Die Verkehrsverbünde Rhein-Ruhr und go.Rheinland klagen über die Qualität des Schienenersatzverkehrs auf der seit zwei Wochen gesperrten Bahnstrecke Köln-Wuppertal-Hagen.
„Das ist erbärmlich organisiert“Verkehrsverbünde verärgert über Schienenersatzverkehr

Ein Bus des Schienenersatzverkehrs wartet an der Haltestelle in Opladen. Foto: Ralf Krieger
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„Das ist erbärmlich organisiert.“ Dieses Fazit zieht Oliver Wittke, Vorstandssprecher des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) nach zwei Wochen, in denen Pendler zwischen Köln, Wuppertal und Hagen wegen der Generalsanierung der Bahnstrecke auf Busse umsteigen müssen. Der von der Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn organisierte Schienenersatzverkehr (SEV) bleibe deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Strecke bleibt noch bis zum 10. Juli gesperrt.
„Wir reden nicht über Kinderkrankheiten, sondern über wiederkehrende strukturelle Mängel, die die Verlässlichkeit für die Fahrgäste spürbar beeinträchtigen. Wenn ein Ersatzverkehr in dieser Größenordnung nicht zuverlässig funktioniert, leidet nicht nur der Alltag der Menschen – es sinkt auch die Akzeptanz für die notwendigen großen Bauprojekte und Generalsanierungen, die in den kommenden Jahren nicht nur in NRW, sondern bundesweit zu erwarten sind. Wer Einschränkungen zumutet, muss Verlässlichkeit liefern“, so Wittke.
Wir reden nicht über Kinderkrankheiten, sondern über wiederkehrende strukturelle Mängel
Aus Sicht des VRR gibt es Mängel in gleich mehreren Bereichen. Fahrgäste und Testpersonen beklagten sich wiederholt, dass die Busfahrer keine ausreichenden Auskünfte geben könnten, teils nicht einmal über den Fahrweg des eigenen Busses. „Teilweise sprechen sie kein Deutsch“, sagt Wittke.
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Hinzu kämen krankheitsbedingte Ausfälle. „Wenn das in der Hauptverkehrszeit passiert, trifft das die Pendlerinnen und Pendler mit voller Wucht.“ Wegen mangelnder Ortskenntnisse der Fahrer sei es mehrfach vorgekommen, dass Busse sich verfahren, auf falschen Routen unterwegs sind oder an Engstellen hängenbleiben.
Vor allem bei der DB Regio Bus komme es überdies zu Ausfällen durch kaputte Fahrzeuge und fehlende Reserven. Auf einigen Linien mit hoher Nachfrage seien entgegen der Ankündigung keine Gelenkbusse im Einsatz. Das gelte vor allem bei der Linie RE 13 (Venlo-Düsseldorf-Hamm).
Die Ausfallquote liegt laut VRR insgesamt zwischen 3,5 und fünf Prozent. „Das ist für einen Hochleistungs-SEV nicht akzeptabel“, so Wittke. Man habe den Chef der Bussparte bei der DB über die Mängel in Kenntnis gesetzt. Frederik Ley, neuer Vorstand der DB-Sparte Regio Straße, kennt die Lage in NRW sehr genau. Bis Ende 2025 war er noch Chef der Regionalleitung bei der DB Regio Schiene in NRW.

Einsatzkräfte begutachten einen feststeckenden Bus. Der Bus, der als Schienenersatzverkehr im Auftrag der Deutschen Bahn unterwegs war, hatte sich am 11. Februar in Solingen in einer Sackgasse festgefahren.
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Erhebliche Mängel gibt es laut VRR auch bei der Fahrgastinformation. Dazu zählten nicht eingeschaltete Außenanzeigen an den Bussen und unklare Informationen vor Ort. Auch die Echtzeitdaten stünden nur eingeschränkt zur Verfügung.
Der VRR beklagt zudem eine mangelnde Transparenz über die tatsächlich erbrachten Leistungen. Das erschwere es, Schwachstellen zu erkennen und nachzubessern. Mit seiner Kritik steht der VRR-Chef nicht allein da.
„Obwohl bei uns deutlich weniger Ersatzverkehr gefahren wird als im Ruhrgebiet, schließen wir uns der deutlichen Kritik vollumfänglich an.
Die Busunternehmen hatten monatelang Zeit, sich auf die Generalsanierung vorzubereiten, dafür ist die Leistung einfach zu schlecht
Die Performance ist absolut enttäuschend“, sagt Norbert Reinkober, Geschäftsführer von go.Rheinland. „Die Busunternehmen hatten monatelang Zeit, sich auf die Generalsanierung vorzubereiten, dafür ist die Leistung einfach zu schlecht. Dass es in den ersten Tagen hapert, wäre vielleicht noch akzeptabel gewesen. Aber die Schwierigkeiten müssen nach zwei Wochen SEV ausgeräumt sein“, so Reinkober weiter. „Wir werden die beauftragten Busunternehmen erneut ins Gebet nehmen und die unverzügliche Umsetzung der bestellten und vertraglich vereinbarten Leistungen einfordern.“
Der Schienenersatzverkehr mit Bussen bis zum 10. Juli wird zwischen 50 und 55 Millionen Euro kosten. Die Hälfte davon müssen der VRR und go.Rheinland zahlen, 40 Prozent übernimmt der Bund, zehn Prozent die DB InfraGo. Die Busse sollen insgesamt rund sechs Millionen Kilometer fahren.
Wir nehmen die Kritik sehr ernst
„Wir nehmen die Kritik sehr ernst“, sagte eine Sprecherin der DB InfraGo auf Anfrage. Der Schienenersatzverkehr sei äußerst komplex. „Jeden Tag fahren jetzt in der Spitze bis zu 200 Ersatzverkehrsbusse zusätzlich mitten in einer der am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands.“ An den Karnevalstagen habe man zehn Busse wegen Vandalismusschäden aus dem Verkehr ziehen müssen.
Aus Sicht von DB Regio NRW sei der aktuelle Busfahrplan nicht einzuhalten. Man prüfe, auf welchen Linien die Fahrzeiten verändert werden können, damit die Busse pünktlicher unterwegs sind und den Einsatz zusätzlicher Fahrzeuge bei der nächsten Vollsperrung. Dem Fahrpersonal will man zusätzliche Schulungen anbieten.
Die Bahn hofft, dass sich die Lage am Wochenende etwas entspannt. Ab dem heutigen Samstag werden für vier Wochen zwischen Düsseldorf, Wuppertal und Hagen wieder mehr Züge fahren, bevor die nächste Vollsperrung ansteht. Diese Zeit wolle man für Verbesserungen nutzen.
