Frühlingsgefühle und Freude an frischer Luft können für Allergikerinnen und Allergiker schnell vorbei sein. Was Sie tun können, damit der Heuschnupfen Sie zumindest in Ihrem Zuhause nicht unnötig plagt.
Tipps für AllergikerPollen im eigenen Zuhause vorbeugen

Wer unter einer Pollenallergie leidet, hat zahlreiche Möglichkeiten, die Luftqualität in den eigenen Räumen zu verbessern. RND
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Niesen, Husten und juckende Augen – Heuschnupfensymptome, die Allergikerinnen und Allergiker monatelang begleiten. Da ist das eigene Zuhause besonders während der Pollensaison ein wichtiger Rückzugsort, um das Immunsystem zur Ruhe kommen zu lassen. Umso wichtiger, seine Wohnung oder sein Haus möglichst allergenfrei zu halten.
Pollensaison wird immer länger
In Deutschland leiden mehr als 23 Millionen Menschen unter Allergien, 16 Millionen davon unter einer Pollenallergie. Der Klimawandel verändert die Allergenbelastung scheinbar nachhaltig: Er sorgt für frühere Blütezeiten und eine deutlich verlängerte Pollensaison. Galt früher vor allem der Frühling als Heuschnupfenzeit, zieht sich diese inzwischen oft bis in den Herbst hinein. „Für viele Betroffene gibt es kaum noch beschwerdefreie Monate“, wird Gesundheitsexpertin Charlotte Karlinder in einer Mitteilung des chinesischen Staubsaugroboter-Unternehmens roborock zitiert. „Wir beobachten seit Jahren, dass die Pollensaison nicht nur früher startet, sondern auch deutlich länger anhält“, so Karlinder.
Aus diesem Grund wird es auch immer wichtiger, weg von der reinen Symptombehandlung zu gehen und sich aktiv um die Reduktion von Umwelt-Triggern zu kümmern. Wenn man es schafft, die Allergenlast im eigenen Zuhause konstant niedrig zu halten, entlastet das Atemwege und Immunsystem. Dafür gibt es eine Vielzahl von Ansätzen – von der Anschaffung smarter Technik-Hilfen über das richtige Lüftungsverhalten bis zur passenden Putzroutine.
Staubsauger und Luftreiniger
Viele Heuschnupfengeplagte haben ebenfalls eine Hausstauballergie, daher sind Staub und Pollen, die sich am Boden und auf Möbeln absetzen, generell ein Problem. Denn mit jeder Bewegung werden die kleinen Teilchen immer wieder aufgewirbelt. Da können Staubsauger und Luftreiniger für Abhilfe sorgen.
Besonders wichtig sind in beiden Fällen die Filter, die sich je nach Filterfähigkeit in EPA, HEPA und ULPA unterscheiden. Das gibt Rückschlüsse auf das Rückhaltevermögen, wie viel das Gerät filtert und im Inneren behalten kann – auch als Staubemissionsklasse bekannt. Allergiker und Allergikerinnen sollten hier auf einen HEPA-Filter achten, also mindestens die Klasse H13 (nach EN 1822).
In manchen Produktbeschreibungen sind Filter falsch oder irreführend deklariert – so werden Staubsauger mit einem H11-Filter ebenfalls mit dem inzwischen bekannten HEPA-Prädikat beworben. Also Finger weg von Produkten, die Marketing-Begriffe wie „HEPA-type“ beinhalten.
ULPA-Filter werden meist nur in Laboren oder OPs eingesetzt und sind wegen ihres hohen Preises eher nicht für die private Nutzung geeignet.
Um sich für einen richtigen Staubsauger oder Luftfilter entscheiden zu können, sollte man wissen, welche Filter was bewirken.
- Vorfilter: Meist ein einfaches Vlies oder feines Netz, das groben Schmutz, Haare und Flusen abfängt – schützt den HEPA-Filter und verlängert dessen Lebensdauer.
- Aktivkohlefilter: Filtert Gase und Gerüche – für Allergiker und Allergikerinnen hilfreich, die empfindlich auf chemische Reize reagieren.
- Ionisatoren: Teilchen werden elektrisch aufgeladen, damit sie verklumpen und zu Boden sinken –verhindert herumwirbelnden Staub und Pollen, kann aber Ozon freisetzen, was für Allergikerinnen und Asthmatiker sogar schädlich sein kann, da es die Atemwege reizt.
Auch beim Staubsaugerkauf gilt es, ein paar Dinge zu beachten.
- Die Saugleistung sollte mindestens 7000 Pa betragen, um Allergene auch aus Teppichen und Polstern zu entfernen.
- Setzen Sie möglichst auf Geräte mit geschlossenem Beutelsystem oder automatischer Absaugstation. Beutellose Staubsauger sparen Geld, da sie ohne Beutel auskommen, und können auch einfach mit Wasser gereinigt werden. Jedoch werden beim Ausleeren häufig Staub und Pollen wieder freigesetzt.
