Die Bad Münstereifelerin Joana Kuhn hat einen harten Weg hinter sich, den sie so jederzeit wieder gehen würde.
Tipps auf InstagramWie eine Bad Münstereifelerin 47 Kilo abnahm und mehr Mut fand

Geht regelmäßig ins Fitnessstudio: die Bad Münstereifelein Joana Kuhn.
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Von außen wirkt Joana Kuhn wie eine junge Frau voller Energie. Sie trainiere für ihren ersten Halbmarathon, gehe regelmäßig ins Fitnessstudio, mache eine Ausbildung zur Ergotherapeutin und nehme zahlreiche Menschen auf Social Media mit durch ihren Alltag. Doch hinter dieser Disziplin stecke eine Geschichte voller Verlust, Selbstzweifel und gesundheitlicher Rückschläge.
„Ich war früher immer die Dicke“, sagt die 25-Jährige offen. Schon als Teenager habe die Bad Münstereifelerin nach eigenen Angaben mit Übergewicht und einem geringen Selbstwertgefühl gekämpft. 2021 habe sie schließlich beschlossen, ihr Leben zu verändern – mit drastischen Folgen. Innerhalb weniger Monate habe sie rund 47 Kilogramm abgenommen. „Leider auf eine sehr ungesunde Weise“, sagt sie heute rückblickend.
Schnelle Gewichtsabnahme führte zu gesundheitlichen Problemen
Die schnelle Gewichtsabnahme habe zu schweren Nervenschäden geführt. Plötzlich habe sie ihren Fuß nicht mehr richtig heben können. Ärzte hätten eine sogenannte Fußheberparese diagnostiziert. Eine Seite habe sogar zweimal operiert werden müssen, später seien die Probleme auch am anderen Bein aufgetreten. Zahlreiche Untersuchungen, Krankenhausaufenthalte und neurologische Tests seien gefolgt – ohne eindeutige Ursache. Für die Ärzte sei die Mangelernährung die wahrscheinlichste Erklärung geblieben.
Bis heute spüre Joana Kuhn die Folgen. Besonders Kälte und feuchtes Wetter setzten ihren Beinen zu. Trotzdem trainiere sie weiter. „Ich will den Halbmarathon nicht nur versuchen – ich will ihn schaffen“, sagt sie entschlossen.

Smartphone und Social Media spielen im Leben von Joana Kuhn eine recht große Rolle.
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Doch der körperliche Kampf sei nur ein Teil ihrer Geschichte gewesen. Nach der extremen Abnahme habe sich ein problematisches Verhältnis zum Essen entwickelt. Kalorien, Routinen und Kontrolle bestimmten bis heute ihren Alltag. Pizza essen gehen? „Mittlerweile geht das wieder“, erzählt sie. „Aber danach arbeitet der Kopf trotzdem weiter.“
Hilfe zu finden, sei schwierig gewesen. Gemeinsam mit Freunden habe sie versucht, Schritt für Schritt wieder Normalität in ihr Leben zu bringen, und festgestellt, dass der Weg länger sein könne als ein Halbmarathon. Neben ihrer Ausbildung zur Ergotherapeutin arbeite die 25-Jährige zusätzlich in der Pflege. Nach belastenden Erfahrungen im Pflegealltag habe sie sich schließlich für einen anderen Weg im Gesundheitsbereich entschieden.
Kritische Kommentare bringen das System ins Wanken
„Ich bin eher der soziale Typ“, sagt sie lächelnd. Auch auf Instagram und TikTok spreche die junge Eifelerin offen über ihre Geschichte. Dort zeigt sie Trainingseinheiten, Meal-Prep, Alltagssituationen und ihre Gedanken. Mittlerweile folgten ihr mehr als 560 Menschen. Viele bewunderten ihre Offenheit und Disziplin. Doch Social Media bringe auch Schattenseiten mit sich. „Es gibt natürlich auch Kommentare, die mich treffen, mein System ins Wanken bringen“, sagt sie.
Doch es seien nicht nur die Kommentare unter ihren Beiträgen. Auch das eigene Spiegelbild könne ein Feind sein. Dann, wenn sich die mittlerweile überschüssige Haut unter dem Trainingsshirt unglücklich abzeichne. Eine Hautstraffung könne sie sich derzeit nicht leisten. Mehr als 10.000 Euro koste eine entsprechende Operation.
Die Krankenkasse übernehme die Kosten nicht. „Gesundheitlich ist die Operation vielleicht nicht notwendig. Aber was das mit der Psyche machen kann, blenden viele aus“, sagt Joana Kuhn. Trotzdem habe sie gelernt, sich Stück für Stück anzunehmen. „Es gibt Tage, da finde ich mich okay. Und andere Tage eben nicht“, sagt sie ehrlich.
Gerade diese Offenheit scheine viele Menschen zu berühren. Mit dieser Offenheit würde sie gerne noch mehr Menschen erreichen. Früher sei sie extrem schüchtern gewesen. Heute wirke sie selbstbewusster. Nicht nur wegen der Gewichtsabnahme, sondern wegen allem, was sie erlebt habe. „Ich glaube, der ganze Weg hat mich verändert.“ Und so laufe Joana Kuhn weiter – Schritt für Schritt. Nicht nur für einen Halbmarathon, sondern für ein Leben, das sie sich selbst zurückerkämpft habe.
