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Nach Brand im FahrzeugGemeinde Kall half Blankenheim mit einem Feuerwehrauto aus

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Die Obengenannten stehen vor einem Feuerwehrauto, Jennifer Meuren und Emmanuel Kunz halten ein Geschenk.

Mit Dank zurück: Blankenheims Feuerwehrchef Volker Mies (vorne: v.l.), Bürgermeisterin Jennifer Meuren, ihr Kaller Amtskollege Emmanuel Kunz und Kalls Wehrleiter Daniel Rütz. Hinten v.l.: Michael Knie (Löschzugführer Kall), Jörg de La Motte (stellvertretender Wehrleiter Kall) und Markus Auel (Allgemeiner Vertreter des Kaller Bürgermeisters.

Nachdem ein Blankenheimer Feuerwehrfahrzug beschädigt worden war, stellte Kall den Nachbarn ein TLF zur Verfügung. Jetzt wurde die Leihgabe zurückgegeben.

Ein besonderes Beispiel interkommunaler Zusammenarbeit wurde jetzt mit einer kleinen Feierstunde im Haus der Begegnung in Kall gewürdigt: die Rückgabe eines von der Kaller Feuerwehr an die Blankenheimer Kameraden ausgeliehenen Feuerwehrfahrzeugs. Doch hinter der netten Geste stecken grundsätzliche Probleme bei der Ausstattung der Feuerwehren, auch im Kreisgebiet.

Anfang 2024 wurde die Blankenheimer Feuerwehr zu einer Hilfeleistung gerufen, die auch zum Einsatzalltag der Feuerwehren gehört. „Das war ein Hubschraubereinsatz, und wir hatten eines unserer Fahrzeuge zur Absicherung auf eine Straßenkreuzung gestellt“, erinnert sich der heutige Blankenheimer Wehrleiter Volker Mies.

Wehrleiter Volker Mies: „Das gesamte Armaturenbrett schmorte weg“

Die Löschgruppe war mitten im Einsatzgeschehen, als sich in ihrem Rücken etwas ereignete, womit sie nicht rechnen konnte, was die Feuerwehren aber mittlerweile ebenfalls einkalkulieren müssen. Plötzlich brannte es in der Fahrerkabine des abgestellten Feuerwehrfahrzeugs. „Das gesamte Armaturenbrett schmorte weg“, so Feuerwehrchef Mies. Die Ursache des Feuers: Akkus im Fahrzeug hatten sich überhitzt und gerieten in Brand.

Für Mies ist das nicht weiter verwunderlich: An den Akkus der mit einer immer aufwendigeren Technik ausgestatteten Feuerwehrfahrzeuge hingen manchmal Stromverbraucher, die dem Energiebedarf eines „kleinen Einfamilienhauses“ entsprächen. Der durch den Brand am Fahrzeug entstandene Sachschaden belief sich auf rund 120.000 Euro. Man habe die Versicherung angefragt, ob sie die Kosten übernehme, so Blankenheims Bürgermeisterin Jennifer Meuren, doch diese habe das abgelehnt.

Gleiches galt für die Anfrage, ob der Versicherer bereit sei, die Leasingkosten für ein Ersatzfahrzeug bis zur Reparatur des beschädigten Autos zu tragen. Zwei Jahre und zwei Werkstätten brauchte es schließlich, bis der Schaden behoben war. Eine Verantwortung für den Akkubrand hätten unterdessen sowohl der Fahrzeughersteller als auch die für den Aufbau zuständige Firma kategorisch abgelehnt, so Volker Mies.

Akkubrände kommen inzwischen wohl häufiger vor

Eine Frage wäre, ob die Gemeinde Blankenheim angesichts dessen nicht den Versicherer für ihre Feuerwehrfahrzeuge wechseln sollte, was Meuren aber ablehnt. Eine andere, warum Feuerwehrfahrzeuge nicht besser gegen solche Technikbrände geschützt sind. Denn, so Volker Mies und dessen Kaller Amtskollege Daniel Rütz übereinstimmend: Derartige Akkubrände sind in neueren Einsatzfahrzeugen bei den Feuerwehren in ganz Deutschland bekannt.

In Blankenheim jedenfalls war vor rund 27 Monaten guter Rat teuer. Man habe kurzentschlossen die Nachbargemeinden um Hilfe gebeten, so Bürgermeisterin Jennifer Meuren. Kalls damaliger Bürgermeister Hermann-Josef Esser sagte sofort Unterstützung zu, so sein Amtsnachfolger Emmanuel Kunz im Rückblick. In Kall war man ja selbst dankbar gewesen für Hilfe in der Not. In der Flutkatastrophe im Juli 2021 war durch das Hochwasser eines der Löschfahrzeuge der Feuerwehr zerstört worden.

Werkfeuerwehr von Henkel hatte Kall ein Fahrzeug geschenkt

In dieser Notlage hatte die Gemeinde von der Werkfeuerwehr der Firma Henkel in Düsseldorf ein Pulver-Tanklöschfahrzeug (P-TLF) als Ersatz geschenkt bekommen. Das Fahrzeug, Baujahr 1991, stand mittlerweile als Reserve in der Kaller Wagenhalle. Ein Ersatzfahrzeug für das im Hochwasser zerstörte war schon mit Mitteln aus dem Wiederaufbaufonds des Landes beschafft worden.

Bei der Blankenheimer Feuerwehr leistete das P-TLF unterdessen mehr als zwei Jahre lang gute Dienste. Es wurde jetzt in einer kleinen Feierstunde im Kaller Haus der Begegnung an die Löschgruppe Kall zurückgegeben. Das sei ein erfreuliches Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit, so die beiden Bürgermeister.

Doch was passiert eigentlich, wenn eine Feuerwehr, aus welchen Gründen auch immer, einen solch unvorhersehbaren Ausfall eines ihrer Löschfahrzeuge hat? „Dann haben größere Feuerwehren wie wir ein Ersatzfahrzeug als Reserve“, so Daniel Rütz. Die kleineren müssen auf Solidarität hoffen, wie das Blankenheim-Kaller Beispiel zeigt. Die Nachalarmierung benachbarter Wehren sei bei konkreten Einzelfällen möglich, aber nicht gedacht für einen längeren Fahrzeugausfall.

In der Fahrzeughalle der Feuerwehr Kall jedenfalls wird das 36 Jahre alte P-TLF aus Düsseldorf weiter gut in Schuss gehalten. „Früher war das ganz normal, dass ein Feuerwehrfahrzeug 30 Jahre gehalten hat“, meint Daniel Rütz. Bei neueren Fahrzeugen könne man davon aber nicht mehr ausgehen – auch wenn die Anschaffungskosten heute dreimal so hoch seien.