Der österreichische Film- und Theaterschauspieler Nicholas Ofczarek hat gegenüber dem österreichischen Magazin „Fleisch“ seine Multiple-Sklerose-Erkrankung öffentlich gemacht. Mit seiner Offenheit möchte er anderen Betroffenen Mut machen. Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Leben der Betroffenen auf unterschiedliche Weise beeinflussen kann.
Die Diagnose wirft oft viele Fragen auf: Welche Symptome können auftreten? Wie verläuft die Krankheit? Und wie lässt sich der Alltag mit MS gestalten? Ein Überblick über Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und das Leben mit der Erkrankung.
Was ist Multiple Sklerose?
Bei Multipler Sklerose greift das Immunsystem fälschlicherweise Strukturen des eigenen zentralen Nervensystems an. Dazu gehören Gehirn und Rückenmark. Dabei wird die Myelinschicht geschädigt, die normalerweise die Nervenfasern umhüllt und die Weiterleitung elektrischer Signale unterstützt. Dadurch können Nervenimpulse gestört werden.
Warum MS entsteht, ist bislang nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Üblicherweise werden genetische Veranlagung, Umweltfaktoren (zum Beispiel Vitamin-D-Mangel, Rauchen) und das Epstein-Barr-Virus als mögliche Ursachen genannt. Die Krankheit ist nicht ansteckend und kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
Welche Symptome treten bei Multipler Sklerose auf?
Die Beschwerden hängen davon ab, welche Bereiche des Nervensystems betroffen sind. Zu den möglichen Symptomen zählen:
- Sehstörungen, beispielsweise verschwommenes Sehen oder Schmerzen bei Augenbewegungen
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder andere Missempfindungen
- Muskelschwäche, Spastiken und Schwierigkeiten beim Gehen
- Ausgeprägte Erschöpfung, auch Fatigue genannt
- Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme
- Blasen- oder Darmfunktionsstörungen
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
Nicht alle Symptome treten bei jedem Menschen auf. Auch ihre Intensität kann sich im Laufe der Zeit verändern.
Wie verläuft Multiple Sklerose?
MS wird häufig als Krankheit mit tausend Gesichtern bezeichnet, weil Verlauf und Beschwerden individuell sehr verschieden sind. Bei vielen Betroffenen beginnt die Erkrankung schubförmig: Neue Symptome treten auf oder bestehende Beschwerden verschlechtern sich deutlich. Anschließend können sie sich teilweise oder vollständig zurückbilden.
Bei anderen entwickelt sich die Erkrankung zunehmend fortschreitend. Auch schubförmige Verläufe können im Laufe der Zeit in eine Phase übergehen, in der Einschränkungen unabhängig von Schüben zunehmen. Wie sich MS langfristig entwickelt, lässt sich im Einzelfall nicht zuverlässig vorhersagen.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Multipler Sklerose?
Auch wenn MS bislang nicht heilbar ist, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Ziel ist es, Schübe zu behandeln, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Beschwerden zu lindern.
Die Therapie umfasst drei Bereiche:
- Schubtherapie: Bei akuten Schüben kann hoch dosiertes Kortison helfen, die Entzündung einzudämmen und die Erholung zu beschleunigen.
- Verlaufsmodifizierende Therapie: Medikamente können die Krankheitsaktivität reduzieren und das Risiko weiterer Schübe senken. Welches Präparat infrage kommt, hängt unter anderem vom individuellen Verlauf ab.
- Symptomatische Therapie: Physiotherapie, Ergotherapie und Medikamente können helfen, Beschwerden wie Muskelkrämpfe, Bewegungsprobleme oder Blasenstörungen zu behandeln.
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, wird gemeinsam mit der behandelnden Neurologin oder dem behandelnden Neurologen entschieden. Auch Rehabilitationsangebote können eine wichtige Rolle spielen.
Wie lässt sich der Alltag mit Multipler Sklerose gestalten?
Eine MS-Diagnose bedeutet nicht automatisch, dass Betroffene ihr gewohntes Leben aufgeben müssen. Viele Menschen können weiterhin arbeiten, Hobbys nachgehen und ihre Freizeit aktiv gestalten. Entscheidend ist, die eigenen Bedürfnisse und Belastungsgrenzen ernst zu nehmen.
Auch Nicholas Ofczarek steht weiterhin auf der Bühne. Für ihn ist die MS-Diagnose nicht das Ende des Lebens, auch wenn es für ihn schon einmal schwierig wird, über die Stufen der Stiege überhaupt auf die Bühne zu gelangen.
Regelmäßige Bewegung im Rahmen der individuellen Möglichkeiten, ausreichend Erholung und eine ausgewogene Ernährung können das allgemeine Wohlbefinden unterstützen. Gerade bei Fatigue kann es hilfreich sein, den Tag gut zu planen und Pausen bewusst einzuplanen.
Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, etwa in Selbsthilfegruppen, kann entlasten. Angehörige, Beratungsstellen und medizinische Fachkräfte bieten zusätzliche Unterstützung.
Multiple Sklerose verläuft bei jedem Menschen anders. Eine frühzeitige Diagnose, individuell abgestimmte Therapien und regelmäßige ärztliche Kontrollen können helfen, die Erkrankung bestmöglich zu behandeln und die Lebensqualität zu erhalten. (tsch)

