Eva I. (Walber) wird die Blankenheimer Jecken durch die Session führen. Sie wurde beim Winterball in der Weiherhalle proklamiert.
Prinzessin proklamiertBlankenheim ist im dritten Jahr fest in Frauenhand

Eine strahlende Prinzessin: Eva I. (Walber) inmitten ihrer Herzpagin Dilek, ihrem Finanzpagen Stefan (r.) und den beiden „Jecken Böhnchen“ Jonathan Hartmann (l.) und Louis Schlemmer.
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Und weiter geht es mit der Frauenpower im Blangemer Karneval. Als Eva I. (Walber) ist nun die dritte Prinzessin in Folge proklamiert worden. Als Blankenheims neue Tollität auf der Bühne der Weiherhalle, in „unserem gemütlichen Wohnzimmer“ (KV-Präsident Mike Bruins), stand, fehlten ihr vor Rührung die Worte. Viele Freudentränchen hatte Eva I. auf dem Weg dorthin durch die Reihen der rund 100 Gäste beim „Winterball“ verdrückt, Freunde und Freundinnen geherzt, Strüßjer geschmissen.
Man merkte der 44-Jährigen deutlich an: „Das ist mein Kindheitstraum, der endlich wahr geworden ist“, wie sie wenig später in ihrer Antrittsrede sagte. Eva I. ist nun schon die dritte weibliche Tollität in Folge im Blankenheimer Karneval – ohne Blangemer Frauenpower ist es, jedenfalls wenn es ums jecke Spitzenamt geht, derzeit eher mau. Nicht-Karnevalisten können das vielleicht weniger nachvollziehen, doch wer auch nur ein bisschen Karnevalshätz besitzt, der weiß, wie sich Eva I. in diesen Minuten kurz vor 21 Uhr am Samstagabend auf der Bühne der Weiherhalle gefühlt haben muss.

Prinzessinnenvater Herbert Meyer hatte seine Tochter gefragt, ob sie Prinzessin sein wolle.
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Sie war am Ziel einer Reise, die am 2. November des vergangenen Jahres begonnen hatte. Da hatte ihr Vater Herbert Meyer zum voradventlichen Familienessen eingeladen. Meyer ist selbst Tollität gewesen, in der Golfkrieg-Session 1990/91. Am 17. Januar 1991 hatte er begonnen, am Rosenmontag, 11. Februar, fielen wegen der Geschehnisse des zweiten Golfkriegs auch in der Eifel alle Zöch aus. Zwei Tage zuvor war der Geisterzug noch durch Blankenheim gegangen. Das Familienessen hatte aber neben dem familiären Zusammensein noch einen weiteren Sinn.
Die Prinzessin ist seit ihrer Kindheit dem Karneval verbunden
Nach „einigen Schnäpsen und Sekt, den es doch brauchte“, hätten er und Sohn Stefan, Tollität von 2009, sich die Tochter zur Seite genommen. In der karnevalsbegeisterten Meyer-Familie sollte nun Eva ebenfalls das jecke Spitzenamt übernehmen. Die 44-jährige, gebürtige Blankenheimerin, die mit Ehemann Ingo Walber in Blankenheimerdorf lebt, ist in einer physio- und ergotherapeutischen Praxis beschäftigt und dem Juh-Jah-Karneval ihres Heimatortes seit Kindesbeinen verbunden.
Sie war Tänzerin in einer der KV-Garden. Vor allem ist sie seit 15 Jahren Trainerin, derzeit von zwei Kinder- und Jugendgarden. 2004 war Eva Walber auch Mitgründerin des Junggesellinnenvereins „Schwaadschnüssjer“, der mit den Junggesellen vom „Nass Föös“ den „Winterball“ ausrichtet. Doch Eva Walber sagte zunächst nicht zu. Sie habe gezögert. Nebenbei habe das Prinzessinnenkleid der Mutter aus der Session 1991 nicht gepasst.
Ex-Tollität Elena I. überreichte der Nachfolgerin das Narrenzepter
Vor allem aber wollte sie wissen, was denn Ehemann Ingo von den Plänen halten würde. 21 Tage später folgte dann das „Ja“ – von dem bis kurz vor der Proklamation am Samstagabend außer ihrem Vater Herbert – er ist zweiter KV-Vorsitzender und der Tollitätensuche-Beauftragte – nur noch eine Handvoll Eingeweihte wusste. So wenige jedenfalls, dass der Verein wie im vergangenen Jahr ein Such-Quiz über die Social-Media-Kanäle starten konnte.
Und jetzt stand Eva I. im roten, bodenlangen Kleid und mit Krönchen, strahlend und gerührt vor den Gästen des Winterballs auf der Bühne. Eingerahmt von „Herzpagin“ Dilek I. (Schröder-Tas), Prinzessin in der Session 2024, und dem „Finanzpagen“, Evas Bruder Stefan. Das Narrenzepter überreichte ihr Ex-Tollität Elena I. (Weber) aus der Vorjahressession. Flankiert wurde das Trio von den beiden „Jecken Böhnchen“, die traditionell von den Junggesellen der „Naass Fööss“ gestellt werden.
Louis Schlemmer hat eines der Bodyguard-Ehrenämter der Tollität erneut übernommen, für Jonathan Hartmann ist es die Premiere. „Das sind die sich am ähnlichsten sehenden Jecken Böhnchen, die wir je hatten“, so KV-Präsident Mike Bruins mit scharfem Blick auf die dunkelhaarigen Säbelträger in den bunten stilisierten Uniformen der einstigen Blankenheimer Bürgerwehr: „Beide haben einen Schnurres.“
Auf die Traditionsfiguren des Blankenheimer Karnevals kommen nun „viele, viele Kilometer“ (Bruins) zu, die sie beim traditionellen Sprungtanz – voneinander weg und wieder aufeinander zu – zurücklegen werden. Kilometer vor allem während des Geisterzugs am 14. Februar. „Ob oben im Dorf, ob unten im Flecken – wir feiern Karneval mit all euch Jecken“ heißt die erste Zeile des Sessionsmottos, das sich Eva I. gegeben hat. Man kann davon ausgehen, dass die neue Tollität im Blangemer Karneval es aus vollem Herzen leben wird.

