Zülpichs Lukas Bungart gelingt ein Traumtor, Schöneseiffens Timo Bornewasser ein Hattrick und Frauenbergs Trainer Marcel Timm ist auf 180.
FußballZülpich gewinnt Spitzenspiel gegen Dahlem-Schmidtheim – Viele wilde Partien

Brachte den SSV Weilerswist gegen Nierfeld mit 1:0 in Führung: Stürmer Daouda Coulibaly.
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Es war ein wilder Sonntag in der Kreisliga A, der wohl nur ein Vorgeschmack gewesen sein dürfte, was an den verbleibenden neun Spieltagen noch alles auf Spieler, Trainer und Zuschauer zukommen könnte.
Sportfreunde DHO mit Glück, Können und Bastian Hilbert
SG Flamersheim/Kirchheim – Sportfreunde DHO 1:2 (0:1). Die Sportfreunde aus Derkum, Hausweiler und Ottenheim sind das Kryptonit der SG FlaKi. Zehn Punkte hat der Tabellenletzte bisher geholt – sechs davon gegen die Mannschaft von Marco Markwald. Die Zuschauer in Kirchheim sahen feldüberlegene Gastgeber, die aus diesem optischen Übergewicht einfach zu wenig machten.
Und so kam es, wie es in solchen Spielen oftmals kommt: Mit der ersten und einzigen Chance im ersten Durchgang gingen die Sportfreunde durch Adrian Hajdini in Führung. In der 65. Minute baute das Team von Rene Urbach diese sogar aus. Torschütze war Aziz Neziri. Eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff war es dann Paul Doppelfeld, der verkürzte. Mehr war nicht drin – auch, weil der Schiedsrichter aus Sicht der Platzherren gleich mehrere Elfmeter nicht gab und DHO-Torhüter Bastian Hilbert einen Sahnetag erwischt hatte.
„Auswärts beim formstärksten Team der Liga einen Dreier zu holen, in unserer derzeitigen Situation, da ist die Freude natürlich riesig“, sagte DHO-Coach Urbach: „In der zweiten Halbzeit machte FlaKi 45 Minuten Dauerdruck auf unser Tor. Da muss ich vor meinen Jungs absolut den Hut ziehen, wie sie mit Leidenschaft und Kampf bis zur letzten Minute dagegengehalten haben. Wir hatten – zum wahrscheinlich ersten Mal in der Saison – das Spielglück auf unserer Seite.“ Für FlaKi war es in diesem Jahr das erste Spiel, in dem die SG nicht als Sieger vom Platz gegangen ist.
Frauenbergs Trainer Marcel Timm nimmt Mannschaft in die Pflicht
SV Sötenich – SV Frauenberg 5:3 (2:1). Der Sieg der Gastgeber war verdient – darin waren sich alle Beteiligten einig. Uwe Metternich, Sportlicher Leiter beim SVS, bemängelte lediglich die Chancenverwertung in der ersten Halbzeit. „Da müssen wir deutlich führen“, so Metternich. Die Gastgeber gingen durch ein Eigentor von Frauenbergs Yannik Hergarten in Führung, Pascal Schröder glich nur eine Minute später aus. Dann war es Tim Jäckel, der in der 33. Minute auf 2:1 stellte. Sein Bruder Dennis erhöhte in der 49. Minute auf 3:1.
Frauenberg gab sich zu keinem Zeitpunkt auf und kam durch Sebastian Kaiser erneut zurück. Auf das 4:2 durch Martin Schmitz antwortete erneut Kaiser. Als dann Jens Knebel in der 83. Minute das 5:3 erzielt hatte, war der Widerstand dann aber doch gebrochen. Frauenbergs Trainer Marcel Timm fand nach der Niederlage deutliche Worte: „Wir haben zu viele Fehler gemacht und den Gegner immer wieder selbst ins Spiel gebracht. Wir haben es nicht verstanden, organisiert nach vorne zu spielen. Durch die Bank war das heute einfach schlecht.“
Trotz personeller Ausfälle wollte der Trainer dies nicht als Ausrede gelten lassen. „Jeder will in der Kreisliga spielen, und die Spieler, die heute die Chance hatten, müssen mehr zeigen“, betonte er. Letztlich habe es bei vielen Akteuren schlicht nicht gereicht, um auf diesem Niveau zu bestehen. „Wir haben absolut verdient verloren. Das war zu wenig für die Kreisliga A. Da müssen wir deutlich mehr abrufen“, so Timm.
