erleichtern es, in Kontakt mit Familie und Freunden zu bleiben.“ Und da man von depressiven Jugendlichen wisse, dass diese sich häufig offline aus sozialen Interaktionen zurückzögen, schreiben die Wissenschaftler in „Computers in Human Behavior“ könnten die sozialen Medien gerade für diese Menschen eine Alternative bieten.

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