Alles wird teurer9 Tipps, wie Sie weniger Geld im Supermarkt ausgeben

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Wer weiß wie, kann beim Einkaufen richtig viel Geld sparen.

Köln/Düsseldorf/Berlin – Nicht nur an der Tankstelle und beim Heizen, auch im Supermarkt bekommen Verbraucher aktuell die ungewöhnlich hohe Inflation und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges zu spüren. Das ist besonders tückisch, weil jeder Lebensmittel einkaufen muss.

Wir haben deshalb ein paar Tricks gesammelt, wie sich im Supermarkt Geld sparen lässt und mit Hinweisen von Verbraucherschützern zusammengestellt. Sie erklären, wie wir zum Geld ausgeben animiert werden sollen und verraten, wo die echten Schnäppchen zu finden sind.

Einkaufszettel: Woche planen, Spontankäufe vermeiden

Nach der Arbeit noch schnell in den Supermarkt zu springen und planlos Dinge in den Korb zu werfen, ist bekanntlich keine gute Idee. Ein erschöpfter, hungriger Kunde ist Tricks der Supermärkte wie Quengelware, Duft-Marketing oder appetitlicher Ausleuchtung hilflos ausgeliefert, es landen Dinge auf dem Band, die er eigentlich nicht kaufen wollte. Daher gilt: Nie mit leerem Magen einkaufen gehen – und nie ohne Einkaufszettel. Wer sich dran hält und wirklich nur kauft, was auf dem Zettel steht, vermeidet teure und unnötige Spontankäufe.

Am besten im Blick behält man seine Ausgaben, wenn man regelmäßig für die ganze Woche einkauft, die Beträge lassen sich so direkt vergleichen. Wer außerdem Mahlzeiten für die Woche plant und danach seinen Einkaufszettel schreibt, spart sich unnötige Ausgaben, hat immer genug da und muss nichts wegwerfen. Wer nicht plant, kaufe laut Verbraucherzentrale in der Regel mehr ein als nötig. Bei der Essenplanung sollte man besonders saisonales Obst und Gemüse sowie Angebote in den Fokus nehmen und auch die Resteverwertung im Blick behalten.

Basics, Hausmittel: Teure Produkte ersetzen

Es klingt so banal, doch wer hält sich schon daran? Nur kaufen, was man wirklich braucht – „das ist die wichtigste Regel“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW. Will ich das nur kaufen, weil es im Angebot ist? Macht die günstige Familienpackung Sinn für eine Person? Einsparen lassen sich nicht nur sämtliche Spontankäufe. Manche Lebensmittel sind fast immer unnötig; sie machen es uns nur bequemer. Dazu gehören Dinge wie Strohhalme, Küchenrolle oder Frischhaltefolie. Bei Putzmittel, Haarpflege oder Cremes lässt sich sparen, wenn man auf Spezialprodukte verzichtet. Putzmittel lassen sich zudem mit alten Hausmitteln wie Natron, Essig und Zitronensäure ersetzen.

Geschmackssache: Dinge wie Fleisch oder Alkohol gehören für viele Menschen zum Einkauf dazu und sind vergleichsweise teuer. Wenn man ein wenig reduziert, lässt sich auch hier viel sparen.

No Name statt Marken: Mit Eigenmarken Geld sparen

Produkttests zeigen regelmäßig: Bekannte Markenartikel sind nicht automatisch besser als günstige Alternativen. Das bestätigt Stiftung Warentest, die 72 ihrer Tests aus den Jahren 2012 bis 2018 ausgewertet hat: Das Ergebnis: Die Hausmarken von Aldi, Edeka und Co. waren im Schnitt qualitativ gleichwertig. Bei Margarine, Spaghetti oder Mozzarella schnitten sie sogar besser ab. Dafür lagen die Marken bei Salami, Grillsaucen oder TK-Nudelpfannen vorn.

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Dabei sind Eigenmarken deutlich günstiger: Ein Warenkorb-Vergleich ergab, dass man 45 Prozent sparen kann, wenn man Handelsmarken kauft. Das sind zum Beispiel ja!, Gut & Günstig oder Tip. Die Eigenmarken von Aldi, Lidl, Rewe und Edeka schnitten alle etwa gleich gut ab. Ob man im Discounter oder im Supermarkt einkauft, spielt bei der Qualität also keine Rolle.

Immer wieder machen Verbraucherschützer außerdem darauf aufmerksam, dass hinter vergleichbaren Produkten im Zweifel derselbe Hersteller steckt. So auch Tryba: „Es gibt durchaus Eigenmarken, die von demselben Hersteller produziert werden wie vergleichbare Markenartikel.“

Haltbarkeitsdatum: Echte Schnäppchen finden

Zeitungsbeilagen und Werbung locken mit Sonderangeboten, aber sind das wirkliche Schnäppchen? „Wir haben in einer großen Untersuchung vor ein paar Jahren 400 Markenartikel über mehrere Monate beobachtet“, berichtet Tryba. Die Sonderangebote kehrten nach wenigen Wochen zum selben Preis wieder. Außerdem seien sie auch bei der Konkurrenz aufgetaucht, „und zwar zum identischen Preis.“ Der Rabatt ist also nicht unbedingt ein Rabatt, sondern der Normalpreis eher als Aufpreis zu verstehen. „Viele Menschen machen sich das nicht bewusst und freuen sich nur, dass sie ein Schnäppchen gemacht haben“, so Tryba.