Emotionales Comeback beim SSV Weilerswist
SSV Weilerswist – SV Nierfeld 2:2 (1:0). Irgendwie war es ein komisches Fußballspiel aus Sicht des SSV, der sich den ersten Punkt in diesem Jahr erkämpft hat. Und den sicherte sich das Team von Trainer Frederik Ziburske praktisch mit dem Schlusspfiff. Zudem feierte Patrick Hinsch nach seiner schweren Verletzung sein Comeback in der Startelf – und hatte sogar kurz Grund zum Jubeln. Sein Treffer wurde jedoch aberkannt.
„Für mich absolut unglaublich, so ein Tor zurückzupfeifen“, kritisierte Ziburske. Der Schiedsrichter habe angegeben, einen Kontakt gehört zu haben, obwohl dieser laut Ziburske eher zugunsten seines Spielers ausgefallen sei. Gerade vor dem Hintergrund der langen Verletzungspause von Hinsch sei diese Entscheidung besonders bitter gewesen. „Das war ein Tor-Klau der allerbittersten Art“, so der Trainer.
Über weite Strecken dominierte der SSV die Partie. „Wir hatten das Spiel 83 Minuten relativ gut im Griff“, erklärte Ziburske, der in der 17. Minute das 1:0 durch Daouda Coulibaly bejubelt hatte.
Umso bitterer war aus Sicht des SSV der zwischenzeitliche Einbruch: Innerhalb von nur zwei Minuten kassierte Weilerswist zwei Gegentore durch Jonas Küpper (83.) und Marcel Maus (85.). „Da haben wir zweimal gepennt“, ärgerte sich der Trainer. Trotz des Rückschlags bewies das Team Moral und rettete sich in der Schlussminute noch zum Ausgleich durch Dennis Besirovic. „Nach drei Niederlagen in Folge tut es gut, endlich wieder etwas mitzunehmen“, sagte Ziburske.
TuS Vernich – SV Schöneseiffen 4:4 (1:1). Wer nach einer Definition für ein wildes Spiel sucht, dürfte beim Spiel zwischen Vernich und Schöneseiffen fündig werden. Im Duell der beiden Abstiegskandidaten gingen die Gäste aus der Eifel in der 37. Minute durch Timo Bornewasser in Führung. Die Gastgeber glichen noch vor dem Seitenwechsel durch Elias Platz aus.
Marten Pleger und Arber Kryeziu schraubten bis zur 64. Minute die TuS-Führung auf 3:1 hoch. Davon ließen sich die Gäste aber nicht aus dem Konzept bringen. Timo Bornewasser markierte zwei weitere Treffer und damit einen Hattrick zum Ausgleich. Dieser hatte aber nur bis zur 74. Minute Bestand – eine Minute nach Bornewassers drittem Tor. Maurice Platz markierte das 4:3 für den TuS.
Timo Bornewasser erzielt in Vernich einen Hattrick
Aber auch vier eigene Treffer reichten nicht zum Sieg, weil Schöneseiffen abermals Moral bewies und Martin Hupp in der Schlussminute doch noch der Ausgleich gelang.
Es war ein Spiel, das bei allen Beteiligten Spuren hinterlassen hatte. So auch bei Schöneseiffens Trainer Heiko Zimmer. Der Übungsleiter sprach im Anschluss von einer „richtig wilden Nummer“, die erst einmal eingeordnet werden müsse.
Dabei hatte sich die Mannschaft im Vorfeld deutlich mehr vorgenommen. „Wir wollten gewinnen, so wie auch vergangene Woche nach dem Rückstand“, erklärte Zimmer. Doch angesichts der aktuellen Situation zeigte er sich mit dem Ergebnis nicht unzufrieden. Vor allem die Einstellung seiner Spieler hob er hervor: „Die Moral stimmt in der Mannschaft. Wir haben nicht locker gelassen.“
Ich hoffe, darauf können wir aufbauen – auf den Punkt und auf die Moral.
