Obwohl die Nachfrage nach Grundstücken derzeit eher gering ist, will Blankenheim neue Baugebiete entwickeln und damit Anreize schaffen.
Neue BaugebieteBlankenheim will Grundstücksverkäufe ankurbeln

Freier Blick nach Süden: Auf den Wiesen oberhalb von Lommersdorf soll ein großes Neubaugebiet entstehen.
Copyright: Stefan Lieser
Obwohl die Nachfrage derzeit schwächelt, setzt die Gemeinde Blankenheim auf eine Art Neubauboom: In sieben Baugebieten werden derzeit an die 100 Parzellen entwickelt. Dass momentan die Nachfrage nach Neubaugrundstücken im Gemeindegebiet von Blankenheim praktisch stagniert – egal, ob es sich um private oder Grundstücke der Gemeinde selbst handelt –, ist bekannt.
Und auch in der letzten Gemeinderatsitzung des vergangenen Jahres, in der sich erstmals die neue Listengemeinschaft aus CDU und FDP bei den Abstimmungen deutlich bemerkbar machte, war klar: Der Baulandverkauf ist gerade in einem Nachfragetal. Auch an Angeboten mangelt es. Da heißt es, Anreize zu schaffen.
Und deshalb stimmte das Gremium den weiteren Planungen bei sieben Bauentwicklungsprojekten in den Dörfern rund um Blankenheim zu. „Komm II“ heißt das größte Neubaugebiet, das derzeit am Ortsrand von Dollendorf für insgesamt 40 Grundstücke entwickelt wird. 26 davon haben eine Größe zwischen 260 und 650 Quadratmetern, die für Ein- oder Doppelhäuser geeignet sind, 14 weitere Grundstücke sind für Doppelhäuser gedacht.
Alles zum Thema Ahrtal
- Schulschließung Ein Staat, der seine Bürger nicht schützt, hört auf, Staat zu sein
- Neue Baugebiete Blankenheim will Grundstücksverkäufe ankurbeln
- Verhalten im Fokus Urlaub, Lacher, Tennisspiel – Politiker-Patzer mit Folgen
- Name steht fest Begegnungsort in Ripsdorf wird nach Prof. Wolfgang Schumacher benannt
- Straßensanierung Gemeinde Blankenheim beendet die Flickschusterei in Reetz
- Viktoria-Legende Mike Wunderlich übernimmt Trainerposten bei Krisen-Klub Wuppertal
- Haushalt 2026 Blankenheim investiert trotz Minus weiter kräftig

Das alte Feuerwehrgerätehaus in Ripsdorf erfüllt nicht mehr die Unfallverhütungsvorschriften. Die Löschgruppe erhält ein neues Domizil am Ortsrand.
Copyright: Stefan Lieser
Eigentlich sollen die neuen Bereiche über ein einheitliches Nahwärmenetz versorgt werden – das würde gut zum Image einer technologieoffenen und auf Energieeffizienz setzenden Gemeinde passen. Doch da hat man im neuen Rathaus an der Ahrstraße offenbar die Rechnung ohne das allgegenwärtige deutsche Bürokratiemonster gemacht.
Es sei ein Anschluss- und Benutzungszwang erforderlich, um das Netz wirtschaftlich betreiben zu können, hat die e-regio GmbH der Verwaltung mitgeteilt. Im Rathaus führte das offenbar zu der Erkenntnis, dass so die Vermarktung der Baugrundstücke erheblich erschwert würde, wie es in der Sitzungsvorlage zum Tagesordnungspunkt heißt.
Plan für ein Nahwärmenetz soll nicht weiterverfolgt werden
Man nahm daher erneut Kontakt mit dem Euskirchener Versorger auf. Danach hieß es überraschend, dass die Ausgestaltung der Absichtserklärung und entsprechende Ausarbeitungen sicherlich sechs bis neun Monate dauern würden, so die Verwaltung. Und damit nicht genug.
Im Anschluss müssten beide Seiten erneut entscheiden, ob das zentrale Netz gewünscht sei, was weitere Verzögerungen mit sich bringen würde. Komplizierter kann man kaum begründen, warum man etwas offenbar nicht mehr will. Und so kommt es nun auch: Kurz und knapp empfiehlt die Verwaltung, um im Planungsprozess voranzukommen, den Ausbau eines Nahwärmenetzes für das Neubaugebiet in Dollendorf nicht weiter zu verfolgen.
Ausgleichsflächen für die Feldlerche müssen gefunden werden
Man will stattdessen nun so schnell wie möglich in die gesetzlich vorgeschriebene Offenlage der nötigen Bebauungsplanänderung von Dollendorf gehen. Zudem müssen noch zwei Hektar Extensivgrünland als Ausgleichsmaßnahme für die Feldlerche gefunden werden. Man suche danach, heißt es. Lage, Lage, Lage – das gilt nicht nur für den Innenstadteinzelhandel, sondern auch für Neubaugrundstücke.
