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Vaterschaftsurlaub erst 2024 Die politischen Prioritäten liegen überall, nur nicht bei den Familien

Ein Baby hat die Hand auf die Schulter des Vaters gelegt.

Väter sind von Anfang an so wichtig für ihre Kinder. Sie sollten mehr Chancen bekommen, auch da sein zu können.

Väter werden nach der Geburt ihres Kindes zwei Wochen freigestellt. Wie schön. Leider erst ab 2024. Wieder einmal stehen Familien hinten an.

Die Einführung des sogenannten Vaterschaftsurlaubs, bei dem Väter nach der Geburt ihres Kindes für zwei Wochen bezahlt von der Arbeit freigestellt werden, wurde ins Jahr 2024 verschoben. Ein Grund dafür sei die aktuell schwierige Lage kleiner und mittelgroßer Unternehmen, so Familienministerin Lisa Paus. Eine enttäuschende Nachricht, nicht nur für jene Paare, die sich gerade auf ihr Baby freuen, sondern für alle Familien. Denn trotz Verständnis für die derzeit angespannten Wirtschaftsverhältnisse – es zeigt sich wieder einmal: Die politischen Prioritäten liegen überall, nur nicht bei den Familien. Ihre Anliegen werden schon wieder hinten angestellt.

Familiäre Anliegen fallen ständig hinten herunter

Eltern kennen dieses Gefühl, vergessen oder verschoben zu werden, zu gut aus den letzten Corona-Jahren, als Schulen, Kitas und Spielplätze sofort geschlossen wurden, während Büros und Fitnessstudios so lange wie möglich offen gehalten wurden. Auch überfüllte Kreißsäle, fehlende Kita- und Schulplätze und marode Schulgebäude zeigen allzu schmerzhaft, an welcher Stelle Familien wirklich rangieren.

Den richtigen Zeitpunkt, um Familien endlich einen zentralen Stellenwert einzuräumen, scheint es in diesem Land einfach niemals zu geben. Stattdessen wird stets davon ausgegangen, dass Eltern sich mit der Betreuung ihrer Kinder irgendwie arrangieren, und zwar vom ersten Tag an. Ihre Überforderung, die in den letzten Jahren massiv zugenommen hat, wird dabei ständig neu in Kauf genommen.

Zwei Wochen Vaterzeit – so wertvoll, aber zu kurz

Statt also jungen Paaren nun endlich die Chance zu geben, in den ersten Wochen nach der Geburt in Ruhe als Familie anzukommen, müssen die erst einmal weiter machen wie zuvor. Konkret bedeutet das: Ein Vater muss Urlaubstage zusammenkratzen, um bei seiner neuen oder gewachsenen Familie zu sein. Als wäre er ein Bittsteller. Dabei ist der Vater für ein Kind genauso wichtig wie die Mutter. Und es geht um nichts Entscheidenderes als um den Beginn der Beziehung zu seinem Baby. Außerdem um das Wohlergehen der Mutter, die nicht sofort alleine mit dem Kind einen Alltag aufnehmen muss, sondern sich länger erholen könnte. Und oft auch um eine Familie mit Geschwistern, die sich neu finden muss. Eine intensive, verletzliche und so wertvolle Zeit.

Wer Kinder hat, weiß natürlich, dass selbst zwei Wochen dafür nicht einmal annähernd genug sind. Hier zeigt sich auch ein traditionelles Rollenbild, das Kinderkriegen der Mutter zuordnet und dem Vater lediglich eine kurze Zeitspanne im Leben des Neugeborenen zugesteht. Dabei sollte Familie von Anfang an die Aufgabe beider Elternteile sein, und zwar sowohl emotional als auch alltagspraktisch. Das zu ändern, also gleichberechtigte Elternschaft und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, ist übrigens auch das eigentliche Ziel dieses Gesetzes zum Vaterschaftsurlaub und der dazugehörigen EU-Richtlinie.

Die viel beschworene Gleichberechtigung im Familienalltag wird sicher nicht allein durch dieses Gesetz erreicht, aber es kann ein sinnvoller Auftakt für weitreichendere Maßnahmen sein, die andere europäische Länder übrigens längst konsequent verfolgen. Hierzulande müssen Familien für ein kleines bisschen Vaterschaftsurlaub bereits dankbar sein – und werden nun sogar noch einmal vertröstet. Familienfreundliche Politik sieht wahrlich anders aus.