Ein gestohlenes Rad kann finanziell richtig wehtun. Eine Radversicherung kann sich lohnen – vor allem, wenn man sich nach einem Diebstahl richtig verhält.
RadversicherungDamit zum emotionalen Schmerz nicht noch der finanzielle hinzukommt

Ganzes Fahrrad weg oder zumindest Teile? Eine Versicherung kann den finanziellen Verlust abfedern.
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Seit Jahren fährt Matti Wermter jeden Morgen mit seinem Fahrrad zur Kölner Universität. Nicht immer kam er auf diesem Wege auch zurück. Zweimal durchkreuzten Diebe seinen Plan und klauten sowohl sein Holland-Rad im Wert von 670 Euro und sein neues Trecking Rad im Wert von 400 Euro. Wermter ärgerte beide Male über den Verlust der Mobilität im Alltag, das finanzielle Minus immerhin konnte Wermter zumindest zum Teil abfedern – weil er die Räder versichert hatte.
Statistisch gesehen werden in Köln jeden Tag fast 22 Fahrräder gestohlen – 8000 Delikte zählte die Polizei im Jahr 2024. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Dazu kommt: Räder sind in den vergangenen Jahren deutlich im Preis gestiegen. Eine Versicherung erscheint da vielen als rentabel.
Hausrat oder Sonderversicherung?
Es gibt es zwei Möglichkeiten sein Fahrrad zu versichern: Über die Hausratversicherung oder über eine eigene Sonderversicherung. Die Hausratsversicherung schützt das Rad vor Diebstahl, greift aber nur, wenn das Gefährt entweder eingeschlossen oder im Gebrauch angeschlossen war. Außerdem darf das Fahrrad meistens nur zehn Prozent der gesamten Versicherungssumme ausmachen. Wer also insgesamt Gegenstände im Wert von 10.000 Euro versichert, kann darunter auch ein Fahrrad von 1000 Euro absichern. Wichtig ist, das Rad beim Versicherer zu melden.
Bei einer Sonderversicherung können zusätzlich noch andere Schutzmaßnahmen hinzugebucht werden. Neben einem Verschleißschutz und der Übernahme von Reparaturkosten wird je nach Anbieter und gewähltem Tarif auch ein Pannenservice plus Abholung angeboten.
Wer über den Abschluss einer Versicherung nachdenkt, sollte sich erstmal klarmachen, wie weit der Schutz gehen soll und welches Budget zur Verfügung steht, rät Elke Weidenbach, Referentin für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale NRW. „Fahre ich mit dem Fahrrad in den Urlaub oder nutze ich es nur einmal pro Woche und stelle es danach in den Schuppen?“ Sind diese Fragen geklärt, rät sie, sich fürs Erste ein Angebot der Hausratsversicherung einzuholen. Nur falls das dann nicht ausreichend erscheint, sollte man sich nach einer eigenen Versicherung umsehen.
Weidenbach empfiehlt den kostenlosen Rechner der Stiftung Warentest zu nutzen. Je nach Radpreis gibt dieser an, wie hoch die jährlichen Versicherungsgebühren sein dürfen, damit sich ein Abschluss lohnt. Ein Beispiel: Bei einem Rad im Wert von 4.000 Euro wären das 31,07 Euro im Jahr. Im Falle des Studenten Matti Wermter waren die Räder für eine eigene Versicherung zu günstig, weshalb er sie über die Hausratversicherung mitversichert hat.
Da es bei Radrennen zu vielen Stürzen kommt, schließen viele Versicherungen die Verantwortung in diesem Zusammenhang aus. Wer also bei „Rund um Köln“ mit seinem Karbon-Rad stürzt, muss den Schaden selbst zahlen. Während einer Radtour oder während des Trainings gilt der Schutz.
Will man mit seinem Fahrrad zu einem Urlaub außerhalb der EU aufbrechen, sollte man dies dem Versicherer vorher melden, sagt Weidenbach. Mündliche Absprachen gelten im Notfall nicht, Änderungen deshalb immer schriftlich festhalten. Ähnlich wie beim Auto verlangen manche Versicherungen, dass man alle Ersatzschlüssel vorlegen kann.
Wie funktionieren Reparaturen?
Übernimmt die Versicherung eine Reparatur oder Wartung, setzen Radwerkstätten die Räder vor Ort instand. So zum Beispiel das „Radius“ in Nippes. Geschäftsführer Rapha Breyer hat sein Alltagsrad versichert, um neben dem emotionalen Schaden nach einem Diebstahl zumindest nicht auf den Kosten sitzenzubleiben.

Rapha Breyer, Geschäftsführer vom Radius in Köln Nippes: „Man muss bei einem Rad 50 bis 200 Euro Wartungskosten im Jahr einplanen.“
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Nach Breyers Erfahrung steige die Zahl der versicherten Räder. E-Bikes seien fast immer versichert und alle geleasten Räder sowieso. Der Verschleißschutz lohne sich vor allem für Menschen, die das Fahrrad für den Arbeitsweg brauchen. Denn auch wenn nur Kleinigkeiten wie die Kette oder die Bremsen kaputt gingen, läpperten sich die Kosten. „Man muss bei einem Rad 50 bis 200 Euro Wartungskosten im Jahr einplanen“, sagt Breyer. Ansonsten drohten große Schäden am Fahrrad, die dann richtig teuer werden könnten.
Das „Radius“ verkauft keine Versicherungen. Mit den meisten großen Anbietern ist der Laden aber inzwischen eingespielt. Im Schadensfall schickt der Betrieb die Rechnung direkt an das Unternehmen. Probleme gibt es vor allem, wenn Kunden nicht bei großen Versicherungen gemeldet seien und nur kleine Schäden reparieren lassen. „Dann bitten wir bitten den Kunden, den Betrag vorzustrecken und ihn sich später über die Versicherung zurückzuholen“, sagt Breyer.
Was mache ich nach einem Diebstahl?
Will man bei einem Diebstahl entschädigt werden, „muss das Fahrrad auf jeden Fall ordentlich gesichert sein“, sagt Robert Lausecker von der ENRA, einer Versicherung, die sich auf Fahrräder spezialisiert hat. Das Rad muss mit einem mindestens 50 Euro teuren Schloss an einer Laterne oder ähnlichem festgeschlossen werden. Es am Straßenrand abzustellen und mit einem Schloss das Hinterrad zu blockieren, genüge nicht.
Ein Diebstahl muss – sowohl im In- als auch im Ausland - zudem zwingend bei der Polizei angezeigt werden, um als Versicherungsfall in Frage zu kommen. Wermter hat den Rat beherzigt und beide Diebstähle bei der Polizei angezeigt. Seine Hausratversicherung hat das Geld für die Räder anschließend anstandslos erstattet.