Und da hat die Gemeinde Blankenheim mit weitläufigen, leicht geneigten Wiesengrundstücken am Ortsrand von Lommersdorf eine „1a-Option“ für Bauwillige im Angebot. Nicht von ungefähr steht am Wegrand eine Sitzbank, denn weit geht der vermutlich für die Häuslebauer in der ersten Reihe unverbaubare Blick über Lommersdorf hinweg nach Süden. Wer hier eines Tages wohnt, dürfte sich glücklich schätzen.
Spuren einer früheren Besiedlung wurden entdeckt
Im Neubaugebiet „Gierscheider Weg“ in Lommersdorf sind 23 Grundstücke in einer Größe zwischen 370 und 680 Quadratmetern für Einzel- und Doppelhäuser sowie acht Grundstücke für Doppelhäuser geplant. Die Kaufverhandlungen mit den Grundstückseigentümern sind bis auf einen Fall abgeschlossen. In der Gemeinderatsitzung im März soll die Offenlegung beschlossen werden.
In Ripsdorf soll das für das Neubaugebiet „Am Burghang“ mit 13 Grundstücken (560 bis 980 Quadratmeter groß) für Ein- und Doppelhäuser schon mit Beschluss des Gemeinderates in der nächsten Sitzung am 29. Januar geschehen. Das Areal war zwischenzeitlich von Archäologen des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege untersucht worden. Es wurden Spuren früherer Besiedlungen festgestellt, die aber keinen Einfluss auf die Entwicklung des Baugebietes haben.
Neues Feuerwehrgerätehaus soll am Dorfrand gebaut werden
Ein anderes Hochbauthema interessiert die Ripsdorfer allerdings deutlich mehr: Das kleine Feuerwehrgerätehaus, in den vergangenen Jahrzehnten um zwei Schuppen ergänzt, erfüllt nicht die gesetzlichen Unfallverhütungsvorschriften. Das ist schon länger bekannt, jetzt will die Gemeinde die Konsequenz ziehen.
Da sich das derzeitige Löschgruppenhäuschen, die Wagenhalle und der Schlauchtrockenturm in der Ortsmitte von Ripsdorf befinden, ist hier kein Neubau möglich. Am Ortsrand an der Hauptstraße Richtung Alendorf wurde ein 23.630 Quadratmeter großes Grundstück gefunden, von dem die Gemeinde einen Teil kaufen will.
Feuchtbiotop macht Umplanung nötig
Man habe die landesplanerische Voranfrage gestellt und nehme jetzt Gespräche mit den Grundstückseigentümern auf, heißt es aus dem Rathaus. In Rohr wiederum geht es um elf zwischen 500 und 1380 Quadratmeter große Grundstücke für Ein- und Doppelhäuser im geplanten Neubaugebiet „Im Brühl“.
Offenbar wurde bei den nötigen Voruntersuchungen allerdings ein Feuchtbiotop entdeckt, das Umplanungen der Erschließungsstraße zu den künftigen Bauparzellen nötig macht. Drei Varianten hat die Verwaltung dem Gemeinderat zur Auswahl vorgestellt. Einstimmig beschlossen wurde eine Verlängerung der Straße inklusive Kanalisation und Wasserleitung. Es ist die preislich mittlere der Varianten. Kosten: 21.500 Euro – für zehn Meter.
Weitere Baugebiete sollen in Lindweiler und in Reetz entwickelt werden. Um wie viele Neubaugrundstücke es dort geht, ist derzeit noch unklar. Und auch auf die Frage, wie hoch der Quadratmeterpreis in den einzelnen Baugebieten sein wird, gibt es derzeit noch keine Antwort. Doch andere, bereits fertige Areale, lassen Schlussfolgerungen zu.
Am „Schlatherberg“ zwischen Blankenheim und Blankenheimerdorf liegt der Quadratmeterpreis je nach Lage zwischen 53 und 58 Euro. In Lommersdorf wurde im vergangenen Jahr eine nur mit dem Nachbargrundstück zu nutzende, teilerschlossene Baulandfläche von 126 Quadratmetern zu einem Preis von 40 Euro verkauft. Die Spannweite der Grundstückspreise dürfte sich – je nach Lage – in dieser Preisklasse bewegen.
Angebot soll Nachfrage wecken
Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde durch Baulandverkäufe 277.095 Euro nach einer vorläufigen Bilanz eingenommen, so die Verwaltung. Darunter waren drei Grundstücke im Gewerbegebiet im Wert von 240.870 Euro. Blickt man auf die Statistik seit 2020, wird allerdings deutlich, dass abgesehen davon Flaute herrscht.
Vor fünf Jahren wurden im damals neuen Baugebiet am „Schlatherberg“ 26 Parzellen verkauft, 2021 weitere 16. Doch seitdem war es nur noch eine. Das Neubaugebiet ist belegt. Käufer in relevanter Zahl fanden sich darüber hinaus in den vergangenen fünf Jahren nur noch im Feriendorf oberhalb von Freilingen (mit zehn Grundstücken). Das Beispiel „Schlatherberg“ zeigt aber auch: Ist ein Angebot da, springt meistens die Nachfrage an.

