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EnergiewendeBlankenheim hat kommunale Wärmeplanung mit drei Fokusgebieten beschlossen

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Das Foto zeigt die Kirche in Reetz, drumherum stehen Häuser, auf einem Hügel steht ein Windrad.

Reetz wird Fokusgebiet und soll eine Art Blaupause für alle Orte der Gemeinde werden. Die beiden Hauptstraßen im Dorf, hier der Blick in die Straße Oberdorf, werden kernsaniert. Das könnte die Chance für ein zentrales Wärmenetz sein.

Blankenheim soll bis 2045 klimaneutral sein. Der Gemeinderat stimmte dem 204-Seiten-Werk mit Daten und Handlungsempfehlungen zur Wärmeplanung zu.

Auch Blankenheim hat jetzt eine kommunale Wärmeplanung (KWP), deren Aufstellung für die Kommunen verpflichtend ist. Der Gemeinderat stimmte dem 204-Seiten-Werk mit Daten und Handlungsempfehlungen zu, dessen Umsetzung die Gemeinde bis 2045 klimaneutral machen soll. Carmen Heyner für die Verwaltung und das Team Wärmewende der e-regio mit Manuel Thome haben es federführend entwickelt.

Wilfried Wutgen (SPD) war zwar skeptisch: „Wenn ich das richtig sehe, ist für die Bürger doch nicht viel dabei drin. Warum sollen wir das jetzt beschließen?“   Bürgermeisterin Jennifer Meuren hielt dem entgegen: „Die Bürger haben keine Nachteile, wenn wir es beschließen.“ Und Heyner: „Wenn wir das Ganze jetzt zurückdrehen, haben wir erneuten Verwaltungsaufwand, und wir fangen noch einmal von vorne an.“ Der Gemeinderat beschloss die KWP einstimmig, auch mit der Stimme Wutgens. Eine Lawine an Maßnahmen und Projekten, aber mit noch vielen offenen Fragen, wurde so in Gang gesetzt.

Blankenheim kann nicht von Wasserstoffleitung profitieren

Zunächst wird im Datenwerk Grundsätzliches festgestellt: So sind auf Basis der Zensus-Daten von 2022 65 Prozent der Wohngebäude im Gemeindegebiet älter als 49 Jahre mit einem angenommenen hohen auch energetischen Sanierungsbedarf. Darauf deuten auch die Daten der Schornsteinfeger hin. Fürs Heizen nutzen auch die Blankenheimer hauptsächlich Erdgas und Öl.

Das soll in erster Linie durch Strom aus Sonnen- und Windenergie oder den Einbau von Wärmepumpen geändert werden. Andere Energieformen wie Geothermie, grüne Gase oder dezentrale Wärmenetze scheiden nach entsprechender Potenzialanalyse ganz aus oder werden als vernachlässigbar eingestuft. Auch von der geplanten Wasserstoffleitung aus dem belgischen Eynatten nach NRW könnte man nicht profitieren: Die Trasse verläuft zu weit von Blankenheim entfernt.

Zwei Frauen stehen nebeneinander und halten ein Papier in die Kamera.

Die 204 Seiten starke Wärmeplanung präsentierten Bürgermeisterin Jennifer Meuren (l.) und Verwaltungsmitarbeiterin Carmen Heyner.

Ein Mann mit blondem Haar und Bart lächelt in die Kamera.

Für die e-regio ist Manuel Thom im Boot.

Anders sieht das bei Energie aus Sonnenkraft und Windkraft aus. Vom Lanuk errechnete Gigawattstundenwerte pro Jahr können aber tatsächlich nicht ausgeschöpft werden. Die Gemeinde hat wie andere im Kreis Standortkriterien festgelegt. Nur auf 20 Hektar privilegierter Fläche entlang der B51 sind große PV-Anlagen erlaubt. Bei der Windkraft sind neben den bestehenden sieben Anlagen, die nach und nach repowert werden, nach aktueller Planung weitere neun vorgesehen. Ob sie alle   gebaut werden, ist offen.

27 Einzelmaßnahmen für die Energiewende in Blankenheim

27 Einzelmaßnahmen sind nach Bestands- und Potenzialanalysen der 17 Orte entwickelt, drei Fokus- und Prüfgebiete festgelegt. Zu den Maßnahmen, deren Umsetzung bis 2045 nach Dringlichkeit priorisiert ist, gehört etwa der schon vollzogene Beitritt Blankenheims zur Genossenschaft Energiewende Rhein-Eifel, der ebenso Nachbarkommunen oder Akteure wie die e-regio angehören. Sie soll Synergien nutzen, die kommunalen Verwaltungen entlasten, Kommunikation mit der Bevölkerung unterstützen, dokumentieren, möglicherweise auch evaluieren. 2035 ist für die Überprüfung des bis dahin erreichten festgesetzt.

