Experten-TippsWie Sie 10.000 Euro am besten anlegen

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Sicherheit ist für viele Anleger oberstes Gebot. Anders als Aktien stehen deutsche Staatsanleihen im Ruf, sichere Renditen bei wenig Risiko abzuwerfen. Angesichts der Berg- und Talfahrt im Sommer 2015 zeigt sich aber: Auch Anleihen sind nicht vor Rückschlägen gefeit.

Das Festgeld läuft aus. Oder man hat geerbt. Und jetzt? Viele Anleger wissen angesichts der mickrigen Zinsen nicht, wohin mit ihrem Geld. Früher schien alles ganz einfach: Das Ersparte kam aufs Sparbuch oder wurde in Bundesanleihen investiert. Das war sicher und brachte trotzdem ansehnliche Zinsen. Heute ist Geldanlage komplizierter. „Denn nicht die Rendite allein ist ausschlaggebend“, stellt Anlageexperte Stefan Krämer fest. Krämer verfügt über 17 Jahre Branchenerfahrung im Bereich Finanzen und Edelmetalle.

Folgende Fragen sollten sich Sparer stellen: Muss ich jederzeit über mein Geld verfügen können, oder kann ich für längere Zeit darauf verzichten? Will ich ein Risiko eingehen, oder möchte ich mein Vermögen sicher anlegen? Diese zehn Tipps verschaffen einen Überblick.

Tagesgeldkonto – für Sparer, die ihr Geld eigentlich brauchen

Wenn Sparer ihr Geld sicher anlegen wollen, eignet sich dafür das Tagesgeld. Im Grunde funktioniert ein Tagesgeldkonto wie ein Girokonto. Das Geld wird eingezahlt und kann jederzeit nach Belieben abgebucht werden – es steht also zur Verfügung.

Damit eignet sich diese Anlage vor allem für jene, die noch nicht genau einschätzen können, ob sie das Geld nicht eventuell doch nach kurzer Zeit für andere Zwecke brauchen. Auch als kurzfristig verfügbarer Finanzpuffer eignet sich ein Tagesgeldkonto. Achtung: Auf die Einlagensicherung achten, diese kann je nach Anbieter unterschiedlich sein.

Festgeldkonto – für vorsichtige Planer

Beim Festgeld handelt es sich um eine festverzinsliche Geldanlage, bei der die 10.000 Euro für einen längeren Zeitraum anlegt werden und eine gleichbleibende Rendite abwerfen. Großer Vorteil: Man weiß bereits am Anfang, wie viel Zinsen am Ende der Laufzeit anfallen – die Rendite ist also planbar. Dabei gilt: Je länger die Laufzeit, umso mehr Zinsen gibt es. Zurzeit liegen die Zinsen bei etwa 1 bis 1,5 Prozent für einen Anlagezeitraum von 12 Monaten. Wer also für einen längeren Zeitraum auf sein Geld verzichten kann, sollte über Festgeld nachdenken.

Bundesanleihen – für Profi-Anleger

Über Jahrzehnte waren Bundes- bzw. Staatsanleihen die liebste Geldanlage der Deutschen – heute bringen sie so gut wie nichts mehr. Es sind daher vor allem professionelle Anleger wie Stiftungen oder Pensionsfonds, die auch zu Negativzinsen Bundesanleihen kaufen. Für Privatanleger ist die Spekulation auf möglicherweise noch weiter fallende Zinsen schlichtweg zu riskant und nicht empfehlenswert.

Sind die Zeiten vorbei, in denen die Bundesrepublik als einer der zuverlässigsten Schuldner der Welt Anleger ruhig schlafen ließ? „Die Unsicherheit ist gestiegen“, sagt Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Eine Ursache für die heftigen Kursschwankungen sehe ich im Hype vom Ende vergangenen Jahres“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Für nur 0,5 Prozent Zinsen seien damals viele Anleger bereit gewesen, der Regierung Geld zu leihen. Damals hatten die Kurse nur eine Richtung gekannt – nach oben. Dadurch wurden Anleihen für Neueinsteiger immer teurer, und die Renditen fielen ins Bodenlose. „Die Entwicklung bewog institutionelle Anleger, kurzfristig Kursgewinne mitzunehmen“, sagt Bauer.

