Am liebsten hätten Martin Jost, Vorstandsvorsitzender des Euskirchener Caritasverbandes, und seine Stellvertreterin Maria Surges-Brilon jeden einzelnen Gast mit einem Handschlag und einem persönlichen Gespräch begrüßt. Zahlreiche Besucher, die am Samstag zum Benefizkonzert zugunsten der Notschlafstelle in die Herz-Jesu-Kirche gekommen waren, hatten sie als Stammgäste wiedererkannt. „Es tut gut, so viele freundliche Gesichter wiederzusehen, die Jahr für Jahr an ihre Mitmenschen, die in einer nicht so glücklichen Lage sind, denken und für sie spenden“, freute sich Jost.
Feste Größe im Jahreskalender
Jedes Jahr müsse die Notschlafstelle eine Unterfinanzierung von rund 50.000 Euro auffangen. Da ist die Unterstützung durch Konzertabende sehr wichtig. „Das Benefizkonzert an Allerheiligen ist für viele von uns schon zu einem festen Jahresritual geworden. Seit dem ersten Abend bis heute konnten wir rund 30.000 Euro an Spenden sammeln. Ein beeindruckendes Ergebnis für eine ebenso tolle Idee“, so Jost.
Vom Geburtstagswunsch zum Publikumsmagneten
Eine Idee, die einmal ganz klein angefangen hat, wie Initiatorin Annette Schuster berichtete. „Vor 15 Jahren habe ich meinem Mann gesagt, dass ich mir ein Benefizkonzert zum Geburtstag wünsche. Er hat zugestimmt, war aber nicht davon überzeugt, dass überhaupt jemand kommen würde.“ Das Geburtstagskind hatte hingegen sofort ein volles Haus prophezeit und sollte recht behalten. Schon im ersten Jahr durften sie über volle Sitzreihen in der Herz-Jesu-Kirche sowie einen vierstelligen Spendenbetrag staunen. Die Begeisterung und Anteilnahme an dem Konzertabend ist stetig gewachsen. „Obwohl ich damals schon zuversichtlich war, hätte niemand jemals erwartet, welche Ausmaße das ganze annehmen würde“, so Schuster.
Drei Musiker verzichten auf ihre Gage
Eine Freude, die auch das Publikum im vollbesetzten Kirchenschiff teilte. Unter dem Motto „Wenn die Königin der Instrumente das Instrument der Könige trifft" führten drei hochkarätige Musiker durch mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte. An der Orgel hatte Regionalkantor Manfred Sistig Platz genommen, und auch die beiden Trompetenspieler waren für die regelmäßigen Besucher keine Unbekannten. Konzerttrompeter Daniel Ackermann und Jürgen Schuster, Solotrompeter des WDR-Funkhausorchesters, begleiten die Benefizkonzerte seit Jahren und verzichten wie Sistig auf ihre Gage. „Alle drei waren von der Idee begeistert, und wir sind wirklich froh, dass wir sie haben", lobte Annette Schuster.

Das Team der Notschlafstelle.
Copyright: Cedric Arndt.
Vom Barock in die Moderne
Mit Werken von Johann Sebastian Bach, Henry Purcell, Hans André Stamm und Antonio Vivaldi begleitete das Trio die Konzertbesucher vom Barock in die Moderne. „Zwei Instrumente, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch wunderbar miteinander harmonieren. Mal kraftvoll und festlich, mal sanft und berührend“, schwärmte Moderator Maik Warnke und versprach: „Uns erwartet ein musikalischer Abend voller Glanz, Emotionen und sicherlich auch einiger Gänsehautmomente.“
Gedenkschrein erinnert an Verstorbene
Diese emotionalen Augenblicke wurden jedoch nicht nur durch die Musik, sondern auch durch einen Blick auf den Altar ausgelöst. Dort erinnerte ein kleiner Gedenkschrein an jene Menschen, die bei der Notschlafstelle der Caritas gemeldet, jedoch im Laufe des vergangenen Jahres verstorben sind. „Auf diese Weise bekommen sie noch einmal einen Platz in unserer Mitte“, erklärte Jost.
Symbol der Mitmenschlichkeit
Surges-Brilon fügte hinzu: „Diese Abende sind ein Symbol der Mitmenschlichkeit und der Solidarität für Menschen ohne Obdach, die zu dieser Jahreszeit auf besondere Hilfe angewiesen sind. Dies wollen wir mit den Konzerten wieder ins Bewusstsein rufen.“