- Es sollten einfache Filterwechsel und eine hygienische Wartung möglich sein.
Eine Alternative zu herkömmlichen Staubsaugern sind Geräte mit Wasserfilter. Dabei werden Staub und Pollen im Wasser gebunden und mit dem Schmutzwasser entsorgt, ohne aufgewirbelt zu werden. Besonders wichtig ist eine regelmäßige Reinigung der Wohnräume (Böden am besten täglich), um die Allergenbelastung dauerhaft niedrig zu halten. Wer nicht täglich saugen möchte, kann über die Anschaffung eines Staubsaugerroboters nachdenken.
Um den Luftfilter auf die Raumgröße anzupassen, ist nicht die reine Quadratmeterzahl entscheidend, die das Gerät bedienen kann, sondern der sogenannte CADR-Wert (Clean Air Delivery Rate). Dieser gibt an, wie viele Kubikmeter Luft pro Stunde gereinigt werden können. Geht man von einer Standard-Deckenhöhe von 2,50 Metern aus, hat ein 30 Quadratmeter großer Raum ein Volumen von 75 Kubikmetern. Für Allergiker sollte die Raumluft etwa drei- bis fünfmal pro Stunde durch den Filter laufen können. Für besagten Raum wäre also eine Reinigungsleistung zwischen 225 und 375 Kubikmetern ideal.
Einfacher und günstiger kann es übrigens sein, zwei kleinere Geräte in verschiedenen Räumen aufzustellen statt eines einzigen großen Luftreinigers für die gesamte Wohnung.
Richtig putzen im Allergikerhaushalt
Konstanz beim Putzen ist für Allergiker und Allergikerinnen wichtig. Daher sollten neben Böden besonders die Bereiche regelmäßig gereinigt werden, in denen man sich viel und lange aufhält oder über die neue Pollen in die Wohnung kommen.
- Staubverstecke entlarven: Vergessen Sie nicht die Stellen, an denen sich Staub und Pollen besonders gern ansammeln – unter Möbeln, auf Schränken, auf Türrahmen, an elektronischen Geräten wie Fernseher, Computer oder Stereoanlagen, auf und in Heizkörpern oder auch in Ritzen und auf Sockelleisten.
- Achtung bei Textilien: An Textilien jeder Art haften Staub und Pollen besonders gut. Daher sollten auch Sofas, Teppiche, Vorhänge, Kissen und Plüschtiere regelmäßig gereinigt werden. „Teppiche können bis zu 100-mal mehr Feinstaub und Allergene speichern als glatte Böden“, erklärt Gesundheitsexpertin Karlinder. Auf Hochflorteppiche sollten Allergiker und Allergikerinnen möglichst ganz verzichten, rät sie.
Bettwäsche sollte zu Pollenhochzeiten wöchentlich gewechselt und bei 60 Grad gewaschen werden. Gegen Hausstaubmilben helfen spezielle Encasings, die unter der Bettwäsche über Kissen, Bettdecke und Matratze gezogen werden, und eine regelmäßige Reinigung der Matratze.
- Einfallstore für Allergene identifizieren: Wenn Sie von draußen kommen, tragen Sie natürlich auch Pollen ins Haus. Schuhe und Jacken sollten daher direkt am Eingang ausgezogen, der Eingangsbereich sollte täglich gewischt werden. Auch an Fensterlaibungen können sich Staub und Pollen ansammeln. Daher lohnt es sich auch hier, feucht zu wischen, bevor mit dem Lüften neue Allergene in die Innenräume gepustet werden.
- Das richtige Equipment: Anti-Staub-Tücher ziehen den Staub, anstatt ihn aufzuwirbeln, sind jedoch nicht sehr nachhaltig. Alternativ kann ein Mikrofasertuch genutzt werden oder ein gut ausgewrungener, feuchter Lappen. Das Wasser bindet die Allergene. Ebenfalls hilfreich sind Bodenwischer mit feuchten Mikrofaser-Pads. Bei empfindlichen Personen können Dampfreiniger hilfreich sein, die chemische Reiniger ersetzen.
Kleine Alltagstricks gegen Pollen
Getragene Kleidung sollten Sie nicht im Schlafzimmer ausziehen oder liegen lassen. Hier verbringen wir einen Großteil unserer Zeit und wollen uns beim Schlafen erholen. Übrigens: Auch wenn die Kleidung nicht dreckig ist, werfen Sie sie ruhig öfter für eine Kurzwäsche in die Maschine. Das entfernt auch Pollen.
Viele Waschmaschinen verfügen heutzutage über spezielle Allergie-Waschprogramme, die mit Bezeichnungen wie „Allergie Plus“, „Hygiene“ oder „Allergy Care“ gekennzeichnet sind. Dadurch werden allergieauslösende Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, aber auch Bakterien und Keime besonders gründlich aus der Wäsche entfernt.