Auch vor Sonderposten im Supermarkt warnt der Verbraucherschutz-Experte. Zwar wirken die herausgestellten Produkte wie ein Sonderangebot, das ist aber oft nicht der Fall. Auch hier gilt: Preise vergleichen.

Echte Schnäppchen seien dagegen in Verbindung mit bald ablaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum zu finden. Die Betonung liegt auf „Mindest“: Die Produkte sind meist noch deutlich länger gut, als das Datum angebe. Lebensmittel, die noch verbraucht werden könnten, würden zu oft weggeworfen – auch, weil diese Angabe falsch verstanden werde. „Die Menschen sehen das als Ablaufdatum, was es nicht ist“, so Tryba.

Grundpreis: Preis je 100 Gramm vergleichen

Hier gilt die oberste Regel: Grundpreise vergleichen. Das ist der Preis je Gewicht, etwa pro 100 Gramm. „Eine wichtige und vorgeschriebene Angabe“, urteilt Tryba. Denn in den vergangenen Jahren hätten Hersteller „die Tendenz, Packungsgrößen zu ändern“ und von gelernten Standards abzuweichen. Die Tafel Schokolade habe nur noch 90 Gramm, das Glas Joghurt 330 Gramm – der Grundpreis steigt also unbemerkt.

Auch bei portionierten Größen hilft der Grundpreis, Artikel zu vergleichen: Joghurt im größeren Glas ist insgesamt günstiger als die gleiche Menge in vielen kleinen Plastikbechern zu kaufen. Abgesehen davon, dass sie mehr Müll verursachen. Quetschies, Fruchtzwerge, Caprisonne: Vor allem bei Produkten für Kinder ist die Masche beliebt. Der Tipp der Verbraucherzentrale: Größere Verpackungen haben meist einen günstigeren Grundpreis. Konsumenten sparen aber nur dann, wenn sie das jeweilige Produkt auch vor dem Verderb verzehren können.

Haferflocken, Nudeln: Günstige Sattmacher auf Vorrat kaufen

Die US-Amerikanerin Anna Newell Jones hat umgerechnet 16.000 Euro in einem Jahr eingespart – und das nur, indem sie ein paar neue Regeln beim Einkaufen eingeführt hat. Sie setzt zum Beispiel auf günstige und möglichst haltbare Lebensmittel, die lange satt machen. Und die man vielfältig zubereiten kann: Insbesondere Haferflocken, aber auch Nudeln, Reis oder Brot sollte man immer genug auf Vorrat haben, rät sie. Brot lässt sich in Scheiben gut einfrieren. Auch gut geeignet für den Vorrat sind zum Beispiel Linsen, Getreidesorten wie Hirse oder Couscous, Marmelade, Nüsse, Mehl oder Gemüsekonserven. Wäre das ständig im Haus, komme man nicht so schnell in Versuchung, doch mal zum Imbiss zu gehen oder etwas zu bestellen.

Bei der Wahl der Gerichte hält es die Amerikanerin simpel: Sie verzichtet auf ungewöhnliche Zutaten, Kräuter und Gewürze, die sie danach „nie wieder“ braucht. Einfache Gerichte könne man mit guten Rezepten neu entdecken. Sie achtet darauf, regional und saisonal einzukaufen, denn das sei oft auch deutlich günstiger. Sie verzichtet auf Fertigprodukte und kauft lieber die Zutaten, um selbst zu kochen. Dabei achtet sie auf lange Haltbarkeit, bei Obst und Gemüse auf Frische, um nichts wegwerfen zu müssen.

Zeit aufbringen: Selbst kochen, Produkte vergleichen

Wie so oft kann man Geld sparen, wenn man mehr Zeit investiert und sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt. Dazu gehört es zum Beispiel, Produkte und Preise zu vergleichen, „am besten über unabhängige Tests der Stiftung Warentest“, rät Tryba. Auch selbst zu kochen statt auf Fertiggerichte zurückzugreifen, erfordert Zeit, kann aber deutlich günstiger sein. Vor allem, sobald man für mehrere Personen kocht. Singlehaushalte sparen, wenn sie größere Mengen kochen und portionsweise einfrieren, rät Newell Jones.

Leitungswasser statt Mineralwasser trinken

Auch bei den Getränken lässt sich bares Geld sparen: Wer anstelle von Mineralwasser aus dem Supermarkt Leitungswasser aus dem heimischen Hahn trinkt, fährt günstiger. Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat errechnet, dass eine vierköpfige Familie mit dem Umstieg etwa 230 Euro pro Jahr sparen kann. Das gelte für ein preiswertes Mineralwasser. Wer hingegen eher zum hochwertigen Wasser oder zu Limonaden greift, könne sogar noch mehr sparen.

Unterwegs essen vermeiden

Wer sich Essen und Getränke unterwegs besorgt, legt drauf. Besser sei es laut Verbraucherzentrale, Heißgetränke im Thermobecher sowie selbst gemachtes Essen von zu Hause mitzunehmen. Das schone Geldbeutel und Umwelt.

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