Ob die   Bürger mitmachen, wird letztlich darüber entscheiden, ob das Ziel der Klimaneutralität 2045 erreicht wird, bis zu 14,4 Prozent an Energie eingespart und 100 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden.

Das Gewerbegebiet Blankenheim wird ein Fokusgebiet

Ob das klappen kann, das wird sich möglicherweise schon bei drei Fokus- und Prüfgebieten zeigen. Fokusgebiet 1 ist das Gewerbegebiet Blankenheim Nord, das einzige in der Gemeinde mit nennenswerten Industrie- und größeren Gewerbebetrieben. „Am Mürel“, wie es auch genannt wird, wollen die Planer testen, ob eine zentrale Wärmeversorgung die dezentralen Lösungen ersetzen kann, und ob die Unternehmen Abwärme als Quelle für die Energiegewinnung nutzen wollen. Gespräche sind nötig, ein Fachworkshop soll die Idee vorstellen, Beispielprojekte die Machbarkeit unterstützen. Ob es für die Umsetzung Fördermöglichkeiten gibt, muss noch geprüft werden.

Grundsätzlich stehen Mittel für die gesetzlich festgeschriebene Energiewende zur Verfügung: Bundesförderungen gibt es etwa für den Neuaufbau oder die Transformation von Wärmenetzen oder energetische Maßnahmen am Gebäudebestand wie dem Heizungsaustausch oder die Abwärmenutzung.

Schwierig wird es im historischen Ortskern

Gebiet 2 ist der historische Ortskern von Blankenheim. Zwischen dem Weiher und dem Kreisel hoch nach Blankenheimerdorf befinden sich zentrale kommunale Liegenschaften, deren energetische Sanierung beim neuen Rathaus im einstigen Konsum schon mal vorexerziert wurde. Der steht, wie viele umliegenden Wohngebäude, unter Denkmalschutz. Und der setzt der KWP zuweilen Grenzen.

Nun will die Gemeinde im Bereich der Ahrquelle und des oberen Bereichs der Ahrstraße mittelfristig die Straße erneuern. Das soll für die Verlegung einer neuen Energieversorgung zu den Häusern genutzt werden, wenn die Eigentümer das auch so sehen. Dazu wird im Handlungskatalog festgestellt: „Heterogene Ausgangslage der Gebäude und Eigentümer, Skepsis der Bürger, fehlendes Interesse, fehlende Kapazitäten/Ressourcen.“ Zieldatum für die Umsetzung ist das Jahr 2030.

Reetz soll Muster für die energetische Umstellung werden

Fokusgebiet 3 ist Reetz. Das Dorf soll ein Muster für die energetische Umstellung werden. Der Ort ist bislang nicht an das Erdgasnetz angeschlossen, die Wärmeversorgung   erfolgt überwiegend dezentral mit Heizöl. Kann man Reetz auf ein Wärmenetz mit Erneuerbaren Energien umstellen? Eine Gelegenheit wäre 2027: Dann beginnt die Kernsanierung der Straße Oberdorf, der Kreis Euskirchen wird die Ortsdurchfahrt erneuern.

Ein Selbstläufer wird das deshalb nicht. Die Erfahrung hat die e-regio vor wenigen Jahren in Ripsdorf gemacht. Dort wird die Ortsdurchfahrt, eine Kreisstraße, erneuert. Man habe ein aus Biomasse gespeistes Wärmenetz vorgeschlagen, erinnert sich Manuel Thom von e-regio. Es wurden Bürgerabende organisiert, man ging in alle Haushalte. Das Interesse sei durchaus hoch gewesen, doch es wurde nichts daraus. Die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu anderen Lösungen war nicht gegeben.

Die Gemeinde kann die Hauseigentümer nicht zwingen

Im Rathaus wird ein neues Schwerpunktteam für die KWP gebildet. Ob Aufstockungen des Personals nötig sind, ist offen. Vielleicht muss ein externer Dienstleister beauftragt werden, wenn die neue Genossenschaft nicht alle Aufgaben übernehmen kann.

Manuel Thome von der e-regio ist überzeugt, dass die Menschen genau wissen, welche Lösung die „innovativste“ sei – eine, die auch den KWP-Zielen entspricht. Klar ist, dass man die Besitzer von 3984 Gebäuden mit Wohnraum nicht zwingen kann. Der Gemeinderat ist zudem bei allen Entscheidungen, die haushaltsrelevant werden, am Zug.