Die Wäsche trocknen sollten Sie während der Pollenzeit in Innenräumen. Die feuchten Fasern ziehen Pollen nahezu magnetisch an und bleiben haften. Auch in unseren Haaren können sich Pollen festsetzen. Daher ist es ratsam, die Haare vor dem Schlafengehen zu waschen, damit sich die Pollen nachts nicht auf dem Kopfkissen verteilen. Alternativ können Sie auch eine Schlafhaube aus Seide oder Satin nutzen. Die schont zusätzlich die Haare.
Eine weitere Allergenfalle können Zimmerpflanzen sein. Sie sammeln nicht nur Staub an, in der Blumenerde können sich leicht Schimmelpilze entwickeln. Manche Pflanzen sind generell nicht für Allergikerinnen und Allergiker geeignet, da sie bestehende Heuschnupfenprobleme verschlimmern oder auch Kreuzallergien und Asthma auslösen können. Verzichten Sie auf beliebte Zimmerpflanzen wie Bergpalmen, Chrysanthemen, Orchideen, Gerbera, Jasmin, Gardenien, Efeu, Strahlenaralien und besonders auf Ficus-Arten (wie Birkenfeige oder Gummibaum), die ein besonders hohes Allergenpotenzial aufweisen.
Richtig lüften und Fenster präparieren
Auch zu Pollenhochzeiten müssen und sollten Sie nicht aufs Lüften verzichten. Das ist besonders für Betroffene wichtig, die ebenfalls auf Hausstaub reagieren. Durch regelmäßiges Lüften erhöht sich die Luftfeuchtigkeit im Raum, wodurch Staub besser gebunden werden kann. Ein Blick auf Tageszeit, Wetter und Pollenflugvorhersage kann dabei helfen. Denn in der Stadt und auf dem Land ist die Pollenflugdichte zu unterschiedlichen Zeiten auf dem Höhepunkt. Lüften Sie daher je nach Wohnort wie folgt:
- In der Stadt: morgens zwischen 6 und 8 Uhr
- Auf dem Land: abends zwischen 19 und 24 Uhr
Besonders sinnvoll ist es, etwa 20 bis 30 Minuten nach einem Schauer zu lüften, da der Regen die Pollen für kurze Zeit aus der Luft wäscht.
Ähnlich wie Fliegenschutzgitter gibt es auch Pollenfiltervlies (einfache Befestigung mit Klett) oder Pollenschutzgitter (im Rahmen, Montage erforderlich), die vor Fenstern und Balkon- oder Terrassentüren angebracht werden können. Der Hauptunterschied liegt in der Gewebedichte. Die Maschen von Pollengittern sind rund 30- bis 50-mal engmaschiger als die von Fliegenschutzgittern und können so bis zu 90 Prozent der Pollen blocken. Kleiner Nachteil: Durch die engen Maschen lassen Pollengitter weniger Luft und Licht durch und müssen häufiger gereinigt werden, da sie die Pollen auffangen.
Achten Sie beim Kauf möglichst auf das sogenannte ECARF-Siegel (European Centre for Allergy Research Foundation). Mit diesem Siegel werden Produkte gekennzeichnet, die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien geprüft und als allergikerfreundlich eingestuft wurden.
Luftbefeuchter können grundsätzlich für Allergikerinnen und Allergiker sinnvoll sein. Pollen und Staub werden durch Feuchtigkeit gebunden und sinken zu Boden. Besonders ratsam ist es jedoch im Winter während der Heizperiode, um die Schleimhäute zu befeuchten und eine Reizung der Atemwege zu vermeiden. Wichtig zu jeder Jahreszeit ist eine gründliche Reinigung, um Schimmelbildung zu vermeiden, die Allergien noch verschlimmern kann.
Ideal ist in Wohnräumen eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent, im Schlafzimmer zwischen 40 und 50 Prozent, das bremst das Milbenwachstum. Hilfreich kann die Anschaffung eines Hygrometers sein, um die Luftfeuchtigkeit zu messen und zu sehen, ob der Einsatz eines Luftbefeuchters überhaupt sinnvoll ist.
Anschaffungskosten im Überblick
Gerade bei elektronischen Geräten gibt es eine große Bandbreite an Produkten in unterschiedlichen Qualitäts- und Preisklassen. Wir haben uns bei dieser Preisübersicht auf geprüfte Produkte mit anerkannten Qualitätssiegeln wie ECARF-Siegel oder TÜV-Zertifikat fokussiert.
Andere Geräte, ohne anerkannte Zertifikate oder Siegel, können durchaus 50 bis 60 Prozent günstiger sein. Wenn Sie sich für ein solches Produkt entscheiden, achten Sie vor allem bei Staubsaugern und Luftfiltern auf die Verarbeitung. Oft entweichen Allergene trotz guter Filter, da Gehäuse nicht passig abschließen oder es etwa Luftdurchlässe beim Staubsaugerrohr gibt.