Nach Ansicht von Micha Bähr, Anlageexperte bei der Finum Private Finance AG, hat sich die Lage inzwischen zwar etwas beruhigt und die Renditen ziehen wieder an. So lange jedoch die EZB in großem Stil Anleihen aufkaufe, würden Anlegern die niedrigen Zinsen erhalten bleiben. „Dadurch werden auch die Kurse niedrig verzinster Anleihen erst einmal nicht steigen.“ Einig sind sich die meisten Experten darin, dass Bundeswertpapiere derzeit für Anleger uninteressant sind. „Ob 0,05 oder 0,8 Prozent Rendite – das macht keinen großen Unterschied“, erklärt Daniel Bauer. „Selbst von einem Prozent bleibt nach Abzug der Kosten und durch die Inflation kaum etwas übrig.“

Als Alternative kämen Anleihen hochsolider Unternehmen infrage. Firmen wie Linde, Bosch oder Siemens machten hier vergleichsweise attraktive Angebote. Vorsichtigeren Anlegern empfiehlt Bauer, ihr Geld vorläufig auf einem Tagesgeldkonto zu parken. „Kursverluste sind hier ausgeschlossen und steigende Zinsen kommen mit ein paar Wochen Verzögerung an.“ Wer in ein paar Jahren Wohneigentum erwerben und sich dafür die aktuellen Minizinsen sichern wolle, könne auch über den Abschluss eines Bausparvertrages nachdenken. Lohnenswert sei das jedoch nur, wenn man später auch das dazugehörige Darlehen abrufe. Über längere Zeiträume von mindestens zehn Jahren seien Aktien empfehlenswert.

Mehr Tipps für die Geldanlage gibt es auf der nächsten Seite.

Schulden zurückzahlen – für Vernünftige

Kredite haben meist Vorrang vor einer neuen Geldanlage. Und es ist in der Regel auch ratsam, Schulden schneller zu tilgen, denn so spart man sich die Kreditzinsen. Rahmen- oder Ratenkredite können meist vorzeitig gekündigt und sowohl ganz als auch teilweise zurückgezahlt werden. Bei Immobilienkrediten mit Festzinsvereinbarung ist die Situation jedoch anders. Hier ist die Tilgung nur im Rahmen von Sondertilgungsoptionen erlaubt – oder am Ende der Zinsfestschreibung. Unter Umständen kann es also nötig sein, das Geld für kurze Zeit „zu parken“, etwa auf einem Tages- oder Festgeldkonto.

Bei Fonds müssen Sparer Wertschwankungen aushalten können. Das ist der Preis für höhere Renditechancen, die Investmentfonds auf längere Sicht bieten.

Sparbuch – für Nostalgiker

Die Bundesbürger lieben ihr Sparbuch heiß und innig. Es ist nach wie vor ein Klassiker der Geldanlage – und das, obwohl die Zinsen meist so niedrig sind, dass sich die Anlage eigentlich gar nicht lohnt. Dennoch zählt es auch heute noch zu den beliebtesten Anlageprodukten, wohl weil wir es alle aus Kindheitstagen kennen und das Münzgeld aus unserem Sparschwein genau dorthin gebracht haben.

Viele Sparer bleiben aus Bequemlichkeit oder alter Verbundenheit beim Sparbuch oder ähnlichen Sparkonten, doch mit Zinsen von nur 0,1 Prozent für klassische Spareinlagen ist das keine rentable Geldanlage.

Ein Beispiel: Wer vor 25 Jahren 4000 D-Mark (umgerechnet etwa 2045 Euro) auf Sparkonten angelegt hat, kann heute in etwa über das Doppelte verfügen, rechnet der Bundesverband deutscher Banken vor. Bei offenen Immobilienfonds hätte sich die Summe im Schnitt auf etwa 6500 Euro erhöht und damit gut verdreifacht. Bei Rentenfonds wären, je nach Schwerpunkt des Fonds, bis zu etwa 8000 Euro möglich gewesen. Noch besser wäre man mit Aktienfonds gefahren: Wer 1990 in einen Fonds mit deutschen Standardwerten investiert und bis heute nicht angetastet hätte, könnte nun über einen Betrag von im Schnitt mehr als 10.000 Euro verfügen.

Immobilien – für risikobewusste Anleger

In vielen deutschen Städten boomt der Immobilienmarkt und die Kaufpreise für Wohnungen und Häuser steigen entsprechend. Immobilien gelten bei deutschen Anlegern als sichere Investition angesichts der Unsicherheit an den Finanzmärkten. 10.000 Euro reichen zwar nicht für ein Wohneigentum, aber über offene Immobilienfonds können sich Anleger an Objekten beteiligen und vom Boom profitieren.

Man sollte jedoch bedenken, dass auch bei offenen Immobilienfonds Gefahren lauern, beispielsweise die ungewisse Entwicklung bei Preisen und Mieten. Zwar sind solche Immobilieninvestitionen nicht hochriskant, aber Anleger sollten ganz genau hinschauen.

Mehr Tipps für die Geldanlage gibt es auf der nächsten Seite.

Aktienfonds – für Renditejäger mit langem Atem

Aktienfonds bestehen überwiegend aus Aktien. Sie bieten die höchsten Gewinnaussichten, bergen aber auch eine relativ hohe Wertschwankung. Mit einer langfristigen Anlage verringert sich das Risiko eines Verlustes deutlich, denn langfristig geht es in der Regel immer bergauf.