Sein Team stecke derzeit in einer schwierigen Phase. Besonders die personelle Lage bereitet dem Trainer Sorgen: „Es sieht sehr, sehr düster aus im Moment bei uns.“ Umso höher bewertete er den Einsatz der verbliebenen Spieler: „Die Jungs, die heute auf dem Platz standen, haben sich wirklich reingehangen.“
Am Ende stand ein Punktgewinn, der im Kampf um den Klassenerhalt von Bedeutung sein könnte. „Wir haben heute den Mindeststandard gehalten“, so Zimmer. Ziel sei es gewesen, den Abstand zu den direkten Konkurrenten zumindest zu wahren. Mit Blick nach vorne setzt der Trainer auf die gezeigte Mentalität: „Ich hoffe, darauf können wir aufbauen – auf den Punkt und auf die Moral.“
Leider wurden individuelle Fehler von den Mechernichern konsequent bestraft.
TuS Mechernich – SSV Lommersum 4:4 (3:3). Wer nach einer Definition für ein wildes Spiel sucht, dürfte auch beim Spiel zwischen Mechernich und Lommersum fündig werden. Die Gäste aus Lommersum führten nach Toren von Elias May und einem Doppelpack von Maurice Hergarten nach 21 Minuten mit 3:0. Nach einem Eigentor von Alexander Joist und Toren von Jens Honnef und Tom Lengersdorf stand es noch vor dem Seitenwechsel 3:3.
„Leider wurden individuelle Fehler von den Mechernichern konsequent bestraft“, sagte Lommersums Sportlicher Leiter Alex Kill. Spielerisch sei die Partie auf beiden Seiten kein Leckerbissen gewesen. Kill: „Gemessen am Spielverlauf geht das 4:4 am Ende für beide Mannschaften in Ordnung. Auch wenn nach der deutlichen Führung natürlich mehr für uns drin gewesen wäre.“
Das sah auch Mechernichs Trainer Mirco Mertens so, der von einer wilden Partie sprach. Sein Team habe die Anfangsphase völlig verschlafen, aber große Moral gezeigt. Nach dem 4:3 durch Oliver Kröll schnupperte die TuS sogar am Heimsieg, aber Joshua Schramm sicherte dem SSV in der 87. Minute den Punkt.
SSV Golbach – TSV Schönau 4:0 (3:0). „Wir hatten Schönau über 90 Minuten im Griff, und wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel abgeliefert“, sagte SSV-Coach Michael Müller. Das Ergebnis sei letztlich auch in der Höhe absolut verdient gewesen, weil man noch die eine oder andere Chance habe liegen lassen.
Felix Malsbenden brachte die Gastgeber in der sechsten Minute in Führung. Jean Kamano erhöhte nach einer Viertelstunde. Praktisch mit dem Pausenpfiff schraubte Jan Malsbenden das Ergebnis nochmals in die Höhe. Als Max Hofmann in der 59. Minute den späteren Endstand erzielte, war das Spiel endgültig entschieden. „Das war eine unserer besten Saisonleistungen. Die Jungs haben von vorne bis hinten vollends überzeugt“, so Müller.
Zülpich gewinnt das Spitzenspiel bei der SG Dahlem-Schmidtheim
SG Dahlem-Schmidtheim – TuS Zülpich II 2:3 (1:2). Die Reserve des TuS Zülpich hat die Partie bei der SG Dahlem-Schmidtheim gewonnen. Auf dem Papier war das Duell ein absolutes Spitzenspiel. Auf dem Kunstrasen in Schmidtheim war es dann eher ein Abnutzungskampf mit technischen Unzulänglichkeiten, bei dem beide Teams nie an ihr eigentliches Leistungsvermögen heranreichten.
Aber kein Spitzenspiel mit Abstrichen ohne Ausnahme. Das 3:1 durch Zülpichs Lukas Bungart in der 53. Minute war das Eintrittsgeld wert. Nach einem Freistoß aus dem zentralen Halbfeld von Marius Lepartz legte sich der 27-Jährige quer in die Luft und überwand DaSch-Torwart Yannick Schmitz per Seitfallzieher aus gut sieben Metern. „Es war das schönste Tor in einem wichtigen Spiel meiner Karriere“, sagte der Torschütze.

