Opladener GeschichtsvereinKulturgeschichte von unten und oben

Das alternative Kulturausbesserungswerk am Rande der Neuen Bahnstadt, ein Schauplatz des neuen OGV-Projekts.
Copyright: Ralf Krieger
Leverkusen – Der Opladener Geschichtsverein (OGV) betrachtet Geschichte aus den verschiedensten Blickwinkeln. Beim kommenden Großprojekt der Regionalhistoriker, einem Beitrag zum Thema „Lev – Stadtgeschichte mit Zukunft 1930 - 2030“, steht die Kulturgeschichte im Vordergrund: Wie sind Kultur und Stadtgeschichte verzahnt?
Um darauf eine Antwort zu finden, setzen die Historiker auf den in der Wissenschaft zurzeit beliebten Ansatz der „Geschichte von unten“. Denn neben Forum und Erholungshaus gibt es gerade in Leverkusen zahlreiche weitere Orte, an denen Akteure Kultur gelebt haben und leben, fernab der städtischen Institutionen. Nicht zuletzt wegen der Pandemie rücken sie mehr in den Vordergrund.
Mehr als Forum und Erholungshaus
Zwölf Kooperationspartner, die meisten unter ihnen Vereine, zeigen vom 11. September 2021 bis 27. Februar 2022 ihre Kulturgeschichte. Neben „Big Playern“ wie dem Erholungshaus der Bayer-Kulturabteilung oder Museum Morsbroich sei der Fokus bewusst auf kleinere Akteure gelegt worden. „Kultur ist etwas, das erlebt werden will, das gestaltet wird“, begreift Stefanie Weyer, Projektorganisatorin und Beisitzerin des OGV, die Thematik.
Villa Römer ist nur eine Station
Das komplexe Projekt mit aufwendigem Programm soll drei Bausteine umfassen. Zum einen werden 90 Jahre Stadtgeschichte in „Kulturstationen“ präsentiert. Dieses Jubiläum war eigentlich 2020. Die durch die Coronakrise erforderlich gewesene Verschiebung der Würdigung durch den OGV habe aber den Vorteil, dass mehr Zeit zur Aufarbeitung und Realisierung zur Verfügung sei.
Zudem werden die Partner in der Villa Römer ihre eigene Geschichte in Stationen vorstellen. Vorgaben gibt es keine. Das ist Teil des Ansatzes, die Akteure der Kulturszene selbst zu Wort kommen zu lassen. So ergibt sich ein womöglich neuer Einblick in die Geschichte Leverkusens.

Kultur-Geschichte im Forum: Plakate vom Can-Konzert 1972 und von den Blödel-Barden Insterburg & Co. mit Karl Dall.
Copyright: OGV
Parallel dazu soll die „Kulturmesse unterwegs“ weitere Standorte der Stadt einbinden. Die örtlichen Untergruppen der Kolpingsfamilie sind einer der Partner, die ihre Beiträge zur kulturellen Szene zeigen werden. Ihr Logo zum Beispiel stammt aus den 1930ern und spiegelt daher in orange und schwarz den Bauhaus-Stil wider. Ihre Fahne ist ein historisches Artefakt, das in der Ausstellung zu sehen sein wird. Auch das Kulturausbesserungswerk, das Junge Theater Leverkusen, die Altstadtfunken und Kurt Stichnoth werden Beiträge leisten.
Auch Pressefotografie ist Teil des Gesamtbildes der Leverkusener Geschichte. Schon der Flyer des Projekts zeigt die journalistische, aber natürlich zugleich künstlerische Dokumentation der Eröffnung des Forums 1969. Der damalige Fotograf des „Leverkusener Anzeiger“, Holger Schmitt, schuf das Zeitzeugnis. Seine Pressefotos und Aufnahmen von Peter Seibel wird das Stadtarchiv zeigen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Das 1946 gegründete Kammerorchester Leverkusen, zu dem sich die 25 aktiven Musiker und Musikerinnen erst kürzlich wieder zusammengefunden haben, hat sich selbst angeboten, das Projekt zu eröffnen und abzuschließen. Mit jüdischer Musik wollen sie auch ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Wie das gesamte Projekt – denn der Geschichtsverein hofft, mit dem Format eine Grundlage für zukünftige Ausstellungen zu schaffen – gibt sich das Orchester zukunftsorientiert: Es sucht dringend Nachwuchs.
Ein Meilenstein im Fortbestand der Kulturszene wäre 2030 erreicht. Es ist ein Ziel des OGV, auf dann 100 Jahre Kulturgeschichte der 1930 gegründeten Stadt Leverkusen zurückblicken zu können. Das Projekt ist ausdrücklich mehr als eine Ausstellung. Diskussionsthemen für „Werk-Stadt-Gespräche“ werden mit den Teilnehmern festgelegt und Kulturorte überall in der Stadt und ihrer Geschichte gesucht. „Identifikation, Vergemeinschaftung und Verständigung“ könnte eine Antwort auf die Ausgangsfrage lauten, wie Kultur die Stadt und ihre Geschichte präge, reflektierte OGV-Vorstand Michael Gutbier. Neben der Wirtschaft, vor allem in Form von Chemie und Eisenbahn, sei es auch die Kultur, die eine Bindung der Bürger zu ihrer Heimat erzeuge: „Kultur spiegelt sich im Alltagsleben der Menschen.“



