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Bedeutung der AuenwälderWird der Weißer Rheinbogen zum Naturschutzgebiet?

3 min
Teilnehmer der Wanderung durch den Weißer Rheinbogen, die durch die Forstverwaltung organisiert wurde.

Teilnehmer der Wanderung durch den Weißer Rheinbogen, die durch die Forstverwaltung organisiert wurde.

Mit der Forstverwaltung ging es durch den Weißer Rheinbogen: Warum der Auenwald so wichtig ist – und warum der Schutz strenger werden soll.

Auenwälder am Rhein schützen vor Hochwasser, dienen als Trinkwasserreservoir und bieten einen artenreichen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Vorgestellt wurden verschiedene Perspektiven des Landschaftsschutzgebietes von Dennis Remiger, Forstwirtschaftsmeister vom Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, und Daniel Zocher, der seit März der neue Revierleiter Forstrevier linksrheinischer Wald ist.

Der Weißer Rheinbogen ist mit seinem fast halbinsel-förmigen Charakter nicht nur ein Habitat für heimische Füchse, Kaninchen und Hasen. In den 1950er und 1960er Jahren wurde der Wald als Mischwald künstlich aufgeforstet. Die Hauptaufgabe heute ist die Naturverjüngung durch Pflegemaßnahmen. Remiger: „Hier treffen viele Altersklassen von Bäumen aufeinander. Da er damals als Mischwald angelegt wurde, kann quasi immer eine Baumart einspringen, wenn eine abstirbt.“

Zukunftsbäume im Erholungswald

Entnommen werden alte und neue Bäume. Dabei werden sogenannte Zukunftsbäume freigestellt. „Damit diese Bäume Raum in der Krone und an der Wurzel haben.“ Das anfallende Holz kann, muss aber nicht, vermarktet werden. „Wir wollen mit dem Wald kein Geld verdienen. Er ist ein Erholungswald, der dauerhaft bleiben soll.“

Das Forstamt mit rund 35 Mitarbeitenden sowie Auszubildenden und Praktikanten betreut, ungefähr gleich aufgeteilt, rechts- wie linksrheinisch, rund 4100 Hektar Wald. Im Rheinbogen werden 500 Hektar mitbetreut, die der Rhein-Energie gehören. Auch die städtischen Wildparks, rechtsrheinisch Dünnwald, Brück, Leidenhausen, linksrheinisch in Lindenthal, der Forstbotanische Garten und der Friedenswald werden mitbetreut.

Eine Verkehrssicherungspflicht besteht im Wald übrigens nicht. Es ist generell ratsam, auf den Wegen zu bleiben. „Viele wissen auch nicht, dass die Reitwege Reitern und Pferden vorbehalten sind. Das führt mitunter zu Konflikten.“ Sieben bis acht Kilometer Reitwege sind im Rheinbogen angelegt. Die jährliche Instandsetzung wird über eine entsprechende Reitabgabe finanziert. 

Der Rheinbogen als Naturschutzgebiet?

Derzeit wird diskutiert, das Landschaftsschutzgebiet in ein Naturschutzgebiet umzuwandeln. „Es kann sein, dass es dazu kommt oder bestimmte Gebiete herausgenommen werden“, erklärt der Forstwirtschaftsmeister. Eine allerdings nicht abgeschlossene Überlegung. „Es wird ja auch noch Landschaft betrieben.“ Für Besucher würde das zu Einschränkungen führen. Dann ist das Spazieren nur noch auf den Wegen erlaubt und im Wald nicht mehr.

Den Unterschied erklärt Forstwirt Zocher: „Beim Landschaftsschutzgebiet sagt man, man will die Landschaft für den Menschen schützen. Beim Naturschutz ist es umgekehrt. Da soll die Landschaft vor dem Menschen geschützt werden.“ Zocher sieht Vorteile, insbesondere für die Tierwelt. „Für uns wäre das zu wünschen, um auch das Wild und Niederwild zu beruhigen.“ Vielleicht kämen dann auch Fasane und Rebhühner zurück. Das sei mit den vielen Hunden schwierig. Bei einer Umwandlung in ein Naturschutzgebiet müssen die Vierbeiner an der Leine bleiben. Entschieden sei noch nichts, sagt Remiger, der auf Rückfrage angibt, dass es dazu sicher auch erst eine Öffentlichkeitsbeteiligung geben soll. 

Vor allem ist der Auenwald eine spezielle Waldgesellschaft, die temporär überflutet werden kann. Die letzte Jahrhundertflut (1993/1995) liegt allerdings schon eine Weile zurück. Ab rund sieben Metern steht die Aue in Teilen unter Wasser. Probleme bereiten alte Bäume am Rhein, wo die Baumarten wechseln. Hybridpappeln hier sind mehr oder weniger am Lebensende und gehen langsam in die Verfallsphase über. Manche der toten Bäume bleiben als „Habitatbäume“ für Vögel und Insekten stehen. Dem Wald geht es aber prinzipiell gut.

Eine weitere eindrückliche Veränderung des Auenwalds stellen die Arbeiten der Rhein-Energie dar, die hier neue Trinkwasserleitungen verlegt. Wie eine Kahlschlagschneise ziehen sich die Arbeiten durch das Gelände. Die Brunnengalerie dient der Grundwassergewinnung und ist gut 1,2 Kilometer lang. Hier wird so viel Trinkwasser gewonnen, dass die Arbeiten unumgänglich sind. Zukünftig soll das gesamte Areal aufgrund seiner kritischen Infrastruktur mit einem massiven Zaun umgrenzt werden. Danach beginnt die Aufforstung, die sich dem Mischwald anpassen soll.