Abo

Navigation

KStA PLUS abonnieren

Abo-Angebote

Artikel teilen

Schriftgröße ändern

Artikel zur Merkliste hinzugefügt

Rückgangig

Artikel von der Merkliste entfernt

Sie folgen nun

Rückgangig

Sie folgen

Roncalliplatz 28 Meter hohe Rotfichte aus der Eifel wird Weihnachtsbaum am Kölner Dom

Blankenheim-Mülheim – Gutes aus der Eifel für den Roncalliplatz in Köln: Eine prachtvolle Rotfichte aus dem Mülheim, einem Ortsteil von Blankenheim, wird ab dem 27. November den Weihnachtsmarkt am Dom zieren. In der Nacht zum Freitag wird der Baum mit Polizeigeleit über die A1 in die Kölner Innenstadt gebracht. Doch bis dahin war es einiges an Arbeit.

Als es während der Arbeiten Am Giersberg im Geäst der 28 Meter hohen Rotfichte mal vernehmlich knackte, zuckte Roland Temme ein wenig zusammen. Der Geschäftsführer der Kölner Weihnachtsgesellschaft, die den Markt auf dem Roncalliplatz betreibt, fürchtete um sein Investment. Doch es passierte nichts, als die Rotfichte am Mittwochmorgen fachmännisch gefällt und verladen wurde.

Dass solch ein Schmuckstück von Baum die Besucher des Weihnachtsmarkts erfreuen kann, bedeutet nicht nur Arbeit. Es ist auch teuer: Für Kranfällung, Transport und Aufstellung sind laut Temme 17.000 Euro fällig.

Dabei war zu Beginn der Arbeiten in Mülheim nicht ganz klar, ob das alleinstehende, gleichmäßig rund und wunderbar dicht von allen Seiten gewachsene Prachtexemplar im Kern gesund und damit weihnachtsmarkttauglich ist.

Alles zum Thema Polizei Köln

„Ist er bestimmt“, sagte Alfons Steidl vom gleichnamigen Baumdienst in Nettersheim mit prüfendem Blick. Der Mann, der auch für den Dom-Innenraum immer wieder prachtvolle Eifelfichten zur Weihnachtszeit liefert, sollte mit seinem Urteil über den 75 Jahre alten Baum Recht behalten.

„So einen großen Weihnachtsbaum hatten wir noch nie“, meinte Temme staunend über die Fichte, die mit mehreren tausend Kugeln, ein paar hundert Metern Lichterketten und einem schmucken Stern auf der Spitze versehen wird. Darüber wird ein Lichternetz gespannt.

Aufmerksam und begeistert beobachtete auch Wolfgang Stelzer die Arbeiten. Er hatte das Mitte der 1930er-Jahre gebaute Haus Am Giersberg vor vier Jahren gekauft. „Ich will den alten niedrigen Anbau abreißen und neu auf Höhe des Haupthauses aufbauen. Jetzt haben wir mehr Licht und auch weniger Dreck, den so eine Riesenfichte mit sich bringt.“ Auf die Stumpen will er ein Vogelnisthäuschen stellen: „Das wird dann eine Station auf der ornithologischen Wanderung, die wir in Mülheim anbieten.“ Dass die Rotfichte früher oder später ohnehin gefällt werden musste, betonte Ortsvorsteher Reiner Reetz: „Die stand an einer Böschung und nicht mehr im Lot.“

Das Wurzelwerk war unter den Asphalt und großflächig unter Stelzers Wiese gedrungen. „Die Fichte wäre aufgrund der Verkehrswegesicherungspflicht fällig gewesen“, so Reetz.

Gespannt war am Mittwoch auch Mike Neldner. „Passt der?“, fragte er. Seinen Tieflader mit dem Teleskopaufleger hatte der Schwertransport-Spediteur aus Oberhausen im Ruhrgebiet unterhalb der Straße Am Giersberg abgestellt. Klar war: Kranführer Gerd Götz ging beim Verladen des 7,5 Tonnen schweren Baums sehr behutsam vor. Der Stamm musste auf 24 Meter gekürzt werden, mehr Platz hat der Aufleger nicht. Und die Äste mit den hübschen Nadeln mussten schmal und sicher verpackt werden: Von rund neun Metern Breite auf maximal 5,50 Meter Breite und 4,45 Meter Höhe war der Baum zusammenzubinden. Das sind die von der Polizei erlaubten Maße für die nächtliche Fahrt zum Dom.

Also war nach dem zentimetergenauen Aufladen für das Team von Alfons Steidl für mehrere Stunden Verschnüren und Verzurren angesagt. Auch das funktionierte. Um kurz vor 17 Uhr konnte Alfons Steidl Entwarnung geben: „Es sieht gut aus.“ Der „Reservebaum“, der in Kall-Keldenich steht, kommt nicht nach Köln.

Ab dem 27. November heißt es auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Dom: Hoch die Glühweintassen unterm Baum aus Mülheim. „Ja klar: Wenn die Mülheimer kommen, um ihren Baum im Lichterglanz strahlend zu sehen, kriegen sie eine, auch zwei Runden Glühwein spendiert“, versicherte Temme. Vielleicht wird er sich wundern, wie viele Einwohner Mülheim haben kann.

Schilder und Poller werden abgebaut

Derweil machte sich Mike Neldner zunächst auf die Fahrt zum Zwischenlager, einem Parkplatz oberhalb von Mülheim. Hinter ihm viele Meter Grün. Die ersten beiden Meter sind sauber auf 47 Zentimeter Durchmesser eingesägt, damit der Baum in den Ständer passt. Während es in der Kurve am Ortsausgang Mülheim schon etwas eng wurde, sind in Köln Baumaßnahmen nötig: Für die Fahrt über den Heumarkt bis zum Roncalliplatz müssen Poller und Verkehrsschilder abgebaut werden.

In Mülheim ist nun dort, wo markantes Grün stand, eine Lücke. Auch der letzte Baum einer kleinen, vor rund 80 Jahren angepflanzten Rotfichten-Allee am Giersberg ist nun „gegangen“, wie der Holzfäller sagt. Die Meinungen unter den Mülheimern über die Fällung sind laut Ortsvorsteher Reetz unterschiedlich gewesen. Der Baum wird nach Ende des Weihnachtsmarkts auf dem Roncalliplatz am 23. Dezember übrigens geschreddert. Verwertbares Brennholz findet dann ja vielleicht den Weg zurück in einen Kamin in Mülheim.