Wenn es die Kaller Tafel nicht schon 20 Jahre lang geben würde, so müsste man sie glatt neu erfinden. Denn steigende Lebensmittelpreise, wie es sie beispielsweise seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine gibt, treffen vor allen Dingen die Menschen besonders hart, die über ein geringes Einkommen verfügen. Dienstags und freitags findet in Kall die Ausgabe von Lebensmitteln aller Art statt. Obst und Gemüse, Brot und Backwaren, dazu frische Lebensmittel wie Wurst, Käse oder Eier: Das Angebot ist – abhängig von den jeweils gespendeten Waren – vielfältig.
120 Haushalte und 45 Helferinnen und Helfer
„Insgesamt rund 120 Haushalte mit bis zu 400 Personen versorgen wir jede Woche“, berichtet Hermann-Josef Sons nicht ohne Stolz. Das gelingt, weil jede Woche etwa 45 Ehrenamtler im Einsatz sind. „Etwa 200 Arbeitsstunden kommen so jede Woche zusammen – fürs Abholen und Sortieren der Lebensmittel sowie für die Ausgabe an den beiden Tafeltagen“, rechnet Sons vor. Er hat vor zwei Jahren den Vorsitz des Vereins übernommen.
Der Verein nennt sich Kaller Tafel, weil er am 16. November 2006 in Kall gegründet wurde. Die Kundinnen und Kunden kommen aber nicht nur aus Kall, sondern auch aus Blankenheim, Dahlem, Hellenthal, Nettersheim und Schleiden. Triebfeder für das Entstehen der Kaller Tafel war der Verein „Frauen für Kall“. Weitere Unterstützer waren bei der Gründung die Mechernicher Tafel, die Kirchengemeinschaft der Gemeinden Kall, die evangelische Kirchengemeinde Gemünd, der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt, der Caritasverband Eifel und letztendlich die Gemeinde Kall.
Neue Räume und Finanzierung der Fixkosten
„Nach der Flut von 2021 haben wir mit Unterstützung der Gemeinde neue Räume beziehen können“, berichtet Sons: „Wir sind jetzt in der Hüttenstraße 65, da wo vorher das Brauhaus war.“ Und dank des ehemaligen Kaller Bürgermeisters Hermann-Josef Esser beteiligten sich inzwischen alle der oben genannten Kommunen anteilsmäßig an den Miet- und Nebenkosten, stellt der Vorsitzende heraus. „Unser ausdrücklicher Dank gilt daher allen Bürgermeistern und den Räten der Kommunen“, betont Sons. Auf diese Weise seien mehr als die Hälfte der jährlich knapp 40.000 Euro Fixkosten des Vereins abgedeckt. „Den Rest erwirtschaften wir durch den Eigenanteil der Kunden und durch Zuwendungen zahlreicher Spender, die uns unterstützen“, freut sich Sons.

Der aktuelle Tafel-Vorstand.
Copyright: Rainer Karls/Tafel Kall
Abholung der Waren in der ganzen Region
Von Montag bis Freitag sind wechselnde Teams mit zwei Kleintransportern mit Kühlanlage unterwegs, um gespendete Ware in Kisten zu packen und abzuholen. „Diese Ware stammt von Bäckereien, Supermärkten und Discountern in Hellenthal, Blankenheim, Schleiden und Kall“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Gut funktioniere auch das Netzwerk der verschiedenen Tafeln in der Umgebung. „Man hilft sich gegenseitig und informiert die Kollegen, wenn man von einer Ware besonders viel hat.“
Zurück am Standort Hüttenstraße wird die Ware entladen und das nächste Team übernimmt. „Dieses Team ist für das Sortieren und die Auslese der Lebensmittel zuständig. Die ausgewählte Ware wird in Regale oder Kühlschränke für die Ausgabetage Dienstag und Freitag einsortiert.“ Eine dritte Mannschaft kümmert sich dann an den beiden Ausgabetagen um die Weitergabe an die Kunden.
„Wir haben ein gutes und engagiertes Team im Einsatz, aber speziell mit Blick auf die kommenden Jahre brauchen wir auch neue Kräfte, die mit anpacken wollen“, wirbt Sons um neue Unterstützung: „Unsere älteste Helferin ist 88, der älteste Fahrer bereits 83 Jahre alt.“ (thw)
www.kaller-tafel.de

