In Leverkusen wird viel über Brücken geredet. Es ist also nur folgerichtig, dass die stadtgeschichtliche Vereinigung dem Thema eine Ausstellung in der Villa Römer widmet.
Villa RömerLeverkusener Brücken sind eine Ausstellung wert

Das Modell der Wupperbrücke von 1732 ist in der Ausstellung zu sehen. Die Ausstellungsmacher Walter Montkowski und Wolfgang Kamm (r.) tragen es an seinen Platz. Hinten (v.l.) Gernot Herzog, Norbert Kaluza, Gabriele Pelzer und Angela Breitrück.
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Wie viele Brücken es in Leverkusen wirklich gibt, da können auch die Ausstellungsmacher in der Villa Römer nur spekulieren. Was klar ist: Es gibt 41 Brücken über die drei Flüsse. Eine über den Rhein, 29 über die Dhünn und 14 über die Wupper. Darunter sind Übergänge für Fußgänger, Autos und die Eisenbahn. In der Villa Römer gibt es ab Sonntag eine Ausstellung, die sich dem Thema Brücken widmet, oft aus historischer Sicht, aber auch aktuell. Dass es ungezählte weitere über Bächen, über und unter Eisenbahnlinien und Hauptverkehrsstraßen gibt, macht eine Schätzung schwierig. Die Leverkusener Brücken sind aus Beton, Stahl und Holz und es gibt jede denkbare Kombination der Materialien.
Die Informationen und die vielen Bilder sind meistens auf Tafeln dargestellt: Man darf sich etwa wundern, dass der Dhünnübergang in Höhe der heutigen Bismarckstraße noch vor 100 Jahren noch aus einem einfachen Holzsteg bestanden hat. Leider existiert kein Bild vom „Küppers Steg“, etwa am heutigen Forum, nach dem der Ort Küppersteg benannt wurde, aber der fiel wohl dem Fortschritt zum Opfer, als man noch nicht alles fotografierte.
Nicht belegt ist, wo die Altvorderen Baumstämme über Bäche und Flüsse gelegt haben und auf die Weise erste Brücken gebaut haben. Belegt ist aber, dass die erste aus Stein gebaute Brücke in Opladen stand: Das war die Wupperbrücke der Provinzialstraße zwischen Köln und Düsseldorf, der heutigen Bundesstraße 8. Es gab einen Vorgängerbau, der erstmals 1307 erwähnt, aber nicht dokumentiert wurde. Das Baujahr der Brücke ist 1732: Opladen hatte eine Brücke in harmonischer Form aus Bruchsteinen mit zwei Bögen und einem massiven Pfeiler mitten in der Wupper. Aus Gründen der Staugefahr bei Hochwasser vermeidet man heute solche Pfeiler in Flussmitte. 1908 ersetzte man sie durch eine Stahlbrücke, die heutige ist eine gesichtslose Betonplatte, aber sie überstand das Hochwasser 2021, als die Wupper so hoch stand, dass im Minutentakt große Baumstämme und anderes Treibgut von der schnell fließenden Flut gegen die Konstruktion gestoßen wurden.
Ziel war es, das Thema Brücken mit Geschichten zu füllen, sagt Walter Montkowski bei der Vorstellung der Ausstellung. Dabei hilft die Stadtführerin Angela Breitrück, die sich besonders gut in Schlebusch auskennt. Sie weiß, dass die Wuppermanns früher eine kleine Privatbrücke besaßen, über die die Tochter von der Villa Wuppermann zu ihrem Privathaus an der Von-Diergardt-Straße spazieren konnte. Erzählt wird, dass „der alte Wuppermann“ gegen Kriegsende einen Befehl erhalten haben soll, er solle die Dhünnbrücke sprengen, um den Vormarsch der Amerikaner zu bremsen. Er soll dann die kleine Fußgängerbrücke der Tochter in die Luft gejagt haben, nicht die große Dhünnbrücke. „Die haben mir nicht gesagt, welche Brücke“, soll er später mal verschmitzt gesagt haben. Ob’s stimmt? Es ist jedenfalls eine schöne Geschichte. Frau Breitrück plant gemeinsam mit der Stadtgeschichtlichen Vereinigung Führungen zu Schlebuscher Brücken.
Dhünnbrücke wurde fast gesprengt
Auch die große Dhünnbrücke war von Nazis beim Vormarsch der Amerikaner schon mit Sprengladungen ausgestattet, aber viele Schlebuscher sollen keine Lust gehabt haben, dieses Opfer zu bringen. Die Schlebuscherin Maria Dresen soll den anrückenden Amerikanern mit der weißen Fahne nicht nur Schlebusch kampflos übergeben haben, sondern ihnen auch gezeigt haben, wo die 80 Kilogramm Dynamitstangen angebracht waren.

Gabriele Pelzer hält ein Stück vom Tragseil der abgebrochenen Leverkusener Brücke in der Ausstellung der Villa Römer.
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Auch heute gibt es in Leverkusen wenige Themen, die sich mehr zum Stadtgespräch eignen als Brücken. Besonders natürlich die Autobahnbrücken. Die überregional bedeutendste Brücke ist die Leverkusener Brücke, aber sie steht zur Hälfte in Köln. Die Stelze ist fast genauso lang. Zur abgebrochenen ersten Leverkusener Autobahnbrücke gibt es Tafeln, zur Anschauung liegen ein Stück vom Stahlkasten und ein 30 Zentimeter langes Fragment der ehemals roten Tragseile in einer Vitrine.
Wer über Brücken spricht, darf die Schiffsbrücke in der Wuppermündung nicht vergessen, die einzige Leverkusener Brücke, auf der man Bier, Kaffee und Kuchen im Kiosk kaufen kann.
Auch die Furten und Fähren sind in der Ausstellung nicht vergessen worden, denn das sind, wenn man so will, die Vorgänger unserer Brücken. Sogar mindestens eine Furt gibt es noch, in Schlebusch. Den ehemals vier Fähren auf dem Rhein, von denen zwei bei Bayer übersetzten und eine in Rheindorf, ist ebenfalls ausreichend Platz in der Ausstellung gewidmet.
Die Ausstellung „Wege über Rhein, Wupper und Dhünn in Leverkusen“ in der Villa Römer, Opladen, ist bis zum 23. August 2026 samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Eintritt für Erwachsene: 4 Euro. Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 17. Mai 2026, 11 Uhr.
