Bei Hausarzt Stefan Spieren dokumentiert seit eineinhalb Jahren eine Künstliche Intelligenz die Patientengespräche. Das Ergebnis für ihn: mehr Augenkontakt, mehr Zeit fürs Wesentliche.
KI beim Arzt„Ich kann den Patienten jetzt wieder die volle Behandlungszeit in die Augen blicken“

Stefan Spieren ist Hausarzt südlich von Olpe. Seit eineinhalb Jahren lässt er sich von der KI helfen.
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Die typische Erfahrung der meisten Patienten ist doch: Der Hausarzt steht leicht gebückt am Schreibtisch, blickt auf den Bildschirm, sagt „Hm, hm“ und tippt. Das ist bei mir seit eineinhalb Jahren Vergangenheit. Damals habe ich den australischen KI-Assistenten Heidi angeschafft. Ich kann den Patienten jetzt wieder die volle Behandlungszeit in die Augen blicken, auch wenn ich ihnen zuhöre. Die Dokumentation übernimmt derweil die KI. Das bedeutet aber auch nach dem Patientenkontakt unterm Strich weniger Schreibtischarbeit und mehr Zeit für die eigentliche Behandlung. Ich kann mich zu hundert Prozent auf das konzentrieren, was ich gelernt habe. Im Zweifel kann ich einen Hausbesuch machen, wenn es nötig ist, statt Formulare auszufüllen.
Ein weiterer Vorteil: Ich untersuche quasi mit Ton, weil ich für die Maschine alles ausspreche, was ich mache. Das hilft auch dem Patienten, weil der nebenbei viel mehr Erklärungen über seinen Zustand bekommt und die Praxis viel informierter wieder verlässt. Auch für uns Ärzte entstehen dadurch strukturiertere Informationen, die später medizinisch relevant sein können. Wenn im Gespräch etwa eine Herzerkrankung der Mutter erwähnt wird, bleibt diese Information automatisch dokumentiert und kann bei späteren Symptomen eine Rolle spielen.
Die Unterstützung durch KI wird Abläufe deutlich effizienter machen. Dadurch bleibt mehr Zeit für die eigentliche medizinische Arbeit und für die Patienten, die wirklich Hilfe brauchen. Ersetzen wird uns die KI nicht. Sie ist eher wie ein Werkzeug. Denken Sie an den Hammer. Auch ohne ihn können Sie einen Nagel irgendwie in die Wand klopfen. Aber mit ihm ist dann doch angenehmer.

