Halten die wirklich dicht?Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Periodenunterwäsche

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Periodenslips machen für viele Frauen die Menstruation angenehmer.

Köln – Während es vor einigen Jahren fast nur Tampons und Binden für die monatliche Periode der Frau gab, ist seit einiger Zeit Menstruationsunterwäsche eine Alternative. Welche Vorteile haben diese Periodenslips? Wie funktionieren sie? Und worauf sollte man beim Kauf achten? Ein Überblick.

Wie funktioniert Periodenunterwäsche?

Menstruationsunterwäsche tragen Frauen genauso wie ihre alltägliche Unterwäsche. Besonders an den Slips sind mehrere Lagen Funktionsstoff im Schritt. Diese Stoffschichten sorgen für den Schutz während der Periode. Bei der Unterwäsche von Ooia, einem Start-Up für Menstruationsunterwäsche, ist es zum Beispiel ein integriertes Membransystem aus drei Lagen. Bei den Periodenslips des Berliner Unternehmens Kora Mikino sind es zwei Lagen. Diese Marke verkauft und trägt etwa Diane-Sophie Durigon, Inhaberin des Dessous-Ladens Le Pop Lingerie in Köln-Ehrenfeld.

Nach dem Tragen wäscht man den Slip mit kaltem Wasser aus. Viele Periodenslips können mittlerweile auch in der Waschmaschine gewaschen werden. Je nach Marke und Modell mit Wollwaschmittel und bei Temperaturen bis 40 Grad, andere auch mit bis zu 60 Grad. 

Fühlt sich die Menstruationsunterwäsche nach der Blutung feucht an?

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Diane-Sophie Durigon trägt selbst die Periodenunterwäsche von Kora Mikino.

Ob sich die Menstruationsslips feucht anfühlen, hängt von dem Stoff ab, den der Hersteller verwendet. Idealerweise besteht er aus einem Material, dass die Feuchtigkeit wie ein Schwamm aufsaugen kann. „Der sogenannte Dry-Layer absorbiert das Blut sehr schnell“, sagt Diane-Sophie Durigon. „Zudem sorgt diese Lage auch dafür, dass man weniger schwitzt, zum Beispiel beim Sport oder an sehr heißen Tagen.“

Bilden sich bei längerem Tragen der Wäsche Bakterien und Keime?

Auch hier kommt es darauf an, welche Stoffe verwendet werden. Einige Hersteller, wie die Marke Ooia, setzen auf  bakterienhemmendes Silberchlorid. Der Wirkstoff ist allerdings umstritten (mehr dazu weiter unten im Text). Deshalb produziert Kora Mikino seit Herbst 2020 komplett ohne Silber. Die Marke nutzt ein Material aus Micro-Modal auf Buchenholz-Basis mit recyceltem Polyester. Egal, woraus die Periodenwäsche besteht, nach zehn bis zwölf Stunden sollten Sie den Slip aus hygienischen Gründen wechseln.

Kann beim Tragen ein unangenehmer Geruch entstehen? 

Nein, der bakterienhemmende Wirkstoff in der Wäsche hemmt die Ausbreitung von Bakterien und Keimen, die den Geruch verursachen würden. 

Kann mit der Menstruationsunterwäsche wirklich nichts auslaufen?

Das sollte nicht passieren, denn die äußerste Schicht in der Unterwäsche ist in der Regel eine, durch die keine Flüssigkeit fließen kann. Wer sich dennoch unsicher ist oder glaubt, dass seine Tage sehr stark sind, kann auch kombinieren. „Rund die Hälfte unserer Kundinnen nutzt die Unterwäsche zusätzlich zu Tampons oder Menstruationstassen, da diese Frauen Angst haben, dass das Blut trotz Tampon in die Unterwäsche läuft. Mit der Unterwäsche haben die Frauen ein gutes Gefühl und wissen, selbst wenn das Tampon voll ist, sind sie im Geschäftsmeeting oder auf dem Festival durch die Unterwäsche weiterhin geschützt“, sagt Kristine Zeller, Co-Gründerin von Ooia.

Fühlt man sich mit Periodenwäsche, als würde man eine Windel tragen?

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Periodenunterwäsche muss heutzutage nicht mehr schwarz und einfach sein. Es gibt sie in verschiedenen Farben und Modellen.

„Für mich fühlen sich Periodenslips nicht wie Windeln an und sie sehen auch definitiv nicht so aus. Ich trage sogar Leggings wenn ich menstruiere und fühle mich sehr wohl“, sagt Wäsche-Expertin Diane-Sophie Durigon. Zudem haben die meisten Periodenunterwäsche-Hersteller den Anspruch, schöne Unterwäsche zu produzieren, zum Beispiel mit Spitze. 

Was sind die Vorteile von Periodenunterwäsche?

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Kristine Zeller ist Co-Gründerin von Ooia und hat Textilbetriebswirtschaft studiert.

Ein wichtiger Grund ist die Nachhaltigkeit. Rund 12.000 Tampons verbraucht eine Frau im Durchschnitt in ihrem Leben, diese landen danach im Müll. Auch Binden schmeißt man nach der Benutzung weg.

Für Diane-Sophie Durigon ist der größte Vorteil die Bequemlichkeit: „Man muss zwischendurch nichts wechseln und auch nichts mitnehmen“, sagt die gebürtige Französin. Andere Produkte seien für viele Frauen unangenehm beim Tragen oder beim Einführen. Binden zum Beispiel sind eher unflexibel und passen sich dem Körper schlecht an, manchmal kratzen sie auch beim Tragen, vor allem weil sie oftmals viel zu groß für die heutzutage kleinen Slips sind. Tampons und Menstruationstassen können Schmerzen beim Einführen auslösen und sitzen oft auch einfach schief.