Große Freude nach einem sehr sehenswerten Tor: Zülpichs Lukas Bungart (2.v.l.) feiert sich und lässt sich von seinen Mitspielern nach dem Tor zum 3:1 feiern.
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Zülpichs Marcel Heindrichs (l.) führte intensive Zweikämpfe, traf zum 2:1 und verletzte sich.
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Deutlich einfacher als Bungart hatte es in der 75. Minute SG-Spieler Dominik Vilz. Nach der einzigen Unsicherheit von Zülpichs Torwart Robin Metternich schaffte es Vilz, den Ball aus zwei Metern noch gegen die Latte des TuS-Tores zu schießen.
Das wäre zu diesem Zeitpunkt der Ausgleich für die Gastgeber gewesen, weil Dino Halilic in der 67. Minute per Strafstoß der Anschlusstreffer geglückt war. Dem war ein Foul an Mitspieler Sebastian Etten vorausgegangen – ein Foul, das niemals einen Elfmeterpfiff gerechtfertigt hätte. So sahen es nicht nur die Gäste, sondern auch die Einheimischen, die den Pfiff erwartungsgemäß aber gerne annahmen.
Überhaupt war es nicht die einzige diskussionswürdige bis fragwürdige Entscheidung von Schiedsrichter Julius Paul. Auch dem 2:1 durch den TuS ging eine Szene voraus, die beide Seiten anders gesehen hatten. Der Unparteiische hatte in der 24. Minute auf Eckball für den TuS entschieden. Den verwandelte aus dem Getümmel heraus Marcel Heindrichs zum 2:1.
Heindrichs trifft und verletzt sich anschließend
Für den Abwehrspieler des TuS war es ein Tag mit gemischten Gefühlen. Kurze Zeit später musste der Defensivspezialist mit aufkommenden Torjägerqualitäten nämlich verletzt ausgewechselt werden. „Es hat definitiv im Knie einen Knacks gegeben“, so Heindrichs, der dem TuS wohl länger fehlen wird. Fehlen wird dem TuS auch Traumtorschütze Bungart, der in der Schlussphase die Gelb-Rote Karte sah.
Nach einem katastrophalen Fehler im Spielaufbau der Heimmannschaft waren die Gäste, die sich durch den Erfolg auf den ersten Platz verbesserten, in der sechsten Minute durch Jakob Fischer in Führung gegangen. Das Team von Trainer Christian Hammes schüttelte sich danach einmal und hatte die richtige Antwort parat.

Damit auf Stehplatz Mitte auch alle etwas sehen, gibt es für die Zuschauer kostenfreie Tritthocker.
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Mit dem Kopf durch die Wand: Dahlems Luca Caputo (r.), in der 56. Minute eingewechselt, trifft Gegner und Ball.
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Nach einem Eckball war es Niklas Hahn, der mit einem sehenswerten Kopfball – begünstigt durch die mangelhafte Zuordnung in der TuS-Defensive – zum Ausgleich traf. In der Folgezeit hatten die Römerstädter vor rund 150 Zuschauern mehr vom Spiel, ohne in irgendeiner Form besonders zu überzeugen. SG-DaSch-Coach Hammes sagte nach dem Spiel, dass „beide Teams besser Fußball spielen können“. Zülpich habe bis zur 60. Minute den Sieg verdient gehabt.
„Durch unsere Schlussphase wäre ein Unentschieden am Ende auch in Ordnung gewesen, aber Zülpich hat mehr investiert, jedoch nicht besser Fußball gespielt“, sagte Hammes. Sein Gegenüber Marc Altendorf sagte: „Die drei Punkte heute nehmen wir mit, aber es ist noch ein langer Weg.“
Sollten aber beide Teams in den verbleibenden neun Partien der Kreisliga A jeweils als Sieger vom Feld gehen, dürfte auch die SG Dahlem-Schmidtheim aufsteigen – über die Quotientenregelung, die es auch dem Tabellenzweiten ermöglicht, in die Bezirksliga „hochzugehen“.