Für risikobewusste Anleger mit hohen Gewinnerwartungen dürften Aktienfonds die richtige Strategie sein. Denn Privatanleger können bereits mit relativ kleinen Beträgen starten. Aktuell sollte man eher die „Standardwerte“, also nur große Unternehmen von hoher Solidität und Bonität, in vielen kleineren Beträgen ins Depot legen.

Rentenfonds – für besonnene Strategen

Bei Rentenfonds investiert man hauptsächlich in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe oder Bundesobligationen. Das ist deutlich risikoärmer als eine Anlage in Aktienfonds, bringt aber auch weniger Gewinn. Mit Mischfonds – aus Aktienfonds und Rentenfonds – wird in guten Börsenzeiten überwiegend in Aktien investiert und in schlechteren Zeiten auf sichere Anleihen gewechselt. So erreichen Mischfonds eine Risikostreuung bei gleichzeitig hohem Ertrag.

Max Herbst von der FHM-Finanzberatung warnt: „Da Rentenfonds in unterschiedliche Anleihen investieren, ist zwar das Ausfallrisiko geringer – bei steigenden Zinsen drohen jedoch ebenfalls Kursverluste.“ Zögen die Marktzinsen um einen Prozentpunkt an, gehe der Kurs für jedes verbleibende Jahr der Laufzeit um etwa ein Prozent zurück. Wer dann Anteile verkaufe, fahre trotz der Zinserträge ein Minus ein.

Gold – für alle, die abwarten können

Über Gold heißt es gern: Es kann nicht pleitegehen. „Eine Anlage in Gold ist immer eine Anlage, bei der die Sicherheit im Vordergrund steht. Der Nachteil dabei ist, dass Anleger nicht über ihr Geld verfügen können. Aber der große Vorteil ist, dass Gold de facto nicht an Wert verliert. Gerade in Krisenzeiten schützt eine Anlage in Gold das Vermögen vor Kaufkraftverlust“, so Edelmetallexperte Stefan Krämer, der CEO der CelticGold AG ist. Anleger könnten ihre 10.000 Euro splitten und einen Teil davon in Goldmünzen oder -barren anlegen.

Gold glänzt. Allerdings sollten Anleger sich nicht zu sehr von diesem Glanz blenden lassen. Denn auch diese Anlageform ist nicht ganz ohne Risiko. Ein Grund: „Gold wirft keine Zinsen ab“, erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Rendite erzielen Anleger nur über den Preis.“ Und der kann durchaus deutlich schwanken.

Anleger sollten deshalb nur einen Teil ihres Vermögens in das Edelmetall investieren. „Als Beimischung für ein Depot kann es sich allerdings lohnen“, findet der Verbraucherschützer. Denn grundsätzlich gilt: Verschiedene Geldanlagen entwickeln sich in der Regel auch unterschiedlich. Das heißt: Sinken zum Beispiel Aktienkurse kann ein gleichbleibender Goldpreis für Stabilität bei den gesamten Anlagen sorgen. „Mehr als 10 Prozent Ihres Vermögens sollten Sie aber nicht investieren“, rät Nauhauser.

Wer Goldmünzen oder Barren erwerben möchte, kann das in seiner Bankfiliale tun. Über das Internet ist ebenfalls ein Ankauf möglich. Wichtig zu beachten: Wer physisches Gold kauft, muss es irgendwo lagern. Wenn die Münzen oder Barren zu Hause gelagert werden sollen, müssen sie sicher aufbewahrt werden. „Sie sollten das auch mit Ihrer Versicherung besprechen“, rät der Verbraucherschützer. Wer sein Gold zur Bank bringt, muss für ein Bankschließfach extra zahlen. Allerdings ist es dort in der Regel sicher aufgehoben.

Wer in Gold investiert, sollte nur einen Teil seines Vermögens dafür zur Seite legen.

Crowdfunding – für Kreative, die Banken nicht trauen

Anleger können ihr Geld auch in Firmen-Kreditprojekte investieren. Dabei handelt es sich um eine Art Crowdfunding, bei dem sich Unternehmen Geld von Privatanlegern leihen. Gerade klein- und mittelständische Unternehmen erhalten derzeit eher zögerlich Kredite von Banken, so dass Privatinvestoren dort gute Chancen haben. Über Kreditmarktplätze kann man sein Geld in ein Unternehmen investieren und so eine Rendite von 2,99 Prozent bis 14,6 Prozent erhalten. Es handelt sich dabei um eine alternative Form der Geldanlage, die in Zukunft immer beliebter werden könnte. (Bearbeitung: gs, mit dpa-Material)

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