Welche Nachteile hat Periodenunterwäsche?

In Online-Bewertungen erzielen viele Marken für Periodenunterwäsche eine hohe Zufriedenheit bei ihren Kundinnen. Dennoch gibt es auch immer wieder Frauen mit negativen Erfahrungen. Die meisten dieser Kundinnen berichten davon, dass das Blut an den Slips vorbeigelaufen sei. Als Gründe nennen sie häufig eine falsche Passform oder auch die Saugfähigkeit der Slips. 

Diane-Sophie Durigon sieht zudem den Einsatz von Silber für die antibakterielle Wirkung kritisch, mit der nicht nur die teuren Marken werben, sondern auch viele günstige Anbieter. 

Warum ist der Einsatz von Bioziden wie Silber umstritten?

Damit sich Bakterien in dem feucht-warmen Klima von Periodenunterwäsche nicht so schnell vermehren, setzen einige Unternehmen Biozide ein. „Bei den ausgerüsteten Textilien gibt es eine Handvoll Wirkstoffe, die man einsetzen kann, zum Beispiel Silber. Das ist tatsächlich nicht ganz unkritisch, da Silber ein Schwermetall ist. Wenn man die Textilien wäscht, gelangt das Silber ins Abwasser“, sagt Prof. Dr. Dirk Bockmühl, Mikrobiologe und Mitglied der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Allerdings richte es in diesen geringen Mengen in der Regel keinen Schaden an.

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Dirk Bockmühl fragt sich, ob die biozide Ausrüstung hält, was sie verspricht.

Kritischer äußert sich der Mikrobiologe zu der antibakteriellen Wirkung. Die Slips werden über Stunden getragen, dadurch haben die Bakterien Zeit sich anzupassen. „Es ist fraglich, ob es die biozide Ausrüstung schafft, unter diesen Bedingungen ausreichend zu wirken.“ Für Bockmühl ist das das größte Problem. Eigentlich brauche man ein bleichehaltiges Vollwaschmittel bei einer Temperatur von mindestens 40 Grad, um alle Bakterien abzutöten. Weil die Slips das nicht vertragen, bilden sich möglicherweise schlechte Gerüche. Die Hautflora würden Biozide im Textil aber nicht beeinflussen, dies zeige eine Studie der Hohensteiner Institute, sagt der Mikrobiologe.

Was kostet Periodenunterwäsche?

Menstruationsslips gibt es mittlerweile in verschiedenen Preisklassen von unterschiedlichen Anbietern. In Drogeriemärkten gibt es sie bereits ab zehn Euro, bei den genannten Marken liegt der Preis bei 34 bis 45 Euro. „Bei solchen Preisen muss man natürlich erst einmal schlucken“, sagt Durigon. Sie selbst hat 2019 angefangen Periodenwäsche zu tragen und viele Marken ausprobiert. „Man merkt die qualitativen Unterschiede. Naturprodukte sind angenehmer als zum Beispiel Polyester. Auch wie und wo produziert wird, entscheidet am Ende über den Preis.

Trotzdem sind Periodenslips nicht teurer als andere Produkte. Einen Slip kann man etwa zwei bis drei Jahre lang während der Periode verwenden, dann ist der bakterienhemmende Schutz ausgewaschen. „Wenn man dann rechnet, wieviel Geld man in der Zeit für Tampons, Binden oder auch ein, zwei neue Slips ausgegeben hätte, kommt man bei den gleichen Kosten raus“, sagt Zeller. Zudem könne man die Slips einfach als normale Unterwäsche weiterverwenden. 

Welche Altersgruppen können die Periodenunterwäsche nutzen?

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Die Gründerinnen von Ooia wollen, dass sich jede Frau in einem Menstruationsslip wohlfühlt.

„Periodenunterwäschen können natürlich alle Menschen nutzen, die menstruieren. Dazu zähle ich nicht nur Frauen, sondern auch Transsexuelle“, sagt Diane-Sophie Durigon. „Ich denke aber auch an Teenager, es ist so easy den Slip morgens einfach anzuziehen. Ich glaube wir hatten alle früher die Situation in der Schule, in der wir plötzlich einen großen Blutfleck in der Hose hatten“, sagt die 39-Jährge weiter. 

Worauf sollte ich beim Kauf einer Periodenunterwäsche achten?

Beim Kauf einer oder mehrere Menstruationsslips gibt es einige wenige, aber wichtige, Punkte, auf die Sie achten sollten.

• Informieren Sie sich über die Stoffe, die der Hersteller verwendet. Sie sollten schnell Feuchtigkeit aufnehmen, antibakteriell und auslaufsicher sowie hautverträglich sein. Im besten Fall ist die Periodenunterwäsche von vertrauensvollen Instituten zertifiziert worden.

• Achten Sie auf die Größe. Viele Hersteller bieten Online eine Größentabelle an, an die Sie sich im besten Fall halten. Häufig hilft aber nur Durchprobieren, denn auch Periodenslips fallen, so wie viele andere Produkte auch, häufig unterschiedlich aus. Der Slip sollte nicht zu groß sein, denn dann besteht die Gefahr, dass das Blut, trotz guter Stoffe, ausläuft.

• Kaufen Sie Slips je nach Stärke Ihrer Blutung. Viele Anbieter geben in der Beschreibung an, wie viele normale Tampons der Menstruationsslip fassen kann. Diese reichen von einem Tampon für sehr leichte Tage bis hin zu fünf Tampons für sehr starke Tage.

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